Clara hatte ihn gebeten zu gehen, nachdem Rowan hoch zu ihr gegangen war. Sie wollte sich ausruhen und zur Ruhe kommen, also hatte er sie in Ruhe gelassen. Er hatte beschlossen das zu respektieren, auch wenn er sich nicht sicher war, ob das eine gute Idee war. Sie wirkte einigermaßen gefasst und so glaubte er, dass er es verantworten konnte, sie allein zu lassen. Außerdem hatte er selbst den Kopf noch bei Marcus und dem Prozess. Auf dem Weg zum Gerichtsgebäude kamen ihm die Straßen ungewöhnlich bevölkert vor und er fragte sich, ob er vielleicht sonst einfach nur zu unüblichen Zeiten draußen war, oder ob etwas Besonderes im Gange war.
Ernüchternder weise ließen sie ihn nicht einmal ins Gebäude. Die Verhandlungen des Tages seien alle bereits abgeschlossen und der Zugang zum Gebäude deshalb nicht gewährt. Daraus ging immerhin hervor, dass der Prozess vorbei war, was genau dabei rausgekommen war, wollte man ihm allerdings nicht sagen. Mangels eines besseren Einfalls machte Rowan sich also auf den Rückweg zu der Sporthalle der Polizei. Er musste ja nicht jede Nacht viel zu spät wiederkommen. Überhaupt konnte er nicht verstehen, wie die anderen es aushielten Tag und Nacht tatenlos von einem Raum in den nächsten zu pilgern. Wie lange sollte das so weitergehen? Manche hatten inzwischen eine Aussage gemacht und generell schien sich die Stimmung zu lockern. Inzwischen sprachen sie wenigstens miteinander ein wenig, auch wenn er ein schwarzes Schaf zu sein schien, denn wann immer er dazu kam, verstummten die Gespräche und die Stille kehrte zurück. Vermutlich war er einfach zu willig gewesen seine Rolle zu verlassen, dabei war er sich nicht einmal sicher, ob das so war. Außerdem brannte er darauf zu erfahren, wie der Prozess ausgegangen war, denn das war nach wie vor sehr entscheidend für seine Zukunftsplanung.
Die Beamten, die er ansprach, waren nicht informiert und auch augenscheinlich nicht zu gewillt ihm zu helfen und so blieb ihm schon fast nichts Anderes übrig, als zu der Frotnam zu gehen, und darauf hatte er so wenig Lust, dass seine Neugierde den Kampf verlor. Also ging er unwissend ins Bett und fragte sich, ob er vielleicht anderweitig erfahren konnte, wie die Jury entschieden hatte. Als Einzige weitere Quelle fiel ihm Sophie ein. Eigentlich hatte er sowieso mit ihr reden wollen. Während Clara mit Jordan geredet hatte, hatte Rowan sich nämlich ein wenig mit Charles darüber unterhalten, was Sophie getan hatte. Außerdem hatte Charles ihm ein wenig aus seiner Perspektive darüber erzählt, was damals passiert war und dabei war Rowan ein Gedanke gekommen, den er nicht mehr abschütteln konnte und er wollte Sophie darauf ansprechen. Clara wollte er nicht damit belästigen und Charles würde ihm da nicht mehr sagen können, als er schon wusste. Er hatte eine Theorie, wo Nico war. Sie gefiel ihm nicht, aber er, als außenstehende Person, sah das als wahrscheinliche Möglichkeit an. Er konnte nicht schlafen, so sehr drehte er alles was er darüber wusste im Kopf hin und her. Und wenn er sich zwang nicht weiter darüber nachzudenken wanderten seine Gedanken zu Marcus und seiner eigenen Zukunft. Es war zum Mäuse melken.
Rowan wurde davon wach, dass Bewegung in der Sporthalle laut wurde. Das morgendliche fertigmachen war nicht länger ein Todesmarsch. Tatsächlich waren die Sklaven dazu übergegangen miteinander zu reden. Sie alle hatten Narben auf den Rücken, manche schlimmer, manche harmloser und sie alle wussten nicht, was nun aus ihnen werden würde. Irgendwie hatten sich so Freundschaften gebildet. Kleine Gruppen, die irgendwie ins Gespräch gekommen waren, oder sich sogar aus dem Heim noch kannten und sich nun trauten wieder miteinander zu reden. Manche hielten das unausgesprochene Schweigegelübde auch weiter ein, aber so langsam schien ein wenig Normalität in die Sklaven zu kommen. Rowan war kein Teil einer Gruppe. Er war zu sehr eigene Wege gegangen, hatte sich zu sehr draußen aufgehalten und so war er irgendwie zum Außenseiter geworden. Außerdem war er einer der Ältesten und somit vielleicht von alleine ein wenig unheimlich für die Jüngeren. Was auch immer der Grund dafür war, es störte ihn nicht wirklich, auch wenn es etwas seltsam war, dass sie ihn mieden. Immerhin war er trotzdem eine weitere Person, die ihr Schicksal teilte. Es gab keinen Grund ihn auszuschließen. Aber er war immer, überall der Außenseiter gewesen, seit er das Heim verlassen hatte. Selbst dort war sein Freundeskreis klein gewesen, weil man nicht jedem vertrauen konnte. Zu viele hatten verinnerlicht, dass alles zu melden war und man konnte ihnen nichts erzählen, ohne befürchten zu müssen, dass sie einen verpetzten. Anthony war sein Freund gewesen und noch ein oder zwei andere, die aber vor ihm verkauft worden waren. Einer davon, soweit er wusste, an Richard Jakes und das bedeutete, dass er nun vermutlich tot war. Anthony lag im Koma. Es war nicht gut für sie geendet, wie man es ihnen angedroht hatte. Dann, als er in die Schule geschickt worden war, hatte er auch dort keine Freunde gehabt, weil er nun einmal mit niemandem hatte reden dürfen. Sie hatten irgendwann aufgehört zu versuchen Freundschaft mit ihm schließen zu wollen, oder auch nur mit ihm zu reden, auch wenn er manchmal einfach bei lauten Unterhaltungen zugehört hatte, natürlich ohne sich einzubringen und sie hatten seine Existenz als lebendiger Schatten irgendwie akzeptiert. Auch in der Kneipe hatte er nie mit jemandem geredet. Selbst wenn er gewollt hätte, hätte er nicht gewusst worüber er sich mit den anderen Stammgästen hätte unterhalten sollen. Also war es kein fremdes Gefühl ein Außenseiter zu sein. Komisch war es trotzdem.
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Allegiance- Hexenjagd
Mystery / ThrillerDer zweite Teil der Allegiance- Duologie! Was nun? Was soll jetzt aus Rowan werden? Wie kann Clara das Geschehene hinter sich lassen? Wer ist Jenna? Was passiert mit den Sklavenhaltern? Was ist mit Jordan? Und hält die Sekte wirklich die Füße still...
