Kapitel 10: Engelchen und Teufelchen

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"Du kannst ja richtig lustig sein!", grinste Captain Marvel.

Loki verwandelte sich wieder in sich selbst, sprich in seine Æsir-Form, nicht die eines Eisriesen.
Er grinste ebenfalls:
"Nur weil ich "böse" bin heißt das ja nicht, dass ich keinen Humor habe, oder?"

Carol wurde plötzlich nachdenklich und Loki schwante Böses...
So schnell konnte die Stimmung kippen.

"Woher kommt dieses "Böse" eigentlich. Ich meine, was hast du denn groß Schlimmes gemacht?"

Er starrte sie verwirrt an:
Wo war sie denn während New York gewesen?? Hinter dem Mond?

"New York? 80 Menschen in zwei Tagen?", fragte er zögerlich und sah traurig zu, wie sich das so bekannte Entsetzen über ihre Gesichtszüge legte.
Natürlich hatte sie es nicht gewusst!
Er war so ein Idiot.
Niemand würde jemals wissen was er damals getan hatte und ihn trotzdem als normale Person sehen, er wäre dann erneut der Wahnsinnige, der Irre...
Er konnte es den Leuten wahrscheinlich nicht einmal übel nehmen, aber
Es.tat.einfach.so.verdammt.weh.

Er kam von diesem Bild nie wieder weg, New York könnte er nicht verhindern wie er die Sache mit Thanos vielleicht verhindern kann.
Nie.

Carol stand auf und kam auf ihn zu, sie war sehr bleich geworden.

Die Sache mit dem Beenden der Freundschaft hätte sich dann von selbst erledigt, dachte der Gott bitter.
Er war so- so ein verdammter Idiot!

Die Menschenfrau sagte leise:
"Warum 80 Menschen in 2 Tagen?"

Loki stand schnell auf:
"I-ich..."

"LOKI WAS HAST DU GETAN?!", rief sie verstört.

Ihm wurde schwindelig, in seinem Kopf hörte er die Stimmen von Odin, Thor, Frigga, sogar von Sif.
Verängstigt, verstört, anklagend, angeekelt.

"Was wirst du jetzt tun.", fragte er leise, mit ruhiger Stimme.
Er hielt Blickkontakt mit ihr, auch wenn es ihm schwerfiel.

Wie verweichlicht er doch war.
Das war alles Thors Werk!
Er sollte ja wohl in der Lage sein eine Menschenfrau anzusehen!

"Was. Hast du. Getan!?", presste sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.

"Ich habe 80 Menschen in 2 Tagen ermordet. Ich habe Aliens nach New York gebracht, ich habe Thanos geholfen unsere Welt anzugreifen...
Oh- und ich habe Tony Starks ehemaligen Turm zerstört."

Er lächelte, auch wenn ihm nicht danach war.
Irgendetwas in ihm tat furchtbar weh bei dem Gedanken nun wieder in die Rolle zu rutschen aber nur so konnte er letztendlich überleben, nicht wahr?
So war es immer gewesen.
Er war der Gott der Lügen, also wieso nicht sich selbst belügen, wenn es alles nur besser machen konnte?
Solange er die Kontrolle hatte, konnte Chaos ihn nicht beherrschen.
Er war Chaos.

Carol wich vor ihm zurück:
"Loki..."

"Hast du Angst ja? Ich hab gefragt ob du Angst hast!!", schrie er und es fühlte sich so falsch an wie noch nie. Irgendetwas in ihm war dabei zu zerbrechen, es gab kein Zurück aus der Situation.

Es gab nur Vorwärts.

Die Menschenfrau sank wimmernd zu Boden und bedeckte die Ohren mit den Händen, aber er wollte, dass sie ihn hörte.

Er sank vor ihr in die Knie und zerrte an ihren Armen, beinahe grob und schließlich ließ sie sie sinken.
Mit riesigen, Tränennassen Augen guckte sie ihn an:
"So bist du also wirklich, ja? Was für ein Spiel spielst du mit mir."
Ihre Stimme war nicht mehr als ein Flüstern, doch irgendetwas daran riss ihn zurück in die Wirklichkeit.

Er versuchte zu antworten, aber es ging nicht, er konnte nur dort sitzen und sie anstarren und sie starrte zurück.

Leere breitete sich in ihm aus.

"Ich- ich..."

Viel weiter kam er nicht. Er musste sich räuspern und mit rauer Stimme sagte er leise:
"Ich will doch gar nicht so sein."

Carol starrte ihn an: verängstigt und verwirrt, geradezu geschockt.

"Aber wieso- wieso versuchst du mir Angst zu machen wenn du eigentlich nicht willst dass ich mich vor dir fürchte?"

"Die Leute hören dir erst zu, wenn du eine Gefahr bist. Sie tun erst dann das was du willst, wenn sie Angst vor dir haben. Respekt kommt durch Furcht, so war es schon immer.", flüsterte er mit matter Stimme.

Er brauchte unbedingt jemanden dem er vertrauen konnte, und zwar so richtig vertrauen. Das merkte Carol jetzt.
Er benahm sich wie das Monster, das die Asgardianer aus ihm gemacht haben, weil es seine einzige Chance gewesen war sich jemals zu behaupten!
Er hatte Angst davor verraten zu werden und glaubte der einzige Weg war die Furcht...
Das war so seltsam makaber und verdreht, dass es ihr schon wieder Leid tat!

"Das ist alles nicht deine Schuld.", sagte sie nach einem Moment des Schweigens.

Loki konnte es kaum fassen:
Nicht nur hatte sie gerade darüber hinweg gesehen, dass er ein Massenmörder ihres Volkes war, sie hatte sich auch noch auf seine Seite gestellt!
War sie komplett geisteskrank?

"Natürlich war das meine Schuld, ich hätte Thanos widerstehen müssen, er hätte mich einfach töten sollen-", fing er an, doch sie schüttelte den Kopf.

"Nein, Loki. Ich will es gar nicht wissen. Ich weiß, dass du versucht hast Thor und dich vor Thanos zu retten, das halbe Universum zu retten, ich weiß dass du einen ehrenvollen Tod gestorben warst und alles was vorher war zählt für mich nicht.
Wenn Menschen- oder auch Götter- nicht die Chance kriegen es besser zu machen, wie sollen sie dann jemals zeigen, dass sie nicht "böse" sind?"

Er starrte sie mit offenem Mund an. Er liebte diese Frau!
Also nein, nicht auf diese Weise, das war vielleicht etwas überschwänglich formulier aber...
Wow.
Sie hatte genau das so schnell verstanden, was er den anderen über Jahre versucht hatte beizubringen. Aber für die deutete eine schlechte Tat schon darauf, dass nichts Gutes in einem war.

"Versprich, dass du niemals wieder so etwas tust. Und versprich, dass du nicht mehr versuchst das Monster zu sein, das die aus dir gemacht haben."

Er hielt ihr die Hände hin, damit sie sah, dass er die Finger nicht kreuzte (ja, auch in Asgard wurde das so gemacht).

"Ich schwöre es. Keine Ausraster mehr. Ich versprech es bei meinem Vater Odin und dessen Vater Bor."

Sie nickte, er nickte und sie verzogen sich in verschiedene Räume des Raumschiffs.
Loki ging es besser.
Er wusste es jetzt, wusste jetzt, wie stark ihr Vertrauen in ihn war und vertraute ihr somit selbst viel mehr.

Sie war ein besonderer Mensch.

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Ich weiß es wird zwischendurch immer wieder etwas psycho, das liegt aber daran, dass ich Aufgrund Lokis Stimmungsschwankungen sein Verhalten in Richtung Persönlichkeitsstörung sehe...

Und das was wir in den Filmen sehen, diese glatte Selbst, dass er versucht zu präsentieren während er immer wieder abrutscht, zeigt meiner Meinung nach noch viel deutlicher, dass er nicht einfach nur böse ist, sondern immer mit sich selbst ringt, für welche Seite er sich entscheidet.
Und da er sein Leben lang alleine war, ist es die Seite, auf der ihn niemand verletzen kann- da ist es ihm auch egal, wenn er andere verletzt.

Hätte er dieses Denken nicht entwickelt wäre er womöglich schon längst zugrunde gegangen.


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