7. Kapitel- Was nun?

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„Emily lässt fragen, ob du uns besuchen kommst?" Energisch biss Jenna in ihr Brötchen, während sie ihn fest ansah. Sie saßen in einem Café im vierten Quarter und gönnten sich ein ausführliches Frühstück. Rowan hatte am Morgen fast fluchtartig die Sporthalle lassen und war gegangen, bevor jemand auch nur die Gelegenheit bekam ihn aufzuhalten. Heue Morgen war ihre Unterhaltung wesentlich entspannter gewesen, als am Abend. Jenna schien sich von ihrem ersten Schock erholt zu haben und behandelte ihn tatsächlich erstaunlich normal, was auch dazu führte, dass sie weiter Fragen über ihn gestellt hatte, und die Antworten darauf hinnahm, als sei es ganz normal, dass er eigentlich überhaupt nicht normal war.

Jetzt hob er die Augenbrauen. „Man hat mir nie erlaubt die Stadt zu verlassen", umging er eine direkte Antwort. Das Croissant, das Jenna ihm angedreht hatte, schmeckte herrlich mit Cream und Marmelade.

„Dann wird es ja mal Zeit" Sie grinste. „Sie reißt mir den Kopf ab, wenn ich dich mit einem Nein davonkommen lasse"

Er lachte leise. „Also ist sie nicht zu enttäuscht, dass ich kein Geheimagent bin?" Der Gedanke an das kleine Mädchen stimmte ihn jedes Mal glücklich. Er wollte sie tatsächlich gerne treffen, nur beim Rest der Familie war er sich nicht so sicher.

Jenna lachte laut auf und verschluckte sich fast an ihrem Brötchen. „Ja, ich denke sie wird die Enttäuschung verkraften. Also kommst du zu uns?"

Er zögerte „Nach Oxford?", fragte er vorsichtig.

„Nein, da wohne nur ich... nach Brillington" Sie sah ihn forschend an. „Stell dir vor: Emily ist nicht mit mir umgezogen" Sie grinste ihn an.

„Schade" Dieses Mal konnte er sich kein Lächeln abringen. „Kann ich nicht einfach nach Oxford kommen, wenn sie dich auch besucht?", fragte er vorsichtig. Die Vorstellung seine Eltern zu treffen verdarb ihm beinahe den Appetit.

Sie wusste es. Es war ja auch nicht besonders schwer zu sehen. Jedenfalls ließ sie die Reste ihres Brötchens sinken und sah ihn ernst an. „Ich verstehe, wenn du ihnen böse bist, aber vielleicht wäre es für alle gut, wenn ihr euch mal kennenlernen würdet?" Vorsichtig sah sie ihn an.

„Damit sie ihr Gewissen beruhigen können?" Er schnaubte.

„Ich glaube kaum, dass es sie beruhigen würde, wenn sie wüssten was dir passiert ist" Sie legte sacht die Hand auf seine Faust, die er unwillentlich auf dem Tisch geballt hatte. Sie sah in sein verzogenes Gesicht uns seufzte. „Niemand kann dich zwingen, aber wir würden uns alle freuen, wenn du kommen würdest!"

Er schwieg. Auf der einen Seite wollte er Emily kennenlernen und auch wissen, wie die Menschen waren, die er unter normalen Umständen seine Familie genannt hätte. Auf der anderen Seite wollte er nichts mit ihnen zu tun haben, weil ihm jedes Mal Marcus Worte im Kopf hallten. Sie wollten dich nicht. Nein, sie hatten ihn nicht gewollt und zur Strafe für seine ungeplante Existenz war er ein Sklave geworden.

„Am Mittwoch hat Emily Geburtstag. Du kannst kommen, wenn du möchtest. Du kannst auch Clara mitbringen. Hier..." Sie schob ihm einen Zettel rüber, auf den sie eine Adresse geschrieben hatte. „Wenn ich dich von irgendwo abholen soll, notfalls auch von hier, kann Clara mir ja schreiben, oder du suchst dir irgendwo ein Telefon und rufst mich an und sonst kannst du kommen und gehen wie du möchtest" Fast flehend sah sie ihn an. „Bitte komm.... Überleg es dir wenigstens"

Er seufzte tief und griff nach dem Zettel und schob ihn zu den Lucky Strikes in die Tasche. „Gut, ich überleg es mir" Er seufzte und dachte kurz an Clara und an das, was Jordan ihm erzählt hatte.

„Danke" Jenna lächelte und ließ das Thema dann fallen.

Sie war eine unheimlich positive Persönlichkeit. Wenn sie redete, war nichts ein Problem und sie verbreitete gute Laune. Sogar den distanzierten Kellner konnte sie auftauen, sodass er ihren Tisch lächelnd verließ. Nicht zum ersten Mal fragte sich Rowan, wie ähnlich sie sich waren und wie viel Auswirkung die Genetik auf den Charakter hatte. Außerdem war er immer noch verwirrt davon, wie ähnlich sie ihm sah. Wie gerne wäre er mit ihr zusammen aufgewachsen. Er konnte sich nicht vorstellen, dass es irgendwo jemanden geben konnte, der sie nicht mochte. Sie musste viele Freunde haben und hatte ein hervorragendes Studium und alles was sie brauchte. Fast hätte er von sich selbst erwartet eifersüchtig zu sein, aber er spürte einfach nur Bedauern darüber, es nicht mit ihr geteilt zu haben. Am liebsten hätte er sie gar nicht wieder gehen lassen, aber sie hatte noch ein ganzes Stück zu fahren, bis sie wieder in Oxford war und etwas zu arbeiten hatte sie auch noch, bevor sie am nächsten Morgen wieder losmusste. Dabei fiel ihm ein, dass auch er wieder zur Schule musste und seufzte. Schnell versuchte er wieder an etwas anderes zu denken, um den Gedanken an die Polizei, die ihm weiter seine Sachen vorenthielt, nicht zuzulassen. „Sag mal, hast du eigentlich gar keinen Freund?", fragte er skeptisch. Er konnte sich nicht vorstellen, dass die Kerle nicht Schlange standen und irgendwie hatte er plötzlich das irrwitzige Bedürfnis sie zu beschützen, wenn er da so an Jordan dachte.

Allegiance- HexenjagdGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt