7. Kapitel: Bewusstlos

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Ich schaffte es gerade noch so, für ein paar Sekunden meine Augen zu öffnen und blickte (mal wieder) direkt in zwei blaue Augen. Ich ließ meine Augen wieder zu fallen und das Letzte, was ich fühlte, waren seine Hände, die wie Feuer auf meinem kalten Körper brannten, und seinen Blick, der auf meinem Gesicht ruhte. Danach fiel ich entweder in tiefen Schlaf, oder in Bewusstlosigkeit...

Als ich wieder zu mir kam (oder aufwachte), war ich nicht im Stande, meine Augen zu öffnen. Ich konnte denken, wusste das ich wach war, konnte aber weder sprechen, noch sehen, noch fühlen, noch hören.
Ich versuchte krampfhaft meine Augen zu öffnen, was mir nach einer Zeit auch gelang. Schwarz. Ich konnte immer noch nichts sehen, auch nicht mit geöffneten Augen. Ich war so auf meine Augen konzentriert, dass ich die anderen Sinne vollkommen ignoriert hatte, denn ich konnte mittlerweile ein leises Geräusch wahrnehmen.

Es klang wie Stimmen. Aber von sehr sehr weit weg. Und sehr leise. Ich beschloss, einfach still liegen zu bleiben und nach einer Zeit konnte ich die Stimmen lauter und deutlicher wahrnehmen.
"Wir müssen sie zurück bringen" sagte eine Stimme.
"Du hast sie hergebracht, du wirst sie auch zurück bringen" antwortete eine eindeutig weibliche Stimme.
"Ich hab sie hergebracht, weil sie uns helfen kann!" antwortete die erste Stimme energischer.
"Du hättest sie nicht herbringen sollen" antwortete eine andere Stimme.
"Er hat Recht" erwiderte die weibliche Stimme. "Sie muss zurück und wenn wir Glück haben hat sie durch ihren Zusammenbruch alles vergessen"
"Es ist das Beste, wenn sie sich an nichts erinnert" sagte die andere Stimme. Ich konnte geradeso das darauf folgende Seufzen identifizieren, was von der ersten Stimme stammte, vermutete ich. Danach fiel ich wieder in die Bewusstlosigkeit.

Als ich wieder im Stande war meine Augen zu öffnen und einen Teil meiner Umgebung wahrzunehmen, erblickte ich einen tristen Grauton. Ich versuchte meinen Kopf zu drehen, um mehr von meiner Umgebung wahrzunehmen, aber ich schaffte es nicht. Ich lag auf etwas hartem. Ich war aber auf jeden Fall drinnen, da es einigermaßen warm war. Ich konnte meine Finger und Füße zwar kaum spüren, aber es war definitiv wärmer als draußen. Da ich mich nicht bewegen konnte, blieb ich für eine Weile auf dem Rücken liegen und starrte die Decke an. Dabei verarbeitet ich in Gedanken, was heute passiert war. Doch sobald ich genauer nachdachte, ich mich an Details erinnern wollte, traten heftige Kopfschmerzen ein, so dass ich am Ende nicht mal mehr wusste, welcher Wochentag heute war.

Meine Gedanken wurden unterbrochen, als ein Schatten auf mich fiel. Da ich ich meinen Kopf nicht drehen konnte, musste ich warten, bis sich die Person in mein Blickfeld schob. Es war Frau Gerstin. Die nette ältere Dame, die in der Wohnung unter unserer wohnte. Sie erschien mir schon immer sympathisch, doch richtig mit ihr unterhalten hatte ich mich nie (es stand einfach nie auf meiner Tagesordnung). Sie beugte sich über mich und blinzelte mich an. Nach etwa zweiminütigem gegenseitigem anstarren, erhellte sich sprichwörtlich ihr Gesichtsausdruck und sie schien mich endlich erkannt zu haben.
"Bist du nicht das Mädchen von Herr und Frau Limaa?' fragte sie mich.
Ein leises "Ja", war alles was ich hervor brachte.

Nach kurzem Zögern schien ihr wieder einzufallen, was sie mich hatte fragen wollen.
"Was machst du denn hier? Mitten auf dem Flur liegend?"
Ich wusste nicht was ich darauf erwidern sollte. Auf meinem Tagesplan steht wohl kaum "im Flur liegen und die Decke anstarren".
"Ich meditiere." sagte ich deswegen stattdessen.
"Du meditierst?" fragte Frau Gerstin verwirrt. Sie rieb sich den Kopf, als hätte sie Kopfschmerzen oder etwas vergessen. Dann drehte sie sich auf einmal um und verschwand in ihrer Wohnung. Ich lag immer noch verwirrt die Decke anstarrend auf dem Boden.

"Lustig wie alte Leute einfach alles glauben" sagt jemand.
Ich fuhr zusammen und drehte meinen Kopf in die Richtung, aus der die Stimme kam. Jemand saß auf der Treppe und starrte auf mich hinunter. Und dieser "jemand" hatte blaue Augen.
"Magst du nicht mal aufstehen?" fragte er.
"Würd ich ja, aber leider, bin ich halb gelähmt und kann mich nicht bewegen." gab ich bissig zurück.
Er lächelte nur.
"Soll ich dir helfen?"
"Nein!" fauchte ich zurück.
Er lächelte weiter.
"Und was bitte ist jetzt so lustig, wenn man fragen darf?"
"Es ist so süß wenn du dich aufregst." antwortete er.
Ich verbiss mir eine wütende Bemerkung und quälte mich auf die Beine. Doch kaum stand ich auf meinen Füßen, kippte ich auch gleich wieder um. Doch er hielt mich fest bevor ich stürzte. Ich wollt ihm gerade sagen, dass ich auch sehr gut alleine stehen kann, verbiss es mir aber erneut, etwas zu sagen. Ich wollte doch nicht, dass irgendein perverses Schwein sich daran aufgeilte, wie ich ich mich aufrege. Also stapfte ich einfach an ihm vorbei, die Treppe hoch, zu unserer Wohnung.
"Mindestens ein Dankeschön hab ich verdient!" ruft der Typ mir hinterher.
Ich rief so bissig wie ich konnte ein "Danke!". Dann lies ich eine kleine Kunstpause und rief "Für gar nichts!" noch hinterher. Dann schloss ich die Tür auf, ging hinein und warf sie hinter mir und Schloss. Ich konnte aber noch ein unterdrücktes Lachen aus dem Flur hören.

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