Clara war verschwunden. Als sie die beiden Männer vor ihrer Tür erkannt hatte, war sie einfach aus ihrem Kopf verschwunden. Plötzlich war sie wieder Luna und stolperte rückwärts zurück in den Raum. Hektisch hatte sie sich nach einem Fluchtweg umgesehen und die spöttische Ansprache des Mannes vor ihr ignoriert. Claras Tasche hatte auf dem Stuhl gelegen und sie hatten danach gegriffen. Leider waren ihre Angreifer schneller gewesen und so schaffte sie es nur noch nach ihrer Jacke auf der Stuhllehne zu greifen, bevor sie gepackt wurde und zur Tür gezogen wurde. Der Stuhl fiel um, als sie somit an der Jacke zog und der Inhalt ihres Rucksacks ergoss sich über den Boden. Wild um sich tretend, hatte sie versucht sich zu befreien, bis sich plötzlich etwas im Rücken gespürt hatte, was sich anfühlte wie eine Schusswaffe. Wo auch immer sie die jetzt herhatten. Stocksteif und mit furchtbarer Angst im Bauch hatte sie sich daraufhin von den Beiden aus dem Hotel führen lassen. Flach ging ihr Atem und als sie sich auf der Rückbank eines Fünfsitzers, zwischen ihren beiden Entführern sitzend wiederfand, fing ihre Unterlippe an zu beben und sie konnte kaum mehr gegen die Tränen kämpfen.
Seither hatte die selbstbewusste Clara sie verlassen und eine völlig verängstigte Luna zurückgelassen. Zitternd krallte sie ihre Finger in die Jacke und starrte auf ihre Knie. Die Nähe der beiden Jungs war unangenehm und sie wagte es kaum sie anzusehen, während das Auto über die Landstraße jagte. Zwei andere saßen vorne im Wagen, aber tatsächlich konnte sie sich nicht genau erinnern ob sie einen von ihnen schon einmal gesehen hatte, erstrecht nicht ohne sie genauer anzusehen- und es war ihr auch egal. Bis auf Luce und das damalige Opfer hatte sie die Mitglieder der Sekte nur als vermummte Gestalten wahrgenommen. Es war gut möglich, dass sie noch nicht dabei gewesen waren, aber ebenso möglich, dass sie direkt neben ihr gesessen hatten. Die Erinnerung an jene Nacht, wirkte plötzlich viel verschwommener als sonst und überhaupt schien ihr Kopf nicht mehr normal zu funktionieren. Sie konnte ihre Aufmerksamkeit gleichzeitig immer nur auf eine Sache richten und ihr Verstand war nur noch eine entfernte Stimme, in einem dichten Nebel. Verzweifelt versuchte sie durchzuatmen, fing aber stattdessen an, immer wieder hektisch nach Luft zu schnappen. Irgendwie erwartete sie, dass sie weinen würde, aber ihre Augen waren trocken. Nur das Zittern wurde immer stärker. Jedes Zeitgefühl war ihr verlorengegangen und den Mut, nach einer Uhr zu suchen, hatte sie nicht. Wer sollte ihr helfen? Jordan. Er stahl sich in ihre Gedanken und sorgte dafür, dass ihre Atmung noch etwas schneller ging und ihr schwindelig wurde. Abwechselnd wurde ihr heiß und kalt. In einem Moment war da das alte Vertrauen in den Jungen, den sie für nichts in der Welt aufgegeben hätte und im nächsten Moment, das Mistrauen und die Kälte. Vielleicht hatte er sie verraten, wusste sie es? Mit Clara war auch der Gedanke an Rowan weit zurückgewichen. Die Erinnerung an die letzten Wochen war plötzlich nicht mehr als ein Schatten und die an Hühnerknochen und Schmierereien an ihrer Haustür, dafür noch präsenter. Zusammengequetscht saß sie auf der Rückbank und wollte sich wehren, wollte zappeln und versuchen das Auto zu verlassen, aber ihre Knochen waren bleiern und ihre Gelenke waren weich und sie bezweifelte, dass sie überhaupt stehen konnte, geschweige denn weglaufen... oder waghalsig aus einem fahrenden Auto springen. Wimmernd krallte sie sich fester in ihre Jacke und konnte hören, wie der Typ links von ihr genervt aufstöhnte. Für diesen Moment richtete ihre Tunnelwahrnehmung sich ausschließlich auf ihn und sie erkannte rote Haare und grüne Tattoos, bevor sie wieder in Nebel versank und den Blick zurück auf ihre zitternden Finger richtete.
Sie wusste nicht wann oder wie, aber sie hatte das Auto verlassen. Taumelnd versuchte sie ordentlich zu stehen, auch wenn sie lieber am Boden zusammengesunken wäre. Hektisch sah sie sich um, versuchte zu verstehen, wo sie war und erblickte einen Wald, bei dessen Anblick ihr ein weiteres Wimmern entfuhr. Das wurde auch nicht besser als sie jemand vorwärts schob. Es war so dunkel und ihr Hirn war so benebelt, dass sie nicht zuordnen konnte, wer es war, oder wie viele überhaupt um sie herum waren. Sie stolperte voran und verlor das spärliche Gleichgewicht. Schmerzhaft schlug sie auf dem Boden auf, obwohl sie versucht hatte sich abzufangen. Erneut versuchte sie sich aufzustützen aber ihre Arme folgten ihren Befehlen nicht. Verzweifelt zerrte sie an ihren Händen und die Panik überkam sie noch weiter. Hyperventilierend und nach Luft japsend zerrte sie immer weiter an ihren Händen. Weinte sie? Vielleicht? Ihre Lunge stach und alles Luftholen half nichts gegen die zugeschnürte Kehle und die grauenvolle, heillose Panik in ihr. Ihr Körper war fremd und taub und als sie jemand hochzog, schaffte sie keine zwei Schritte, bevor sie wieder auf dem Waldboden kniete. Menschen sprachen, sie hörte es, aber es drang nicht zu ihr durch, bis eine Stimme durch die Nacht fuhr, die in ihrem Kopf kratzte und ihr beinahe physische Schmerzen bereitete. „Was dauert hier so lange?" Luces Stimme, die sie so oft in ihren Albträumen hörte, gab ihr den Rest. Wankend kam sie auf die Füße, wollte weglaufen, doch schlug schon wieder hin, bevor sie richtig stand. Sie schrie und wimmerte und trat um sich, weil ihre Hände zusammengebunden waren und ihr nicht gehorchten. Alles war von weißem Nebel verborgen. Es gab nichts mehr, außer der Angst und der schier endlosen Panik und Luce, der sich lodernd davon abhob, wie der Teufel selbst. Sie wusste nicht wo sie war, wer sie war oder was sie tat. Es sollte aufhören, nur aufhören. Hilfe. Sie brauchte Hilfe, wollte es rausschreien und weglaufen, aber es ging nicht, alles war kalt und taub und vernebelt.
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Allegiance- Hexenjagd
Mystery / ThrillerDer zweite Teil der Allegiance- Duologie! Was nun? Was soll jetzt aus Rowan werden? Wie kann Clara das Geschehene hinter sich lassen? Wer ist Jenna? Was passiert mit den Sklavenhaltern? Was ist mit Jordan? Und hält die Sekte wirklich die Füße still...
