Einige Meter von mir entfernt steht nun ein mindestens zwei Meter großer, grau-schwarzer Wolf, dessen Augen hell-, fast eisblau glühen. Er steht knurrend da und scheint kampfbereit zu sein. Seine Ausstrahlung ist so mächtig, dass ich weiß, das ich nicht die geringste Chance gegen ihn habe. Wie auch? Es bestehen keine Zweifel daran, dass er ein Alpha ist. Er muss einfach einer sein. Das spüre ich, wie eine Art Instinkt.
Doch da ist noch etwas anderes. In mir kribbelt es und es fühlt sich an, als würde ich zu diesem Wolf magisch hingezogen werden. Etwas in mir sagt mir, dass er mir nichts tun wird, dass ich bei ihm sicher bin.
Langsam löse ich mich aus meiner Starre und stelle mich wieder normal hin. Keine Kampfhaltung mehr. Im selben Moment geht auch er aus seiner Stellung und wirft mir einen verwirrten Blick zu. Neugierig betrachte ich ihn. Er ist ein schöner Wolf. Kraftvoll und ausdauernd mit Sicherheit. Ich habe noch nie jemanden wie ihn gesehen.
Auch er mustert mich genauestens. Keiner von uns senkt den Blick oder wagt es sich zu bewegen. Solange bis er den Blick abwendet und den Kopf schüttelt. Dann kommt er langsam auf mich zu. Aber nicht bedrohlich und beängstigend, wie ich es vermutet habe, sondern....ich weiß es nicht.... Irgendwie ist es anders. Ich habe keine Angst mehr.
Plötzlich steht er vor mir. Ich spüre ganz deutlich die Autorität, die er als Alpha verströmt. Respektvoll neige ich den Kopf nach unten und sinke mit den Vorderpfoten auf den Boden, fast so, als würde ich mich vor ihm verneigen.
Ich höre ein kurzes Schnauben von ihm und spüre wie sein Atem über mein Fell streicht, was mir nur umso deutlicher macht, wie nah er mir ist. Gleichzeitig löst dieses Gefühl ein angenehmes Kribbeln in mir aus. Doch auf einmal drückt er seine Schnauze fest an meinen Hals. Leicht beginnt er sie an mir zu reiben und zieht dabei meinen Duft ein.
Ich genieße es. Das fühlt sich einfach unbeschreiblich gut an.
Ich gebe einen wohligen Laut von mir und schmiege mich ihm leicht entgegen. Doch nach einem letzten Schnauben, bei dem ich seinen warmen Atem spüre, löst er sich langsam von mir. Ich bin nicht wirklich glücklich darüber, versuche aber mir nichts anmerken zu lassen.
Mit seiner Nase stupst er nocheinmal gegen meine Schläfe und in seinem Blick liegt etwas sanftes. Wenn ich ein jetzt ein Mensch wäre, würden meine Wangen unter diesem Blick vermutlich rot werden.
Er macht einige Schritte zurück, nickt mir nocheinmal kurz zu -es sieht sogar so aus als würde er lächeln- und verschwindet dann mit einem großen Satz im Wald.
Ich bleibe noch mehrere Minuten, ohne mich von meinem Platz zu bewegen, stehen. Meine Gedanken kreisen um den schönen grau-schwarzen Wolf mit den glühend blauen Augen und mein Herz pocht bei dieser Erinnerung ungewöhnlich schnell.
Nachdem sich mein Herzschlag normalisiert hat und ich wieder einen klaren Gedanken fassen kann, trifft mich eine Erkenntnis wie ein Schlag. Ich habe meinen Mate gefunden.
Logan P.o.V
Gedankenversunken komme ich vor dem alten etwas verfallenen Haus an. Als mein Rudel und ich vor einigen Tagen hier ankamen, war dieses der perfekte Unterschlupf. Natürlich ist es nicht wirklich bewohnbar, doch alle arbeiten schon daran es wieder zu seinem früheren Glanz zurück zu bringen. Diese Unterkunft ist nur eine Notlösung, bis wir einen Platz gefunden haben, an dem wir uns wieder niederlassen können. Jedoch hat sich das vermutlich nach der Begegnung gerade eben etwas geändert, zumindest etwas hinausgeschoben.
Ich verwandle mich zurück und gehe zu einem der Trucks, die vor dem Haus geparkt sind. Sie haben noch einige Kisten mit schnell zusammengepackten Klamotten geladen, aus denen ich mir eine Hose herausziehe. Da immer jemand hier ist und das Haus sehr weit abseits im Wald liegt, haben wir keine bedenken, dass man uns etwas klaut.
Nachdem ich die morsche Holztür aufgestoßen habe, tapse ich barfuß ins Haus. Fast sofort stürmt Jason, mein Beta, auf mich zu. Er öffnet den Mund und will wohl etwas wichtiges fragen, doch schließt er ihn nach einem Stirnrunzeln wieder.
"Wo warst du?", er sieht mich fragend an und mustert mich eingehend von oben bis unten.
"Im Wald", ich zucke die Achseln. Mir ist nicht nach reden, dazu hängen meine Gedanken viel zu sehr an der Wölfin. Ihr dunkelbraunes Fell war so wunderschön weich und hat im Sonnenlicht leicht geglänzt. Und ihr Duft, so etwas himmlisches habe ich noch nie gerochen.
Sie war sichtlich überrascht von mir, aber auch ich bin nicht darauf vorbereitet gewesen ausgerechnet heute meine Mate zu finden. Wie sie wohl als Mensch aussieht? Mit Sicherheit ist sie wunderschön. Ich kann es kaum erwarten, sie wiederzusehen.
"Alles in Ordnung?", Jasons Stimme reißt mich aus meinen Gedanken und bringt mich damit zurück in die Gegenwart.
"Ja, alles gut", ich schaue ihn kurz an, nicke nocheinmal und verschwinde dann die Treppe nach oben. Die Ereignisse der letzten Tage haben mich ziemlich mitgenommen und gestresst und ich habe keine Ahnung wie es jetzt weitergehen soll. Die Tatsache, dass ich hier meine Mate gefunden habe, erleichtert die ganze Sache nicht wirklich. Vermutlich gehört sie zu diesem anderen Rudel, auf das wir vor zwei Tagen gestoßen sind. Hoffentlich kommt es zu keinem Kampf, weil wir in ihr Revier eingedrungen sind.
Ich habe mir hier ein Zimmer hergerichtet, naja zumindest habe ich es etwas bereinigt und das Bett repariert, damit ich wenigstens etwas Schlaf finde. Hier und da stehen noch einige Kisten, in denen ich Klamotten, private Sachen und wichtige Ordner verstaut habe, soweit es die Zeit zu ließ.
Erschöpft und mit pochendem Kopf lasse ich mich auf die alte Matratze des Bettes fallen und schlafe nahezu sofort ein. Ein leichtes Lächeln umspielt meine Lippen als vor meinen geschlossenen Lidern das Bild meiner Mate auftaucht.
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Alpha's Mate
WerewolfDie junge Werwölfin Amy trifft im Wald auf ihren Mate Logan, den Alpha eines plötzlich aufgetauchten Rudels. Das fremde Rudel ist auf der Flucht vor einer unbekannten Bedrohung und auf der Suche nach einer neuen Heimat. Amy muss als Luna Logan's Rud...
