Kapitel 4

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"Oh Gott ist das ekelhaft!", krächze ich.

"Jetzt stell dich nicht so an", sagt der Fremde, "Wenn du leben willst, dann reiß dich zusammen und hör auf hier hin zu kotzen. Das Blut wird dir helfen." Wie soll sein Blut mir bitteschön helfen? Aber er hat recht es geht mir schon besser. Das Schwindelgefühl vom ganzen Blutverlust hat nach gelassen. Automatisch fasse ich an meinen Hals, wo eigentlich,  ich glaube es immer noch nicht, eine Bisswunde seien sollte, aber da ist sie nicht. Da ist gar nichts, um genauer zu sein. Nichts, außer mein Hals. Ich sehe ihn mit weit aufgerissenen Augen an. "Was hast du mit mir gemacht?"

"Ich habe gar nichts mit dir gemacht. Das war nur mein Blut.", entgegnet er. Nur sein Blut?! NUR sein Blut?! "Wer zur Hölle bist du?!", frage ich verwirrt. "Ethan.", antwortet er kurz und knapp. Ja genau, dass war ja auch genau die Antwort, die auf meine Frage hören wollte. Langsam stehe ich vom Boden auf. Ethan ist fast ein Kopf größer als ich. Und jetzt fummelt er irgendwas an seinem Handy herum. Ich mustere ihn. Er trägt eine schwarze Jeans und ein schwarzes T-shirt. An seiner rechten Hand hat er so einen alten, klobigen dicken Ring. Unter dem engen Shirt lassen sich seine Bauchmuskeln erahnen und seine Oberarme sind auch nicht wenig. Er hat schwarze Haare und man erkennt deutlich seine Kiefermuskeln. Also um es kurz zu sagen er ist sieht gut aus, verdammt gut.

"Lass uns gehen.", reißt er mich aus meinem Tagtraum. "Gehen? Wohin?", frage ich. Ich gehe doch sicherlich nicht mit ihm mit. Was er auch immer ist.

"Wir gehen zu mir." "Ich gehe nicht mit zur dir. Ich muss zurück zu meinen Freunden. Sie machen sich bestimmt schon Sorgen, wo ich bleibe." "Du kannst sie anrufen.", entgegnet Ethan und hält mir sein Handy entgegen. Ich zögere. "Warum sollte ich mit dir mitgehen?" "Weil David hier noch irgendwo herumläuft und ich im Moment der Einzige bin, der ihn aufhalten könnte dich umzubringen." Bei dem Wort umbringen läuft es mir eiskalt den Rücken herunter und ich bekomme sofort eine Gänsehaut. So langsam realisiere ich, was da eben passiert ist. "Er wollte mich töten!", murmele ich. Wenn Ethan nicht gekommen wäre, dann wäre ich jetzt tot, mausetot. Ich wäre tot, weil David mir in den Hals gebissen hat und mein Blut getrunken hat, wie ein... Allein dieses Wort zu denken ist schon absurd. Und dann kam Ethan und hat mich gerettet, ebenfalls mit Blut. "Was seit ihr?", entfährt es mir. 

Er schaut mir direkt in die Augen und sagt nach kurzem warten "Wir sind Vampire."

Ich weiche einen Schritt zurück. Hat er gerade echt Vampire gesagt?!  Okay durch atmen Rachel. Jetzt bloß keine Panik kriegen. Ich muss wohl aussehen, wie ein kaputtes Auto, denn Ethan fängt an zu lachen. "Was ist daran bitte schön komisch?!", fahre ich ihn an. "Nichts. Ich dachte nur du würdest anderes reagieren." "Ach ja und wie sollte ich deiner Meinung nach reagieren, wenn mir jemand sagt, dass er ein Vampir ist?", motzen ich ihn weiter an. "Nun ja, die meisten laufen heulend vor Angst davon, anstatt nur da zu stehen und Löcher in die Luft zu gucken." Ich mache meinen Mund auf um etwas zu sagen, aber ich weiß nicht was.

"Können wir jetzt endlich los?", fragt Ethan, "Ich habe  keine Lust hier noch weiter unnötig herum zu stehen, während du Selbstgespräche führst." Ich nicke nur.

Er gibt mir sein Handy und ich schreibe meinen Freunden eine SMS. Wenn ich sie anrufen würde, würden sie nur Fragen stellen. Ich gebe ihm sein Handy wieder und laufe ihm hinter her durch den Wald.

Ich lauf jetzt schon seit einer gefühlten Ewigkeit hinter Ethan her. Mit seinem Tempo kann ich nicht mithalten. Ich bin immer noch Barfuß und muss aufpassen, wo ich hin trete. Er läuft mindestens zehn Meter weiter vorne. Alle fünf Minuten fragt er, wo ich den bliebe oder ob ich zwischen durch ein Nickerchen machen würde. Außerdem steht die Sonne schon relativ tief und mir wird langsam kalt. Warum muss er denn auch so schnell laufen? "Warte mal.", rufe ich, aber er reagiert gar nicht und läuft einfach weiter. Ich bleibe stehen und schlinge die Arme um meinen Körper, um mich etwas zu wärmen. Meine Füße brennen und tun weh. Und mein Kopf platzt gleich vor Gedanken und Fragen. Ich habe so viele Fragen.

"Was machst du hier?", fragt Ethan, der zurück zu mir gelaufen kommt. "Ich kann nicht mehr. Meine Füße tun weh, da, falls es dir entgangen ist, ich keine Schuhe an habe und mir ist arsch kalt, weil ich nur einen beschissenen Bikini trage." Er mustert mich. "Na komm,", sagt er schließlich, "Denn trage ich dich halt." Normalerweise hätte ich widersprochen,  aber ich bin einfach viel zu kaputt, als noch einen einzigen Meter zu laufen.

"Und wie?", frage ich. "Ich nehme dich Huckepack, dass ist das einfachste." Ich nicke und springe auch schon auf seinen Rücken. Mit seinen Händen umfasst er fest meine Beine. So nah an ihm wird mir gleich wärmer. "Halt dich fest.", sagt Ethan. Ich mache was er sagt und schon spüre ich den Windstoß.

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So hier ist mal ein neues Kapitel. Hab mich mal dazu motiviert weiter zu schreiben.

Ich hoffe es gefällt euch, obwohl ja nicht wirklich viel passiert :)

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