Kapitel 20: Der Plan

66 10 11
                                    

"Und?!", fragte Carol ihn besorgt und aufgeregt zugleich.
Nervös war sie, um es mit einem Wort zu beschreiben.

Stephen Strange fuhr sich fahrig durch die bereits ergrauenden Haare, er wirkte seltsam bleich.
Das sah gar nicht gut für sie aus!

"Es ist riskant, aber nur so wird die Zeit uns nicht alle...äh-"

Er blinzelte schnell.

"Zerstören. Oh Mann was mache ich hier eigentlich?"

Er wischte sich über diese merkwürdigen, grün-blauen Augen und sein viel zu großes Ego schien plötzlich verschwunden.
Er hatte Angst.

Nervös begann er zu reden,  seine Stimme zitterte leicht und seine Augen schienen glasig.
Loki fühlte beinahe schon Sympathie für diesen Mann, so kannte er das Gefühl von Angst, das Gefühl, dass alles kaputtgeht, wenn man das falsche tat, dass irgendwer verletzt wird...

"Wir können Sie auf keinen Fall zurückschicken, die Paradoxen würden sich nur verstärken. Sie könnten in der Vergangenheit keinen Fuß auf die Erde setzten da würde Sie Ihr...ähh wie Sie es nannten "schwarzes Nichts" schon  verschlungen haben. In die Zukunft geht's auch nicht, die ist vollkommen durchlöchert, sie wird vorraussichtlich in kurzer Zeit in sich zusammenfallen. Ich... Ich weiß nur nicht..."

Er stockte und fuhr sich erneut über die Augen.

"Was wissen Sie nicht? Wo liegt das Problem?", fragte Carol Danvers sanft.

Loki war es ein Rätsel wie sie so ruhig reden konnte. Der Gott des Feuers war sich nicht sicher, ob er überhaupt einen verständlichen Satz formulieren könnte, ohne dass sich seine Zunge verknotete.
Die altbekannte Panik ließ sein Herz rasen und jagte ihm die Gänsehaut über den Körper.
Kälte.
Man sollte meinen, dass die einen Eisriesen nicht sehr beeinträchtigen konnte, doch in Wahrheit war sie seine größte Angst: die kalte Panik.
So kalt...

"Es gibt nur diesen einen Weg. Und ich weiß nicht, ob man es einer Person zumuten kann, das alles alleine zu schaffen."

"Halt, warten Sie. Wieso nur eine Person?! Wir sind doch zu dritt?"

Kalt, Kalt, Kalt....

Loki bohrte seine Fingernägel in die Handflächen, er hatte das Gefühl jede Sekunde das Bewusstsein zu verlieren.

"Aber nur einer von uns kann die Zeit verändern, nur einer von uns war vor Ort."
Dr Strange sprach vorsichtig, als würde er wissen, wie sehr ihn die Situation überforderte.

"Loki?!", fragte Captain Marvel ungläubig.
Sie blickte zu ihm hinüber.

Ihm wurde schwindelig.

Kalt, kalt, so unglaublich kalt

"Loki!", hörte er seine Freundin noch rufen, dann verschwamm alles vor seinen Augen.

"Er wird das schaffen.", hörte er Strange's Stimme von ganz weit weg.
Zuversichtlich.

"Wieso kann ich ihm denn nicht helfen?"

Carol.

"Carol, es geht mir gut.!", wollte er sagen, doch die Kälte hielt ihn fest, er konnte sich nicht bewegen,  nicht sprechen, war wie eingefroren.

Kalte Angst.

"Ich habe es gesehen.  Nur er kann es schaffen."

          ***

"Da ist er ja wieder!"

Loki öffnete die(- er war sich sicher nach dem Zusammenbruch-) roten Augen.
Dr Strange, nahe vor seinem Gesicht, Carol direkt daneben.
Besorgte Blicke.

"Halten Sie Abstand, Mann!", fauchte er, seine Stimme hörte sich dabei jedoch weder selbstbewusst noch stark an. Nur trocken und zittrig.

Carol zuckte zurück, als wäre ihr erst jetzt klar geworden, aus welcher Nähe sie ihn beobachtet hatte, Strange richtete sich langsam auf und murmelte ein belustigtes:
"jap, wieder ganz der Alte."

Irgendwie konnte es einen aggressiv machen wie der das "Jap" aussprach. Mit dieser nervigen Betonung auf dem "p".

Loki richtete sich langsam auf.
Die Kälte war verschwunden, sein Schädel brummte jedoch noch ganz schön. Fühlte sich beinahe so an, als ob er zu viel von diesen Getränken getrunken hatte, die Tony Stark so sehr mochte.
Die, die in der Kehle brannten und die Zunge lösten.

"Und. Wie sieht Ihr Plan jetzt aus?", murmelte er mit matter Stimme.

Carol stützte ihn,  als er mit wackeligen Knien von der Liege aufstand, auf die ihn der Doktor während seiner kurzen Ohnmacht verfrachtet haben musste.

"Bist du dir sicher?", fragte sie ihn besorgt:"Denkst du, du kannst dir das zumuten? Thanos noch einmal entgenzutreten?"

Tränen stiegen ihm in die Augen, wie immer wenn er Angst hatte. So richtige Angst.

"Ich bin mir sicher, dass ich alles tun werde, damit du lebst."

Lokis Blick kreuzte den von Stephen Strange, welcher die beiden mit gehobenen Augenbrauen beobachtete. Als er den Blick des Gottes bemerkte, heftete er die Augen mit der undefinierbaren Farbe schnell an die Decke.

Loki seufzte.

"Nun denn. Wie stellen wir es an?"

....


Wenige Minuten später fanden sich Carol und Loki wieder, wie sie einem hektisch voranschreitenden Stephen Strange folgten, der andauernd irgendein unverständliches Gemurmel von sich gab.
Einige Male hatten sie noch "Was? !" Und "wie bitte?!" Gerufen, jedoch wurden sie vom Doktor vollkommen ignoriert.
Die gemurmelten Worte schienen daher nicht für sie bestimmt gewesen zu sein, wahrscheinlich hielt der Mann einfach Selbstgespräche.

Der Gott und die Menschenfrau wechselten einen vielsagenden Blick:
Wenn selbst Dr Strange so nervös wurde, dann gab es wirklich keine andere Möglichkeit, dann gab es wirklich nur diesen einen Weg.

Loki hatte ein ganz komisches, unruhiges Gefühl das durch seine Muskeln strömte. Sein Körper schien sich schon darauf vorzubereiten, Thanos erneut zu begegnen, sein Geist  war jedoch noch nicht so weit.
Lange nicht.
Dieser versuchte erst einmal zu begreifen, dass er sich wieder diesem riesigen, lilafarbenen Idiot stellen musste.
Irgendwie wirkte alles so unwirklich!

Er spürte, wie er erneut wässerige Augen bekam und blinzelte um das verdammte Brennen wegzubekommen. Wieso mussten seine Augen nur diese verdammte Angewohnheit haben durch Angst zu tränen?!

"Ehm Loki?", raunte Captain Marvel ihm zu.
Er zog eine Augenbraue hoch:
"Ja?"

"Weinst du etwa?"

Oh, er könnte irgendwen erschlagen. Vorzugsweise Strange, auch wenn der der einzige mit einem Plan war.
Dieses verdammte Mitleid!
Wenn er eins überhaupt nicht gebrauchen konnte, dann war es Mitleid und gerade Carol sollte ihn nicht so angucken, als ob er irgend so ein schwaches Wesen wäre, dass sie beschützen musste!

"Nein.", knurrte er genervt.
"Ich weine ganz bestimmt nicht! Meine...Augen sind einfach nur so...trocken."

Natürlich glaubte sie ihm das nicht. Warum auch, das war ja wohl die schlechteste Lüge die er jemals erzählt hatte.
Er konnte sie einfach nicht anlügen, wenn er es versuchte, ließen aufkommende Schuldgefühle die Worte in seinem Hals stecken bleiben.
War das immer so mit Freunden?

Dass man sie nicht anschwindeln konnte?

____
Meinungen?:)
Meine Austauschschülerin kommt übrigens heute Abend und bleibt bis nächsten Montag, d.h ich werde nicht so viel Zeit zum schreiben haben:/

TimeWo Geschichten leben. Entdecke jetzt