Kapitel 20

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Shiras Sicht:

„Herr und Frau Sakamaki, ich muss ihnen leider mitteilen, dass ihr Sohn sein rechtes Bein verloren hat und er durch seine anderen schweren Verletzungen und seinem hohen Blutverlust vorerst ins künstliche Koma versetzt wurde. Aber keine Sorge, dies dient nur dazu, dass seine Verletzungen in Ruhe verheilen können.", berichtet der Arzt. Izayas mutter hält sich geschockt die Hände vors Gesicht und beginnt leise zu schluchzen. Izayas Vater nimmt sie schützend in den Arm. Wieso?! Wieso muss so etwas ausgerechnet dann passieren, wenn wir im Freizeitpark sind? Verdammt! Hoffentlich geht es ihm bald wieder gut.

„Herr Doktor", räuspert sich Herr Sakamaki, woraufhin der Arzt aufsah „ich hätte da noch ein paar Fragen." „Nur zu." Wegen seinem verlorenen Bein...ist eine Prothese möglich oder...m-muss er...im Rollstuhl sitzen?", fragte er vorsichtig. „Eine Prothese wäre möglich, kostet aber um die 3,4 Millionen Yen (ca. 26.000 €). Sie wird so teuer, weil wir beinahe sein gesamtes Bein abtrennen mussten, was heißt, dass er eine Prothese mit Radwinkelgelenk (Drehscharniergelenk) braucht, welche die vollen Funktionen eines Knies erfüllt.", erklärte der Arzt. Gott, das können sie sich nie leisten! Dazu kommen noch die Behandlungs- und Aufenthaltskosten des Krankenhauses. „Das können wir uns nie leisten!" „Tut mir leid.", meinte der Arzt. Mistkerl! „Meine andere Frage wäre, was er sonst noch für Verletzungen hat. Das wurde uns nicht gesagt und ich finde, dass wir durchaus ein Recht darauf haben, dies zu erfahren." Izayas Mutter weinte immer noch und hatte auch noch nichts dazu gesagt. „Nunja, er hat ein leichtes Schädel Hirn Trauma, was zu einer einfach Amnesie führen könnte. Seine linke Niere wurde eingedrückt, was aber keine allzugroßen Probleme darstellt. Dazu kommt noch sein rechtes Bein, welches bis zum Oberschenkel von der Gondel komplett zerquetscht wurde und abetrennt werden musste. Ansonten hat er nur kleinere Prellungen am Oberkörper und Armen erhalten. Sein linkes Bein hat auf wundersame Weise nur ein paar kleine Kratzer abbekommen." Durch die schockierende Aufzählung seiner Verletzungen brach Izayas Mutter ichzusammen.

Toras Sicht:

„Du kannst dich auf die Couch setzen, ich bringe Tee.", sagte ich zu der schockierten Shira.

Mittlerweile waren wir bei mir zu Hause. Es war 03:05 Uhr. Das wird eine lange Nacht. Shira hatten die Geschehnisse des heutigen Tages schwer getroffen.

Fünf Minuten später kam ich mit zwei großen Tassen Tee zurück und setzte mich neben Shira. Irgendwas macht ihr zusätzlich Sorgen.

Nachdem wir eine gefühlte Ewigkeit schweigend verbrachten, fragte ich vorsichtig: „Willst du darüber reden?" Zuerst sah sie mich fragend an, dann blickte sie zur Seite und schien mit sich selbst zu kämpfen, ob sie mit der Sprache rausrücken soll oder nicht. Sie entschied sich dafür. „Also, es ist so...vor acht Jahren...naja...also..", ich unterbrach sie: „Lass dir ruhig Zeit." Sie atmete tief durch und begann von forne: „Meine Eltern hatten vor ca. 8 Jahren einen schrecklichen Autounfall. Sie kamen dabei ums Leben. Ab diesem Zeitpunkt verbrachte ich mein Leben bis zu meinem 16. Lebensjahr bei meiner Tante. Das heißt also, dass ich noch nicht lange alleine lebe. Und ich habe Angst, dass den Beiden das Selbe passiert, bzw. Izaya." Ihre Hände zitterten. Sie ist fast gleich alt wie ich, musste aber schon so viel durchmachen. Sie ist wirklich stark! „Izaya wird überleben, du hast den Arzt ja gehört. Keine Sorge. Naja....wegen dem mit deinen Eltern...das tut mir leid.", versuchte ich sie zu trösten.

„Warum lebst du eigentlich alleine?", fragte Shira nach einer Weile nach. Jetzt muss ich es ihr wohl sagen. „Das ist eine lange Geschichte. Dann fang ich mal an. Als ich fünf Jahre alt war, ließen sich meine Eltern scheiden und ich lebte dann für kurze Zeit bei meiner Mutter. Meine Mutter fing an zu trinken und mich zu schlagen. Eines Tages hatte sie mich halb tot geschlagen, aber zum Glück griff eine Nachbarin rechtzeitig ein und ich wurde ins Krankenhaus gebracht. Ab meiner Entlassung lebte ich bei meinem Vater. Meine Mutter wurde Verhaftet. Seit zwei Jahren ist mein vater aus geschäftlichen Gründen viel im Ausland unterwegs. Als ich dann 16 wurde, schenkte er mir diese Wohnung. Er überweist mir auch immer jeden Monat Geld, für Essen und so, was ich halt brauche." Danach herrschte Schweigen. Erst nach einer ganzen Weile antwortete sie bedrückt: „Ach so..."

Wenn ich so darüber nachdenke, habe mindestens halb soviel wie Shira durchgemacht.

„Wir sollten Spenden für Izayas Behandlung sammeln. Also an unserer Schule.", schlug sie vor. „Gute Idee." „Fangen wir am Montag damit an." „Okay." Hoffentlich spenden auch viele. Ich sollte meinen Vater bitten, uns einen Zuschuss zu geben.

„Könntest du eventuell...also, nur wenn es kein Problem ist, deine Tante um einen Zuschuss bitten? Ich frage meinen Vater auch." „Werde ich machen." „Ach ja, was ich vorhin nicht erwähnt habe: Ich bin vom Vermögen meiner Eltern Alleinerbin und da habe ich unser Haus am Meer mitgeerbt, notfalls verkaufe ich das." „Okay.", mehr fiel mir dazu nicht ein.

„Zahlt der Freizeitpark eigentlich keine Entschädigung?", fragte Shira nach einer Weile. „Wäre gut möglich." „Ich werde morgen mal nachfragen." „Okay."


Bad RomanceWo Geschichten leben. Entdecke jetzt