Ich genoss es in vollen Zügen im Wasser zu treiben und mit Bergi herumzualbern. Doch irgendwann war ich so müde, dass ich fast nicht mehr die Kraft dazu aufbringen konnte mich über Wasser zu halten.
„Ich bin müde, lass uns schlafen gehen.", rief ich ihm also zu und schwamm ans Ufer.Kurz darauf hatten wir uns mit ein paar Decken einen halbwegs gemütlichen Schlafplatz zusammen gebastelt und beobachteten die Sterne. Hier in der Wüste war der Himmel so klar, dass mir erst richtig bewusst wurde, wie beeindruckend das Universum überhaupt war, und wie wunderschön es aussehen konnte. In Essen, meiner Heimatstadt, war die Luft von den Abgasen der Stadt so trüb, dass man nicht annähernd so viele Sterne sehen konnte. Ich wandte meinen Blick zur Seite und schaute Bergi an, welcher, so wie ich zuvor, fasziniert den Himmel beobachtete. Behutsam rückte ich ein Stück näher zu ihm und seufzte wohlig, als er einen Arm um mich legte und mich noch näher zu sich zog.
„Guck mal, das ist der Orion", flüsterte er mir zu und zeigte auf eine Anordnung von Sternen.
„Die drei nebeneinander sind sein Gürtel, siehst du das?"
Leicht nickte ich, als ich wirklich erkannte, was er meinte.
„Wenn wir jetzt eine Sternschnuppe sehen würden, was würdest du dir wünschen?", wisperte er mir zu und schaute mir in die Augen.
„Das darf man doch nicht sagen, dann geht es nicht in Erfüllung."
Er schmunzelte nur über meine Antwort. „Aber rein hypothetisch...", fragte er noch einmal.
Kurz dachte ich nach, das war eine wirklich gute Frage, was würde ich mir wünschen? Eigentlich hatte ich ja jetzt alles, was ich wollte.
„Das alles so bleibt wie es jetzt ist. Das nichts schlimmes mehr passiert und wir einfach so glücklich bleiben können, wie wir gerade sind."
Anstatt etwas dazu zu sagen küsste er mich sachte auf die Wange.
„Ich weiß, dass du das nicht gerne hörst, aber manchmal kannst du verdammt süß sein."
Ich gab einfach keinen Kommentar dazu ab, sondern stellte ihm seine Frage zurück:"Und du? Was würdest du dir wünschen?"
Nachdenklich legte er seinen Kopf schief.
„Kannst du tanzen?", fragte er breit grinsend.
Irritiert schaute ich ihn an. „Nicht wirklich, warum fragst du?"
„Ach, ich finde es nur immer so beeindruckend wenn Menschen gut tanzen können. Aber keine Sorge, ich kann das auch nicht."
„Das war jetzt aber kein Wunsch.", auffordernd sah ich ihn an.
„Ich glaube, ich würde gerne Dinge ungeschehen machen. Also die, die ich vor ein paar Wochen getan habe.", unsicher senkte er seinen Blick und schaute schuldbewusst auf den Boden.
„Aber dann wären wir jetzt nicht hier. Alles was passiert ist hat dazu beigetragen, dass wir jetzt so hier liegen. Und du konntest nichts dafür."
Schwach nickte er. Ich wollte ungern über das Thema reden, also schmiegte ich mich näher an ihn und schloss meine Augen. Irgendwann müssten wir uns aussprechen, aber nicht jetzt.
„Willst du so schlafen?", fragte er.
„Ich möchte nur ein wenig genießen. Ab und zu braucht man das auch mal."
Zustimmend murmelte er etwas und schwieg dann auch. Zärtlich streichelte er mich und ich genoss die Berührung. An seiner Seite fühlte ich mich geborgen und er war seit langer Zeit der erste, bei dem ich körperliche Nähe angenehm fand.Am nächsten Morgen wachte ich in seinen Armen auf. Das war wirklich etwas, an das ich mich gewöhnen könnte.
Sein Atem ging ruhig und regelmäßig, anscheinend schlief er noch. Also wand ich mich aus seinen Armen und stand so geräuschlos wie möglich auf. Ich wollte ihm einen Gefallen tun und schon einmal das Frühstück vorbereiten, das letzte mal hatte er sich darüber ja sehr gefreut.
Aus den Satteltaschen kramte ich ein paar Lebensmittel hervor, die wir eingepackt hatten und richtete sie schön an. Dann setzte ich mich neben ihn und beobachtete ihn beim Schlafen, während ich überlegt, wie ich ihn wecken sollte. Doch als würde er meinen Blick auf sich spüren schlug er nach kurzer Zeit seine Augen auf.
„Guten Morgen", sagte ich grinsend.
Verschlafen schaute er mich an und ich starb innerlich ein wenig bei diesem Anblick.
„Ich habe schon Frühstück gemacht."
Kaum hatte ich diese Worte ausgesprochen fingen seine Augen an zu leuchten und er richtete sich auf. Er war wirklich sehr einfach zu begeistern.Nach dem Essen packten wir alles ein und schnallten die Packtaschen an die Sättel. Gerne wäre ich noch länger hiergeblieben, aber wir beiden Idioten hatten bei unserem sehr kurzfristigen Aufbruch zu wenig Essen und gar keine Wechselkleidung eingepackt.
„Du kannst von mir aus auch nackt durch die Gegend laufen.", meinte Bergi zwinkernd.
Mein entsetzter Gesichtsausdruck schien ihm zu zeigen was ich davon hielt, denn er hob gleich abwehrend die Hände. „Ich hab' nichts gesagt."
„Ja ja...", meinte ich in etwas schärferem Ton als beabsichtigt.
„Warum auf einmal so empfindlich?", fragte er.
Knurrend wandte ich mich von ihm ab. Ich spürte seinen fragenden Blick in meinem Rücken, doch ich ignorierte ihn. Warum ich so übertrieben reagierte war mir selbst nicht ganz klar. Wenn wir jetzt zusammen waren würde er mich früher oder später ja sowieso unbekleidet sehen.
Schwer schluckte ich. Das war etwas, über das ich bis eben noch überhaupt nicht nachgedacht hatte. Gerne kuschelte ich mit ihm und ich liebte das Gefühl von seinen Lippen auf meinen, aber als ich darüber nachdachte weiter zu gehen...
„Manu, geht es dir nicht gut?", besorgt sah er mich an.
Hastig schüttelte ich meinen Kopf.
„Nee, alles in Ordnung."
„Du sahst so blass aus, ich dachte schon du kippst mir wieder um.", sagte er immer noch ein wenig unruhig.
„Nein, nein. Bin nur ein wenig müde."
Ich log ihn an. Das war mir bewusst. Aber ich wollte wirklich nicht aussprechen, über was ich gerade nachgedacht hatte. Misstrauisch legte er den Kopf schief, doch schien sich dann dafür zu entscheiden, mir einfach zu glauben. Das würde für ihn auch definitiv leichter sein, als zu versuchen, die Wahrheit aus mir herauszubekommen.
„Dann brechen wir mal auf, würde ich sagen!", rief er mir gut gelaunt zu und brachte mir mein Pferd.
„Ab nachhause!", antwortete ich ebenfalls gut gelaunt. Nicht zu viel nachdenken, mehr den Moment genießen.Viel zu schnell kam Desperado in Sicht. Hinter dem letzten Berg hielten wir noch einmal kurz an.
„Vor den anderen wirst du deine Maske wieder aufsetzen, oder?", fragte er.
Ich nickte und er sprang von seinem Pferd. Verwundert beobachtete ich ihn dabei.
„Was ist los?"
Anstatt meine Frage zu beantworten lächelte er mich an und hielt mein Pferd fest.
„Komm her, ich möchte dich noch einmal küssen bevor du deine Maske wieder aufsetzt."
Lachend sprang ich vom Pferd und wurde gleich von ihm zu sich gezogen, woraufhin er unsere Lippen miteinander vereinte. Ich lächelte in den Kuss hinein und legte eine Hand in seinen Nacken, liebevoll bewegte er seine Lippen gegen meine. Ich schloss meine Augen und ließ mich vollkommen fallen, gab mich ihm vollkommen hin. Als er die zärtliche Berührung beendete zog er mich in eine Umarmung und legte seinen Kopf auf meine Schulter.
„Mein kleiner Manu", flüsterte er mir ins Ohr.
Der letzte Rest an Anspannung fiel nun von mir ab und ein überglückliches Grinsen zierte mein Gesicht. Dann löste ich mich vorsichtig aus der Umarmung und sah ihn entschuldigend an. Ich suchte meine Maske aus meiner Tasche und zog sie mir über. Ein wenig traurig sah er mir dabei zu, aber er sagte nichts weiter.
„Sobald wir alleine sind zieh' ich sie ja wieder aus.", versuchte ich ihn aufzumuntern.
„Und keiner außer mir weiß, wie du aussiehst. Ich fühle mich schon geehrt.", sagte er schmunzelnd.
„Aber das auch nur weil ich dich liebe, und jetzt lass uns endlich nachhause gehen."
Kurz lachte er und stieg dann wieder auf sein Pferd. Na dann, zurück nach Desperado.„Home, sweet Home!", sang Bergi vor sich hin als wir Desperado erreichten.
Ich hatte wohl einen negativen Einfluss auf ihn, was das Singen an beging. Aber es war doch schön, wenn er so gut gelaunt war. Als wir am Gefängnis vorbeiritten fiel mir auf, dass die Tür sperrangelweit offen stand. Geschockt sprang ich vom Pferd und lugte hinein. Nichts. Kein Takaishii. Nur einen leere Zelle. Und natürlich Marc.
„Manu, was ist los?", fragte Bergi beunruhigt.
„Takaishii ist nicht da!", rief ich ihm aufgebracht zu.
„Wie, nicht da?"
Er betrat jetzt auch das Gefängnis und musterte so wie ich die leere Zelle. Ängstlich sah er mich an. Anscheinend wartete er darauf, dass ich etwas beruhigendes sagte, etwas, das die Situation erklären würde. Aber in meinem Kopf gab es nur ein Szenario, das das Ganze erklären würde: Takaishii war ausgebrochen. Und er hatte schon oft genug versucht Bergi und mich umzubringen, wir schwebten beide in Lebensgefahr, sollte er wirklich frei herumlaufen.

DU LIEST GERADE
Die zwei Seiten eines Menschen
Fiksi PenggemarHallo als erstes das ist nicht meine eigene ff die habe ich auf Fanfiction. de gefunden und ich hab die fertig gelesen und sie ist echt der Hammer deswegen zeige ich euch sie viel Spaß es ist eine GLP x Herr Bergmann ( es gibt viel zu wenig aber na...