„Severus, komm schon. So schlimm ist der doch jetzt auch nicht", versucht Hermine ihren neuen Freund aufzumuntern.
Dieser hat seine düsterste Miene aufgesetzt, die Hermine allerdings nicht wirklich ernst nehmen kann aufgrund des Pullovers, in den sie ihn gezwängt hat.
„Erinnere mich daran, dass ich dir in Zukunft untersage, mich in dieses ganze Geschmücke mit einzubeziehen", grummelt er nur vor sich hin, während er widerwillig nach einer Girlande greift. Nach etwas mehr als drei Stunden und etwas mehr Gegrummel vonseiten Severus' waren dann endlich seine Zimmer geschmückt und es war Zeit, etwas zu essen bringen zu lassen.
Nachdem die Beiden damit fertig sind, setzen sie sich vor Severus Kamin und versinken beide in ihre Bücher, Severus in eines über Zaubertränke und Hermine in ein Muggelbuch namens 'Der kleine Prinz'.
„Das war mein Lieblingsbuch, als ich klein war", stellt Severus wenig später fest.
„Mh?", kommt ihre unaufmerksame Antwort, was ihn zu einem leisen Lachen bewegt.
„Was ist so lustig?", fragt sie ihn irritiert.
„Wie sehr du in deinen Büchern versinkst. Ich habe nur eine Person gekannt, die so in Büchern eintauchen konnte, wie du", antwortet er schließlich.
„Lily?", kommt ihre leise Antwort.
„Ja, Lily. Sie war meine einzige Freundin. Aber sie ist Vergangenheit, und das seit langem."
„Und das, obwohl sie der Grund ist, aus dem du dein Leben jahrelang aufs Spiel gesetzt hast? Weil du sie immer noch geliebt hast?"
„Während es stimmen mag, dass ich sie geliebt habe, war ich doch nie wirklich in sie verliebt. Das ist mir aber erst klar geworden, als ich das Buch mit Anfang 20 nochmal gelesen habe."
Daraufhin erntet er einen verwirrten Gesichtsausdruck von Hermine, die mittlerweile ihr Buch weggelegt hat.
„Wie meinst du das?"
„Wie würdest du deine Beziehung zu Harry Potter beschreiben?"
Sie überlegt kurz, bevor sie antwortet.
„Ich liebe ihn, er ist wie mein Bruder..." gibt sie ihm die verwirrte Antwort, da sie nicht weiß, worauf er hinaus will.
„Siehst du, während du genau weißt, wie du zu ihm stehst, habe ich jahrelang meine Gefühle falsch gedeutet. Lily war meine einzige Freundin, wir sind zusammen aufgewachsen, waren befreundet, seit wir 8 Jahre alt waren. Ich war ein Teenager und habe mir eingebildet, ich wäre in sie verliebt. Aber nachdem sie gestorben war, habe ich mich verkrochen und das getan, was sie immer am liebsten getan hat: gelernt und gelesen. Unter anderem den Kleinen Prinzen. Daraus hat mir meine Mutter immer vorgelesen, als ich klein war. Nachdem mir klar war, dass ich nicht in sie verliebt war, gewann der Satz ‚Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast' massiv an Bedeutung. Nur durch meine Erkenntnisse aus dieser Zeit lebe ich heute noch und bin der Mann, der ich bin."
„Severus..."
„Ich glaube, wir sollten schlafen gehen für heute. Es ist schon spät und ich denke, morgen lass ich mich mal in der großen Halle sehen", damit lacht er sie an, zieht sie hoch und zieht sie mit zu sich ins Schlafzimmer.
„Severus, ich schlafe doch auf der Couch", protestiert sie aber sofort.
„Nichts da, das Bett ist groß genug für uns Beide. Außerdem beruhigt mich deine Anwesenheit."
Schließlich gibt Hermine klein- bei und lässt sich von ihm in sein Schlafzimmer ziehen.
Während er anfängt, das graue Hemd aufzuknöpfen, das er trägt, stöbert Hermine in ihrer Tasche nach etwas passendem zum Schlafen.
Schließlich zieht sie ein ihr viel zu großes T-Shirt heraus und zieht es sich über, bevor sie sich in das große Bett legt und auf Severus wartet, der mittlerweile nur noch in seinen schwarzen Boxershorts und dem offenen Hemd dasteht. Schließlich dreht er sich um und geht zu seinem Kleiderschrank, aus welchem er ein schwarzes T-Shirt herauszieht und es sich überzieht.
So angezogen legt er sich neben die junge Braunhaarige und deckt sie beide zu.
„Hermine?", fragt er nach einer Weile in die Stille hinein, doch bekommt keine Antwort von der jungen Frau neben ihm. Vorsichtig dreht er sich zu ihr und sieht, dass sie bereits eingeschlafen ist.
„Schlaf gut, Hermine", wispert er leise, bevor er ihr einen Kuss auf die Stirn haucht und sich wieder auf den Rücken dreht. Schnell nimmt er seine Brille ab, legt sie auf den Nachttisch und schließt selber seine Augen.
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Am nächsten Morgen wacht Severus von dem hellen Glänzen der vom Schnee reflektierten Sonne wach, die durch das magische Fenster in seinen sonst so dunklen Kerkern einfällt.
Im ersten Moment greift er nach seiner Brille und will sich aufsetzen, wird aber von einem warmen Körper daran gehindert, der halb auf ihm liegt.
Etwas verblüfft schaut er herunter und sieht, dass sich Hermine eng an ihn gekuschelt hat und dass ihr Kopf auf seiner Brust liegt.
Vorsichtig beugt er sich zu ihr herunter und flüstert ihr ins Ohr: „Morgen, Hermine. Aufwachen."
Mit einem sanften Lächeln begrüßt er sie, als sie ihren Kopf von seiner Brust hebt.
„Morgen, Sev. Was ist denn los?" fragt sie noch eindeutig verschlafen.
„Es ist Weihnachten und wir wollten zum Essen in die große Halle gehen. Außerdem ist es schon halb 9, Schlafmütze", lacht er leise und dabei vibriert sein ganzer Körper, was Hermine eine Gänsehaut beschert.
„OK, ich geh schnell ins Bad, danach können wir gern gehen", meint sie und ist auch schon verschwunden.
Mit einem leichten Seufzen steht auch Severus auf und geht zu seinem Kleiderschrank. Wie es aussieht, haben die Elfen seine Tasche ausgepackt, denn sowohl seine neuen, nicht mehr ganz so schwarzen Sachen sowie die Sachen, die er vor dem Krieg getragen hat, sind noch da.
Zuerst zieht er sich frische Unterwäsche an und anschließend überlegt er, was er anziehen soll, seine Alltagskleidung oder doch lieber das Professoren-Outfit, um alle zu erschrecken? Schließlich entscheidet er sich jedoch für eine schwarze Hose und ein weinrotes langärmeliges Hemd und zieht sich schnell an.
Schließlich setzt er sich nochmal aufs Bett und liest weiter in seinem Zaubertrankbuch vom gestrigen Abend, bis Hermine aus dem Bad kommt und auch er sich schnell die Zähne putzen kann.
Nur 5 Minuten später kommt sie auch schon aus dem großen Bad und lächelt ihn an.
„Na, so farbig heute, Sev?"
Etwas verdutzt schaut er erst einmal an sich herab, bis ihm auffällt, dass er sich ja heute für weinrot entschieden hat.
„Nanu, so Slytherin heute, Löwin?", fragt er sie verschmitzt zurück.
Jetzt ist es an ihr, an sich herabzuschauen. Schwarze Jeans, schwarze Schuhe und ein grüner warmer Pulli, irgendwie schon Slytherin.
Schnell verschwindet Severus im Bad und putzt sich die Zähne. Als er wieder heraustritt, wird er schon von Hermine erwartet.
„Du sagtest etwas von Frühstück?", grinst sie ihn an und zieht ihn auch schon hoch und hinter sich her in Richtung großer Halle.
Mittlerweile ist es kurz vor 9 und es sollten eigentlich bereits alle beim Essen sein. Vor den großen Türen bleibt Severus jedoch kurz stehen.
„Bereit für ein bisschen Spaß? Bis auf Minerva, Poppy, Harry und Ginny weiß keiner, dass ich da bin. Zeit für einen Einmarsch a lá Snape."
Damit schwingt er seinen Zauberstab und zumindest sein wehender Umhang erscheint auf seinen Schultern.
„Mal schauen, wie viele Leute wir schocken können", grinst sie zurück und ergreift wieder seine Hand. Mit der anderen stößt Severus schnell die Tür auf und gemeinsam rauschen sie in die große Halle.
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Memories
FanfictionDer Krieg ist vorbei und Voldemort endlich ein für alle Mal vernichtet. Also eigentlich genau so, wie es sein sollte. Oder etwa nicht? Was passiert, wenn Hermine Granger sich aus der Zaubererwelt zurück zieht und einsam in Muggellondon lebt, während...
