Als ich draußen vor der Tür stand, in einer engen Jeans und einem großen T-Shirt, mit nassen Haaren und Socken in den Ballerinas, fühlte ich mich neben Cem unpassend gekleidet. Er trug normale Sachen. Turnschuhe, Hose und T-Shirt. Und er sah mit seinen nassen Haaren sogar noch besser aus. Eigentlich wollte ich so nicht vor die anderen treten, aber, hatte ich eine Wahl?
Also ging ich an Cem vorbei und den Gang entlang. Als ich merkte das Cem mir nicht folgte drehte ich mich um. Er hatte sich nicht von der Stelle gerührt und trug ein dämliches Grinsen zur Schau.
"Was ist?" fragte ich genervt.
"Es geht da lang" sagte er, und zeigte auf einen kleinen Durchgang rechts neben der Tür, durch die wir gerade gekommen waren.
"Oh..." murmelte ich. Mit gesenktem Blick ging ich zurück und in den Gang hinein.Hier war es dunkler als überall sonst. Es gab keine Fenster und kein Licht. Wir liefen also den Gang entlang. Ich konnte die Wärme die von Cem's Körper ausging spüren, so dicht lief er hinter mir. Wir liefen eine Weile geradeaus, bis ich praktisch in die Wand hineinlief.
Wieder hörte ich ein unterdrücktes lachen hinter mir. Cem.
Ich drehte mich um, damit ich ihm eine wütende Bemerkung entgegen werfen konnte. Doch gerade als ich den Mund öffnete um etwas zu sagen, stockte ich mitten in der Bewegung.
Cem stand so doch hinter mir, dass ich trotz der Dunkelheit sein Gesicht (oder wenigstens die Umrisse) erkennen konnte. Ich spürte seinen Atem auf meiner Haut.
Ich sah das Blau in seinen Augen.
Ich weiß nicht wie viel Zeit vergangen war, bis Cem zurücktrat.Verwirrt blickte ich mich im Dunkeln um, auf der Suche nach etwas anderem als Cem. Ich fand nichts, also kehrte mein Blick schließlich zu seinen Augen zurück.
Ich lehnte an der Wand. Irgendwann schloss ich die Augen um seinem Blick zu entkommen.
Ich spürte eine leichten Druck auf meinen Lippen. Ganz sanft, aber doch bestimmt.
Bevor ich reagieren konnte war das Gefühl schon wieder verschwinden und ich hörte Cem's Schritte die sich rechts von mir entfernten.Ich blieb noch einige Sekunden an der Wand lehnen um die Berührung festzuhalten.
Dann öffnete ich seufzend die Augen und folgte Cem, der schon nicht mehr zu sehen war.
*
Irgendwann holte ich Cem ein und wir liefen schweigend zusammen die verschiedensten Gänge entlang. Ich hatte schon längst die Orientierung verloren, als wir durch irgendeine Tür wieder in Halle zu den anderen gelangten.
Alle drehten sich um.
Vincent schaute interessiert, Alicia hatte die Augen zusammen gekniffen und der andere Typ schaute neutral zu mir, wand den Blick aber gleich wieder ab.
Doch auch unter den Blicken der beide anderen fühlte ich mich schon unwohl genug. Vom meinem Aussehen mal abgesehen, war ich gerade für eine geraume Zeit auf der Toilette verschwunden und plötzlich durch eine andere Tür wieder aufgetaucht. Dazu war zwischendurch zufällig auch Vincent verschwunden und nun kam ich auch noch mit Cem zurück.Einige Sekunden starrte ich einfach zurück, bis ich es nicht mehr aushielt und den Blick abwandte.
In der Halle breitete sich ein Schweigen aus, was nicht zu enden schien. Endlich räusperte sich Cem.
"Das ist... Julie" stellte er mich den anderen vor.
Ich murmelte daraufhin nur ein leises "Hi".
Als niemand reagierte stand Vincent schließlich auf und kam auf mich zu.
"Julie! Schön dich wiederzusehen" sagte er viel zu überschwänglich und umarmte mich kurz. Ich lächelte gezwungen. Trotzdem war ich dankbar für die Ablenkung. Leider hielt es nicht lange und erneut breitet sich Schweigen aus.Alicia schaute nur zu mir rüber und fixierte abwechselnd mich und Cem mit ihrem Blick. Dadurch wurde mir bewusst, wie nah wir uns eigentlich standen.
"Los komm" sagte Cem und zog mich zu den anderen. Wir setzten uns. Ich starrte einfach auf den Boden vor mir.
"Okay. Julie, dass sind Vincent, Alicia, Tony und ich bin Cem. Leute, dass ist Julie." stellte Cem uns einander vor.
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Colour of Life
Novela JuvenilGrau. Farblos. In einer Welt aus Glas und Marmor. Ohne Farbe und Gefühle. Geheiratet wird nicht aus Liebe, sondern aus gesellschaftlichen Gründen. Kinder bekommt man nicht aus Fürsorge oder Zuneigung, sondern zu biologischen Zwecken. Ein Tagesablau...