Kapitel 1

2K 64 9
                                        

"Hätten sie gerne noch etwas zu trinken?" Ruckartig werde ich aus meinen Gedanken gerissen. "Ähh...wie bitte?", stammle ich und fahre herum.

Eine Flugzeugbegleitung mit Zahnpastalächeln strahlt mich übertrieben an und wiederholt ihre Frage. Ich lehne dankend ab und schaue wieder aus dem Fenster. Die Landschaft wird dichter, und ich bemerke, dass wir bald landen mussten. Allein bei diesem Gedanken zieht sich in meinem Magen alles zusammen. Ich will nicht nach LA ziehen, schon gar nicht mit dem neuen Lebensgefährten meiner Mutter und dessen Söhnen.

Meine Augenbrauen ziehen sich zusammen als ich daran denken muss. Sie kennen sich ja gar nicht mal so lange, warum mussten wir zu Hause in Berlin alles stehen und liegen lassen und so schnell in die Staaten ziehen? Wahrscheinlich wird diese Beziehung mal wieder gerade ein halbes Jahr halten und wir können wieder zurück. So war das bis jetzt immer mit Mamas Beziehungen. Nur dass wir bis jetzt immer in der Stadt blieben, aber diesmal musste es ja gleich ein anderer Kontinent sein, denke ich mürrisch. Ich schaue auf die Uhr und in dem Moment höre ich auch schon die Durchsage, dass wir in Kürze landen würden.

Ich fühle mich einsam als ich mich allein durch all die Menschen kämpfe um zum Gepäckband zu kommen. Nicht mal mit mir gemeinsam konnte Mum hierher fliegen. Nein... sie musste ja schon unbedingt eine Woche vorher fliegen, weil sie es scheinbar nicht mehr länger ohne ihm aushielt. Endlich entdecke ich meinen großen schwarzen Koffer und greife danach.

Auf der Flughafen Toilette wasche ich mir meine Hände und betrachte mich im Spiegel. Meine langen dunkelblonden Haare hatte ich zu einem lockeren Dutt gedreht, und ein paar Strähnchen herausgezogen. Der Sinn dieser Frisur war süß auszusehen und gleichzeitig aber auch verständlich zu machen, dass ich mir "überhaupt keine Mühe" damit gemacht habe. Auch mein Outfit strahlt etwas lässiges aus. Ich trage dunkle Ripped Jeans und dazu ein schwarzes, etwas kaputtes Obersized T-Shirt. Darunter habe ich ein schwarzes Spitzen Bralette an, dass manchmal durch meinen Ausschnitt blitzt. Ich liebe diese Teile, sie waren viel gemütlicher und hübscher als normale Bhs, und ausserdem lassen sie meine, nicht so großen Brüste, trotzdem eindrucksvoller aussehen.Ich blicke auf meine Füße die in schwarzen Socken mit kleinen Rüschen und weiß schwarzen Superstars stecken. Plötzlich wird die Türe aufgerissen und eine junge Frau mit einem kleinen Kind stürme herein. Schnell schnappe ich mir meinen Koffer und meine grüne Longchamp Tasche und verdrücke mich.

"Meghan!!", ich blicke auf sehe meine Mum wie eine verrückte winken. Langsam gehe ich in ihre Richtung. Ich will die Zeit so lange wie möglich herauszögern, ehe ich Mamas Freund und seine Brut kennenlernen muss. Als ich endlich bei ihnen ankomme, fällt mir meine Mutter sogleich um den Hals. "Ja Mum ich freu mich  auch dich zu sehen.", denke ich. Oder so etwas ähnliches zumindest. Dann fällt mein Blick auf den Mann neben ihr. Er ist hochgewachsen und ungefähr Ende Vierzig. Ich erkenne einzelne graue Haare auf seinem Kopf, und auch an seiner Haut sieht man Spuren des Alters. Er streckt mir seine Hand hin und sagt:"Hallo Meghan, schön dich endlich mal kennenzulernen. Ich bin James." Ich murmle ein halbherziges Hallo zurück und blicke finster auf den Boden. Ich will ihn nicht kennenlernen, ich will ja nichtmal hier sein.

Gezwungenermaßen trotte ich kurze Zeit später den beiden Richtung Auto nach. Ich weiß nicht was ich erwartet hatte, aber als wir bei einem Limousine ähnlichen Gefährt ankommen, jemand aussteigt und mir die Tür öffnet, bin ich sprachlos. "Wie protzig.", denke ich und verdrehe die Augen. Im Auto krame ich meine Kopfhörer aus der Tasche und lehne meinen Kopf zurück. Ich habe keine Lust den Gesprächen von meiner Mum und James zu lauschen, und will auch nicht irgendwelche dämlichen Fragen beantworten.

Ich nehme mein Handy und schreibe eine Nachricht an Julia. Bei dem Gedanken an meine beste Freundin und an Berlin zieht sich mein Herz zusammen. Schnell versuche ich diese Gedanken zu verdrängen und verfasse eine Liste. Ich beschließe mir so schnell wie möglich einen Job zu suchen und meinen Führerschein zu machen. Dadurch wäre ich unabhängig und es gibt mir ein Gefühl von Freiheit. Dadurch fühle ich mich schon gleich viel besser. 

Green EyesGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt