15. Kapitel- Zurück

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Jordans Nase war nicht gebrochen. Sie hatte zwar einen leichten Knacks bekommen, aber er würde wohl nicht für den Rest seiner Tage eine schiefe Nase haben. Als er aufwachte, fiel die Sonne in sein Zimmer und die Uhr zeigte zwanzig vor elf. Er hatte also nicht besonders lange geschlafen, aber es würde reichen, um ihn durch den Tag zu bringen. Bis er gefrühstückt hatte, war ihm bereits mitgeteilt worden, dass er das Krankenhaus heute bereits verlassen konnte, sich einfach etwas schonen sollte und bei Komplikationen wiederkommen sollte. Sein Bettnachbar war offensichtlich schon eine ganze Weile wach. Er hatte ein Bein in einer elektrischen Schiene, die es bewegte und hörte offensichtlich über Kopfhörer Musik.

Weil ihn der Gedanke an Luna nicht losließ stand er auf, sammelte seine Sachen zusammen und fragte die Schwester, wo sie untergebracht war. Als sie ihn nur verwirrt ansah, fiel ihm ein, dass sie vermutlich als Clara Hackley hier untergebracht war, nicht als Luna Stedford. Tatsächlich konnte ihm die verwirrte Krankenschwester dieses Mal weiterhelfen und wies ihm den Weg zur Privatstation.

Der Flur hier hatte einen anderen Boden. Überhaupt wirkte alles irgendwie hochwertiger. Für jeden der bereit war für seinen Krankenhausaufenthalt kräftig draufzuzahlen, wollte man offensichtlich auch etwas zu bieten haben. Dass Clara auf einen medizinischen Notfall vorbereitet war, war nicht weiter überraschend, nach allem was ihr geschehen war und den Erfahrungen, die ihr Vater gemacht hatte. Möglichst leise schlich Jordan über den Flur und fand das Zimmer mit der richtigen Nummer. Unschlüssig blieb er vor der Tür stehen und spürte seinen Herzschlag plötzlich etwas deutlicher. Er konnte nicht vergessen, wie sie sich an ihn geklammert hatte in ihrer Panikattacke, wie sich für einen kurzen, wundervollen Augenblick die Zeit zurückgedreht hatte und nichts zwischen ihnen gestanden hatte. So furchtbar es auch gewesen war, sie so verzweifelt zu sehen, hatte es sich trotzdem unheimlich richtig angefühlt, sie wieder so zu halten, für sie da zu sein und auf sie aufzupassen. Seit er sie wiedergesehen hatte, vor zwei Wochen, hatte er das Gefühl gehabt, dass Luna nicht mehr wirklich sie selbst war. Sie war zu Clara geworden und wesentlich energischer in ihrem Auftreten, als Luna es je gewesen war. Er hatte über die Monate im Gefängnis viel darüber nachgedacht, was aus ihnen werden würde und er war zu dem Entschluss gekommen, dass Luna nie aufhören würde zu ihm zu gehören. Er hatte nicht damit gerechnet, dass sie aufhören würde Luna zu sein. Es tat weh in ihrer Nähe zu sein, zu sehen wie sie sich an Rowan hielt statt an Jordan. Die kleinen Sticheleien zwischen ihnen, hatte ihm nur gezeigt, wie sehr die Zeit und alles was geschehen war, einen Keil zwischen sie getrieben hatten. Das alles änderte aber nichts daran, dass er seine Luna zurückwollte. Es war kein Tag vergangen, an dem er sie nicht vermisst hatte und obwohl er ernsthaft versucht hatte sich davon zu lösen, als er sie zuerst nicht hatte finden können und niemand wusste wo sie war, hatte er nie aufhören können sich ihre Nähe zurück zu wünschen.

Jetzt stand er vor der Tür zu dem Zimmer, in dem Clara Hackley untergebracht war, die sich in Luna eingenistet hatte und wusste nicht, ob er sich das wirklich weiter antun wollte. Doch was war denn die Alternative? Mit einem letzten tiefen Luftholen klopfte er an die Tür, nur ganz leise, um niemanden zu stören. Es kam keine Antwort. Vielleicht schlief sie? Vorsichtig schob er die Tür ein Stück auf und sein Blick fiel auf das Bett. Luna lag darin, die Augen geschlossen und ihre Oberkörper hob und senkte sich gleichmäßig. Sie hielt Rowans Hand umklammert, dessen Kopf neben ihr auf der Matratze lag und der offensichtlich auf dem Stuhl sitzend neben ihr eingeschlafen war. Ja, Jordan, was nun, dachte er und betrachtete die beiden Schlafenden einen Moment lang. Sollte er hier warten, wie ein irrer Stalker, bis sie wieder aufwachten, oder sollte er einfach später nochmal vorbeikommen, oder sollte er sie gar wecken? Letzteres schloss er sofort aus. Sie brauchte ihren Schlaf und nach allem was sie durchgemacht hatte, konnte er nur froh sein, dass sie so friedlich schlafen konnte. Ob das an Rowan lag? Er zog es vor nicht darüber nachzudenken. Einen Moment lang lehnte er unentschlossen an der Wand und sah auf das Bett, als plötzlich Leben in Luna kam. Sie drehte sich ein bisschen und blinzelte. Die Hand die nicht Rowans umklammert hielt fuhr in ihr Gesicht, und Jordan entschied einfach stehen zu bleiben, wo er nun schon einmal hier war, für den Fall, dass sie einfach aufwachen. Ansonsten würde er möglichst leise gehen und etwas später noch einmal wiederkommen oder in dem Aufenthaltsraum den Gang runter auf sie warten. Schließlich wollte er nicht riskieren, dass sie abreiste ohne dass er noch einmal mit ihr redete. Dieses Mal hatte Jordan nichts damit zu tun, was ihr widerfahren war und er wollte, dass sie das wusste. Auch die Entführung ihres Vaters war nicht seine Schuld gewesen und trotzdem hatte er ihr nicht einmal böse sein können, dass sie mit einer Krücke auf ihn eingedroschen hatte. Wie sollte er jemals erklären, wieso es damals überhaupt so weit gekommen war. Schließlich tat er sich inzwischen selbst schwer sich zu glauben, dass er nicht gemerkt hatte, wie wahnsinnig Luce tatsächlich war. Naiv wie er war, hatte er das alles für Spaß und Blödelei gehalten und erst als es schon viel zu spät gewesen war, hatte er begriffen, dass er einen bösen Fehler gemacht hatte. Bis heute Nacht hatte er tatsächlich noch an einen etwas verblendeten Teenager mit einem Machtkomplex gedacht, der im Eifer des Gefechtes einen tragischen Fehler gemacht hatte, wenn es um Luce ging. Dass er es tatsächlich mit einem Wahnsinnigen zutun hatte, war ihm jetzt erst klar geworden.

Allegiance- HexenjagdGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt