Kapitel 3: Die Guardians

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Captain Marvel packte Rocket und trug ihn zur Steuerkonsole.
Der Waschbär knurrte wütend:
"Hey! Lass mich sofort los!"
Sie platzierte ihn auf seinem Sitz und redete leise mit ihm.
Rocket machte große Augen und hörte mit offenem Maul zu.
Als der Captain mit dem Reden fertig war, starrte der Waschbär entgeistert in die Luft.
Thor und Loki schwiegen gespannt.
Was die beiden wohl besprochen hatten?
Langsam formte sich ein Lächeln auf Rockets Gesicht, das sich einige Sekunden später in ein breites Grinsen verwandelte, wobei er eine Reihe scharfer Zähne zeigte.

"Was ist denn nun?", fragte Loki leise

Rocket stieß ein heiseren Laut aus, den man mit viel Fantasie als Auflachen interpretieren konnte:
"Wer hätte es gedacht! Die Frau versteht doch tatsächlich was vom Fliegen!"

Captain Marvel lächelte, werkelte an Knöpfen und Hebeln herum, ging zum Bildschirm an der Wand hinüber und blickte kurz in die Runde.
Rockets Grinsen hatte nun beinahe schon einen wahnsinnigen Zug angenommen.
Was freute er sich nur so?

Rocket legte einen Hebel um, stellte die Steuerung auf Autopilot und drückte auf einen Knopf, worauf ein Ruck durch das Schiff ging.

Captain Marvel lächelte:
"Festhalten."
Und zog den Finger über den Geschwindigkeitsregler.

Bevor es Loki von den Füßen riss, konnte er noch das Wort "Lichtgeschwindigkeit" lesen.

Er atmete durch zusammengebissenen Zähnen aus und rappelte sich vorsichtig wieder auf.
Das Raumschiff bewegte sich nun so schnell, dass man eigentlich keine Bewegung mehr wahrnehmen konnte, nur der Start war anscheinend so ruckartig gewesen.

Man erkannte die Bewegung nur am Knurren der Motoren und den Sternen, die Lichtblitzen gleich an den Fenstern vorbeirasten. 

Loki wollte gerade an eines der Bullaugenartigen Fenster treten, doch das Raumschiff machte erneut einen Ruck und er flog, dieses Mal vorwärts, durch den Kontrollraum.

Dieses Mal konnte er sich jedoch rechtzeitig abrollen und stand in Sekundenbruchteilen wieder auf den Füßen.
Die Frau klopfte ihm auf die Schulter:
"Ich hab dir doch gesagt du sollst dich festhalten."

Loki verzog genervt das Gesicht. Die fiese Antwort lag ihm schon auf der Silberzunge, doch er ließ es sein.
Es war die Mühe nicht wert.

Er schaute hinüber zu Rocket, doch der schien irgendetwas in den Weiten des Alls entdeckt zu haben, das ihm gar nicht gefiel.
Das Grinsen war auf seinem felligen Gesicht festgefroren und in den Bernsteinaugen stand Panik geschrieben.

Der Gott des Schabernacks lief zu ihm hinüber und blickte aus dem Frontfenster.
Ein fremdes Raumschiff flog neben ihnen her.
Noch bevor er sich besinnen konnte, was das zu bedeuten hatte, ging erneut ein Ruck durch das kleine Schiff des Waschbären.
Dieses Mal war es jedoch nicht der Motor, der den Boden zum Erzittern brachte.

Rocket sprang auf die Hinterpfoten und jaulte:
"WIR WERDEN ANGEGRIFFEN!"

Thor stürzte nun neben Loki ans Fenster und blickte ebenfalls nach draußen.

"Ist das nicht die Benatar ??"

Rocket nickte bedrückt.
Das Grinsen war nun vollkommen verschwunden.
"Das sind die Guardians. Sie dürfen uns auf keinen Fall sehen."

"Bitte was?", fragte Loki irritiert.
Die Guardians ? Die Benatar ?
Er verstand rein gar nichts.

"Die Guardians of the Galaxy in ihrem Raumschiff der Benatar. Ich bin einer der Guardians und..."

Loki begriff das Problem.
Sollte Rocket sich selbst begegnen, würde er verschwinden!

Thor zuckte zusammen, als ein weiteres Geschütz ihr Schiff traf.
Er lief zu Captain Marvel hinüber.

"Wir müssen hier weg! Schnell!"

Sie drückte auf dem Steuerbildschirm herum, doch ein unmissverständliches Symbol erschien auf schwarzem Grund.
Ein durchgestrichener Blitz.

"Oh nein.", stieß Loki hervor.

Nicht genug Energie um noch einmal in Lichtgeschwindigkeit zu fliegen.
Sie saßen in der Falle.

Das Schiff erbebte zum dritten Mal und dieses Mal so heftig, dass Rocket aus seinem Sitz purzelte.
Panisch verkroch er sich unter dem Steuerpult  und bedeckte seinen Kopf mit den Armen.
"Versteckt mich!", kreischte er verzweifelt.

"Nichts leichter als das.", murmelte Loki, rieb die Handflächen aneinander und fuhr dann mit beiden Händen durch die Luft über Rockets Kopf.
Der Waschbär verschwand Stück für Stück unter der Illusion und war schließlich ganz unsichtbar geworden.

"Was zum...", hörte Loki eine Stimme hinter sich sagen.

Er wirbelte herum und sah den weiblichen Captain hinter sich stehen.
Der Gott zwinkerte ihr zu, wackelte mit den Fingern vor ihrem Gesicht und flüsterte geheimnisvoll:
"Magie."

Irritiert blickte Captain Marvel Loki hinterher, als dieser mit wehendem Umgang zu seinem Bruder hinüberstolzierte. 
Er war und blieb ein Mysterium für sie...

Bei Thor angekommen begann der Gott des Schabernacks hektisch zu reden:
"Wir sind hier nicht sicher und die Illusion wird nicht verhindern, dass Rocket sich auflöst wenn sein.. Ehm..."anderes ich" den Raum betritt.
Ich fürchte wir haben keine Chance."

"Was redest du denn da, Bruder?", fragte der Gott des Donners.
Das konnte ja wohl nicht Lokis Ernst sein! Niemand wird einfach zurückgelassen!

"Hör zu, Thor.", sagte Loki leise und beschwichtigend: "Es gibt keine andere Möglichkeit. Die Guardians haben das Schiff schon betreten."

"BITTE WAS?!", fauchte Thor:
"Und das sagst du mir erst jetzt??! Ich hätte sie bekämpfen können!"

Hättest du nicht, dachte Loki.
Sein Bruder mag zwar der stärkere der Geschwister sein, jedoch war die Truppe die sich da näherte ein eingespieltes Team.
Nicht einmal Thor hätte da eine Chance gegen.
Nicht ohne seinen Hammer und der war ja von ihrer Schwester zerstört worden...
Loki wusste nicht, dass Thor inzwischen eine neue Waffe besaß:
Den Sturmbrecher.
Trotzdem hatte der Gott des Schabernacks Recht:
Alleine hätte sein Bruder niemals eine Chance gegen die Guardians gehabt.

Lokis Gedankengänge wurden unterbrochen, als die Tür zum Kontrollraum zwei Mal erzitterte und dann mit einem hässlichen, metallenen "kriiieeesch" aus den Angeln brach.
Mit einem "klonk" landete sie am Boden.

Für einen Bruchteil des Moments hatte Loki die Hoffnung, dass sich die kleine Gestalt, die dort im aufgewirbelten Staub stand nicht in Luft auflösen würde, doch diese Hoffnung zerbrach innerhalb von Sekunden.
Sobald sich die beiden Rockets erblickten (Lokis Illusion hatte sich in Luft aufgelöst. Vor Paradoxen konnte seine Magie sie leider nicht schützen) stieß "ihr Rocket" ein kratziges "NEIN!" aus und der "andere Rocket" starrte verwirrt auf seinen Doppelgänger.

Vor ihren Augen verschwanden die beiden.

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Gedanken, Meinungen, Verbesserungsvorschläge??🙂

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