Das Ende?

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„Schnell! Wir müssen Selfie Bescheid geben!"
Als erster von uns beiden machte er einen vernünftigen Vorschlag. Hastig liefen wir zu Selfies Haus und stürmten es ohne zu klopfen.
Erschrocken wandte er sich uns zu, doch... er war nicht alleine. Takaishii saß neben ihm und schaute uns mindestens ebenso erschrocken an wie wir ihn.
„Könnt ihr nicht klopfen, ihr habt mir einen richtigen Schrecken eingejagt", brach Selfie das unangenehme Schweigen.
„Was macht er hier? Warum ist er nicht hinter Gittern, wo er hingehört?", fragte ich und versteckte mich vorsichtshalber hinter Herr Bergmann, der ja zum Glück größer war als ich.
„Herr Bergmann, sie waren ja selber einige Zeit im Gefängnis, sie wissen ja, wie es dort ist. Deswegen habe ich überlegt ihn ab und zu, natürlich unter Beobachtung, für ein paar Stunden herauszulassen. Ich hab ein Gewehr und er ist unbewaffnet, außerdem, wohin sollte er denn fliehen? Ich finde es nur menschenunwürdig, wenn jemand 24 Stunden am Tag in einer kleinen, dunklen Zelle sitzen muss. Sie können das doch bestimmt nachvollziehen, oder?"
Hoffnungsvoll sah er Bergmann an, welcher zögerlich nickte.
„Ja, das Leben in dieser Zelle ist wirklich die Hölle. Aber sind sie sich sicher....", er wandte seinen Blick zu Takaishii, „...dass sie die Kontrolle über ihn behalten können. Ich möchte nämlich nicht, dass es hier doch noch Tote gibt."
Überzeugt nickte Selfie und Bergi schien sich damit zufrieden zu geben, doch noch immer lag etwas Misstrauen in seinem Blick. Das war ja auch nicht weiter verwunderlich, wenn man darüber nachdachte, was dieser Mann uns schon alles angetan hatte. Und zu wissen, dass er regelmäßig freigelassen wurde, wenn auch unter Beobachtung, jagte mir eine Gänsehaut über den Rücken.
Aber Selfie hatte wohl Recht, würde Takaishii fliehen wollen, könnte er ihn einfach abknallen. Takaishii war unbewaffnet, er hätte keine Chance. Und er war ein Gefängnisinsasse, Rechte hatte er also keine mehr. Niemand würde Selfie einen Vorwurf machen, würde er ihn erschießen.
Während ich nachgedacht hatte, hatte ich gar nicht mitbekommen, dass Bergi und Selfie sich weiter unterhalten hatten. Jetzt aber schob Bergi mich sanft aber bestimmt wieder raus auf die Straße.
„Was hältst du davon?", fragte ich ihn, sobald wir außer Hörweite der beiden waren.
Unschlüssig zuckte er mit den Schultern.
„Solange Selfie die Kontrolle über die Situation behält ist ja alles schön und gut, aber ein wenig mulmig ist mir bei der Sache schon. Aber ich fürchte, wir werden ihm da einfach vertrauen müssen."
Leise seufzte ich. Selfie würde das schon hinbekommen, er schien ein gutes Händchen für Takaishii zu haben. Das hoffte ich zumindest.

- - - 2 Wochen später (Die Überleitung bitte in der Spongebob Stimme lesen :D) - - -

Eigentlich hätte alles perfekt sein können. Ich hatte den besten Freund, den man sich vorstellen konnte, war von vielen guten Freunden umgeben und hatte eigentlich auch keine großen Probleme mehr. Doch leider nur eigentlich. Denn obwohl ich Bergi wirklich liebte war tief in mir drin noch immer diese Angst vor ihm verankert. Ich hatte gedacht das würde sich mit der Zeit von selbst lösen, zumindest hatte ich das gehofft. Doch noch immer bekam ich Angst, sobald ich merkte, dass er weiter gehen wollte. Dieses Erlebnis in der Höhle schien mir wohl noch näher gegangen zu sein, als ich vermutet hatte.
Eine traumatische Erfahrung, das beschrieb es wohl ganz gut. Ein Glück merkte er immer sofort wenn etwas nicht stimmte und ließ mich in Ruhe. Allerdings wusste ich nie was ich antworten sollte, wenn er fragte, was denn los wäre.
Ich bekam jedes mal panische Angst. Und ich konnte einfach nichts dagegen tun.
Immer wieder sagte er mir, dass es ihm nichts ausmachen würde. Aber ich war doch nicht blöd, ich merkte doch dass er das nur sagte, damit ich nicht das Gefühl bekam er würde mich zu irgendetwas zwingen wollen. Langsam wusste ich nicht mehr weiter, ich bekam meine Ängste einfach nicht unter Kontrolle. Wie sollte ich denn eine normale Beziehung mit ihm führen, wenn ich immer noch Panik bekam, sobald er mir näher kommen wollte.

In meiner Verzweiflung ging ich zu Herrn Zone. Er hatte mir jetzt schon so oft geholfen, vielleicht hatte er ja eine Idee. Zögerlich klopfte ich an seiner Tür. Ein wenig nervös war ich schon, noch nie hatte ich mit ihm über so etwas intimes geredet. Ich fürchtete mich ein wenig vor seiner Reaktion. Aber mit irgendjemandem musste ich darüber reden, so konnte das nicht weiter gehen.
„Hallo Manuel! Was führt dich zu mir?", begrüßte er mich fröhlich.
Ich betrat sein Haus, atmete noch einmal tief durch und begann ihm mein Problem zu erläutern. Sein Blick blieb sachlich und ich war ihm wirklich dankbar dafür. Ein blöder Spruch wäre jetzt wirklich das letzte gewesen, das ich hätte gebrauchen können.
„...Und deswegen wollte ich fragen, na ja, kannst du mir vielleicht irgendwas zur Beruhigung geben, damit ich nicht so schnell ängstlich werde?", beendete ich meinen Redeschwall.
Energisch schüttelte er seinen Kopf.
„Das halte ich für keine gute Idee. Du kannst kein Vertrauen erzwingen. Und stell dir mal vor, wie verletzend es sein muss, wenn die Person die du liebst zu solchen Mitteln greifen muss. Das kannst du nicht bringen. Du musst ihm vertrauen. Aber dafür solltest du vielleicht einfach mit ihm reden. Über die Ereignisse in der Höhle. Ich kann mir vorstellen, dass das nicht dein Lieblingsthema sein wird, aber wenn ihr euch nicht langsam mal aussprecht wird das nichts."
Damit hatte er es auf den Punkt gebracht. Wir hatten noch nie ordentlich darüber geredet. Und hatte ich wirklich darüber nachgedacht, mich mit Beruhigungsmitteln oder Alkohol zu etwas zu zwingen? Allein das ich diese Idee hatte, war mir schon unangenehm.
„Und, ähm.. Kedos. Ich habe auch Angst... das nicht hinzubekommen. Ich war noch nie mit einem anderen Mann zusammen, und... ja..."
Kedos räusperte sich kurz und ich sah, das auch ihm das Gespräch langsam ein wenig unangenehm wurde.
„Also ich glaube nicht, dass Bergi von dir erwartet, dass du gleich alles perfekt machst und all seine Vorlieben kennst. Da musst du dir keine Sorgen machen. Aber ich werde dir definitiv nichts erklären, nur damit das klar ist!"
Wieder einmal war ich froh, dass ich eine Maske trug, denn mein Kopf war knallrot angelaufen.
„Ja ja, natürlich nicht.", war das einzige, das ich noch artikulieren konnte.
Kedos schien zu spüren, dass ich immer noch extrem unsicher war.
„Ach Manu, so kompliziert ist das jetzt auch wieder nicht. Ihr bekommt das schon hin. Du solltest nur deine Angst in den Griff kriegen, und dafür musst du mit ihm reden, nicht mit mir."
Aufmunternd klopfte er mir auf die Schulter und lächelte mich an.
„Woher willst du das denn wissen?", fragte ich nach.
Nun wurde auch er rot. Verlegen wandte er seinen Blick Richtung Boden und knetete nervös seine Hände. Gab es da etwa etwas, das ich nicht wusste?
„Du erzählst das niemandem, haben wir uns verstanden?", fragte er eindringlich nach.
Ich nickte nur und war gespannt, was er mir zu erzählen hatte.
„Du kennst doch die Calamari von Nestfloh und Bloqler? Und deren Wirkung?"
Wieder nickte ich nur.
„Nun ja, ich hatte wohl auf Calamari etwas mit Dario."
Meine Augen weiteten sich ungläubig. Er und Dario? Ich hatte nie etwas bemerkt, aber wenn ich ehrlich war schenkte ich ihnen ja auch erst seit kurzer Zeit wirklich Beachtung.
„Das war nur eine einmalige Sache, wie gesagt, wir waren auf Calamari. Wir haben uns darauf geeinigt das einfach zu vergessen. Denk dran, du weißt von nichts. Ich habe dir das nur gesagt, damit du mal aufhörst dir so einen Kopf zu machen. Und... Hey! Das ist nicht lustig!"
Empört maulte er mich an, als ich anfing zu lachen. Ich wollte ja nicht, aber die Situation war einfach zu merkwürdig.
„Entschuldigung...", brachte ich unter Lachen hervor, „...aber der Satz, dass du auf Calamari etwas mit Dario hattest, hat mich gekillt."
Auch er fiel in mein Lachen ein und klopfte mir auf die Schulter.
„Und jetzt gehst du zu Bergi, redest erst mit ihm und legst ihn dann flach. Das schaffst du schon!"
Überfordert mit seiner Direktheit stammelte ich nur ein leises:" Danke" und wurde von ihm zur Tür geschoben.
„Viel Spaß noch!", rief er mir hinterher, und ich konnte mir sein Grinsen nur zu gut vorstellen. Mit knallrotem Kopf lief ich zu Bergis Haus.

Die zwei Seiten eines MenschenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt