Heute ist Donnerstag. Die Woche ist tatsächlich relativ schnell vergangen und ich habe mich ganz gut eingelebt. Mit den drei Mädchen habe ich mich sehr schnell sehr gut angefreundet und mich auch schon mit ihnen getroffen. Den Jungen von Montag habe ich auch wiedergesehen. Er heißt Eric und ist eine Klassenstufe höher als ich. Wir haben uns in der Mittagspause wiedergesehen und uns auch schon gut angefreundet, jedoch hat er mich gestern bereits nach einem Date gefragt und wartet noch auf eine Antwort von mir. Was soll ich ihm denn bitte sagen? Er ist nett und irgendwie auch süß, aber Logan wird das gar nicht gefallen. Besonders nicht nachdem wir uns zusammengerauft haben.
Als ich Dienstag morgen aufgewacht bin, lag sein Arm um mir und ich habe mich wohl in der Nacht an ihn gekuschelt. Ich bin vorsichtig aufgestanden und habe mich im Bad umgezogen, damit er es nicht bemerkt. Aber es scheint ihn nicht gestört zu haben, denn seitdem wache ich jeden morgen so auf. Doch ich bin immer vor ihm aufgestanden, -auch heute- sodass ich nicht weiß, ob er das bewusst oder unbewussst tut. Ehrlich gesagt will ich das auch gar nicht wissen. Entweder würde er mich mit seiner Reaktion noch mehr verwirren oder mich mehr als nur verletzen.
Die letzten Tage -angefangen bei Montag- war er sehr freundlich zu mir und scheint mir vielleicht wirklich eine Chance zu geben. Aber ihm helfen darf ich immer noch nicht. In seinen Augen bin ich vermutlich immer noch ein Kind, dass noch nicht verantwortungsbewusst genug für eine Luna ist. Aber immerhin respektiert er mich als Person und beschäftigt sich mit mir.
Ich stehe in der Küche und mache mir Frühstück. Theresa hat heute keine Kurse, also werde ich den Bus nehmen müssen.
Gerade als ich in mein Nutellatoast beiße, kommt Logan die Treppe herunter und betritt die Küche.
"Wann musst du in der Schule sein?", fragt er mich und nimmt sich selbst ein Toast.
"In einer halben Stunde, wieso?", antworte ich ihm.
"Ich werde dich fahren", er beißt in seinen Toast. Kurz schaue ich ihn erstaunt an, wundere mich dann aber nicht mehr. Gestern als ich sagte, ich müsse den Bus nehmen, hat Jason Logan einen mehr als nur strengen Blick zugeworfen. Vermutlich ist das jetzt das Resultat dieser kurzen Auseinandersetzung. Würde zumindest passen, denn wie ich herausgefunden habe, habe ich diese plötzliche Freundlichkeit von Logan ebenfalls Jason zu verdanken. Am Sonntag, als ich im Garten Fanger gespielt habe und Jason ins Haus gegangen ist, muss er mit Logan geredet haben. Und egal, was er Logan erzählt hat, es hat geholfen. Jedoch bin ich mir noch nicht ganz schlüssig, wie ich mich bei Jason bedanken soll.
Als wir beide fertig sind mit essen, ziehe ich mir meine Schuhe an, nehme meine Jacke und Tasche und setze mich dann auf den Beifahrersitz in Logans Auto. Die Fahrt verläuft schweigend und nichtmal das Radio läuft. Na super.
Vor der Schule hält er an und ich öffne die Tür.
"Viel Spaß", wünscht er mir. Ich drehe mich zu ihm um und schenke ihm einen sarkastischen Blick. Viel Spaß...in der Schule...natürlich. Er muss grinsen und fängt auf einmal an, schallend zu lachen. Wow. Sein Lachen ist wunderschön. So tief und kehlig. Ich habe ihn erst einmal richtig unbeschwert Lachen hören. Das ist etwas besonderes.
"Warte hier auf mich, wenn du fertig bist", meint er, als er wieder aufgehört hat zu lachen. Ich nicke und lächelnd steige ich aus dem Auto. Gott sei Dank hat der Wagen getönte Scheiben, sonst müsste ich meinen neuen Freundinnen jetzt erklären, wieso ich bei einem so heißen Typen mitfahre.
Erleichtert, dass die Schule endlich vorbei ist, mache ich mich auf den Weg zum Hof, um dort auf Logan zu warten. Ich habe gerade noch meine Sachen in den Spind geschlossen und mich von Tessa verabschiedet, die nocheinmal zur Bibliothek wollte. Der Ausgang ist schon in Sicht, als Eric neben mich tritt und mich genauso breit wie immer anlächelt.
"Na, Amy? Wie geht's?", er stupst mich an. In letzter Zeit versucht er immer ein bisschen Körperkontakt herzustellen.
"Das weißt du doch...wir haben die Mittagspause zusamen verbracht", ich lache und er stimmt mit ein. Gemeinsam laufen wir hinaus auf den Hof.
"Hast du schon darüber nachgedacht?", wir bleiben stehen und er sieht mich fragend an.
"Worüber?" Ich kann mir schon vorstellen, was er meint.
"Naja...ob du mit mir ausgehen willst", sein Blick ist fast schon schüchtern. Wie niedlich.
"Weißt du...ich...", ich weiß nicht wirklich, was ich sagen soll. Auf der einen Seite ist er nett und süß und ich würde gerne mit ihm ausgehen, aber andererseits gibt es da Logan. Es wüde nie jemand anderes geben als ihn.
Die Entscheidung wird mir abgenommen, als ich diesen unverkennbaren Duft wahrnehme und sich dann plötzlich ein Arm um meine Schultern legt. Ich bin wie hypnotisiert. Das fühlt sich so gut an und überall, wo er mich anfasst, beginnt meine Haut zu kribbeln.
"Ich denke, das will sie nicht", antwortet Logan für mich. Irgendwie habe ich seine Stimme vermisst.
"Ehhmm...und wer bist du? Immerhin kann sie das doch alleine entscheiden", Eric klingt nicht gerade begeistert.
"Ich bin ihr Freund." Ihr Freund. Mein Freund. In meinem Bauch hüpfen die Schmetterlinge. Nach den letzten Tagen habe ich wirklich gehofft, dass wir einmal in naher Zukunft dorthin kommen und es jetzt aus seinem Mund zu hören, macht mich unheimlich glücklich.
Ich sehe auf. Eric ist sprachlos und starrt uns nur mit leicht geöffnetem Mund an.
"Kommst du Amy?", Logan sieht mich an und zieht mich mit sich, vermutlich in Richtung seines Autos. Ich werfe Eric noch schnell einen entschuldigenden Blick zu, während Logan ihn mit unverhohlener Verachtung und Wut ansieht. Ist er etwa eifersüchtig?
Sein Auto steht links neben dem Eingang zum Hof geparkt und vermutlich hat er alles mitgehört. Als Werwolf ist das ja nicht wirklich schwer.
Er öffnet mir die Tür und ich setze mich, während er auf die andere Seite marschiert und sich hinters Steuer setzt. Seine Wut ist deutlich spürbar. Das ist das erste Mal, dass ich ihn so erlebe. Kalt und abweisend ja, aber wütend? Noch nie. Nur auf was ist er wütend? Auf mich? Ich habe doch gar nichts getan. Ich habe die Antwort sogar so lange wie möglich abgewehrt und zugestimmt hätte ich mit großer Wahrscheinlichkeit auch nicht.
"Du riechst nach ihm", das 'ihm' betont er ganz besonders. Für einen Werwolf ist es schon ein Grund zum ausrasten, wenn seine Mate nach einem anderen riecht. Aber er hat mich ja auch noch nicht markiert, also ist er selber schuld.
"Er ist ein Freund. Ich hätte dem Date ganz sicher nicht zugestimmt", versuche ich ihn zu beruhigen.
"Wenn er nur ein Freund wäre, hätte er dich erst gar nicht nach einem gefragt!", er knurrt und fährt los. "Und außerdem klang es nicht wirklich danach, als würdest du ihm absagen wollen."
"Wieso bist du so wütend?", ich sehe dich verständnislos an. "Ich bin deine Mate, als ob ich mich in einen anderen verlieben könnte."
Er fährt schwungvoll an den Straßenrand und hält ruckartig an. Sofort dreht er sich zu mir und sieht mich mit aufgebracht funkelnden Augen an.
"Du bist meine Mate", wieder knurrt er. "Du gehörst mir und keinem anderen!"
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Alpha's Mate
WerewolfDie junge Werwölfin Amy trifft im Wald auf ihren Mate Logan, den Alpha eines plötzlich aufgetauchten Rudels. Das fremde Rudel ist auf der Flucht vor einer unbekannten Bedrohung und auf der Suche nach einer neuen Heimat. Amy muss als Luna Logan's Rud...
