Kapitel 5: Schmerz macht stärker

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Tipp: in manchen Kapiteln habe ich oben passende YouTube Videos eingefügt😉
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Thor sprach den ganzen Abend so gut wie kein Wort, Loki machte sich beinahe schon Sorgen um seinen Bruder, doch diese verflüchtigen sich, als er daran dachte, dass Thor auch nach seiner Rettung sehr schweigsam gewesen war.
"Vielleicht", dachte Loki: "ist Thor nun so."
Der Gedanke war nicht besonders beruhigend, denn dem Gott wurde somit nur noch mehr klar, dass er seinen Bruder länger nicht gesehen hatte, als jemals zuvor.
Früher hätten ihn 3 Jährchen nicht gestört, aber inzwischen hatten sich die Geschwister eher an die Anschauung der Zeit gewöhnt, die die Menschen besaßen.
Wenn er darüber nachdachte, waren 3 Jahre tatsächlich erschreckend wenig dafür, dass all diese Schrecklichen Dinge geschehen waren und sein Bruder sich so sehr verändert hatte.
Vermutlich brachten so viele schreckliche Ereignissen auf einem Punkt eine schnelle Veränderung zu Stande...

Widerwillig musste er an New York denken und wie schnell er sich von dem wütenden Prinzen in das wahnsinnige Monster verwandelt hatte, welches 80 Menschen in 2 Tagen kaltblütig tötete.
Ach, was machte er sich vor, er konnte die Sorgen um seinen Bruder unmöglich vergessen.
Thor wirkte zerschlagen und verstört und diesen Eindruck hatte er vor Rockets verschwinden auf keinen Fall gemacht.
Die Situation schien auch ihm unter die Haut zu gehen.

Loki beobachtete Captain Marvel, die sich am Riemen gerissen hatte und fleißig am Steuerbildschirm herumwerkelte.

Schade eigentlich, dass sie ohne Rocket keinen Zugangscode zum Schiff der Guardians hatten...
Leider konnte man dieses auch nicht einfach aufbrechen, da es weder besonders alt noch in irgendeiner Art und Weise verkommen war.
Dieses Schiff, die Benatar, hätte mit Sicherheit in Lichtgeschwindigkeit weiterreisen können.
Rockets Schiff musste die Nacht über aufladen, um so einen Sprung vollführen zu können.

Loki seufzte.
Im Moment war alles, was er sich wünschte ein ruhiger Tag, ohne dass Asgard oder Midgard angegriffen, das halbe Universum zerstört oder die Zeit zersplittert wurde.

Captain Marvel setzte sich neben ihn und lächelte müde:
"Wenn wir heute nicht sterben, schaffen wir es vielleicht sogar."

Loki grinste:" Die Einstellung gefällt mir."
Er dachte kurz nach, dann fragte er sie leise, damit Thor, der damit beschäftigt war mit leerem Blick ins nichts zu starren, ihr Gespräch nicht mitkriegte:
"Weißt du was mit meinem Bruder los ist?"

Captain Marvels Blick wanderte zum Gott des Donners. Sie zuckte mit den Schultern:
"Ich schätze er ist einfach ziemlich verängstigt wegen Rocket. Und die Guardians hat er auch gekannt."

Loki nickte langsam. Er überlegte, was an dem Satz dieses mulmige Gefühl in seiner Magengrube auslöste...
Er tat es als Stress ab. Sie alle drei standen furchtbar unter Strom.

Eine lange Zeit saß das Team noch beieinander, beobachteten, wie das All durch das Weiterziehen der Sonnen durch die Galaxien die sie durchquerten die Farben wechselte und irgendwann schliefen sie schon fast im Sitzen ein.
Thor war der erste, der sich in sein Zimmer verabschiedete. Loki und Captain Marvel folgten und kurze Zeit später langen alle drei in ihren jeweiligen, viel zu kleinen Betten und schliefen fest.

Loki, der die Letzt Nacht kaum Ruhe bekommen hatte, schlief wie ein Stein. Traumlos und erholsam, bis eine weibliche Stimme in die Schwärze des Schlafes vordrang.
Als er auch noch wie wild geschüttelt wurde, fuhr er schließlich von seinem Bett hoch und sah sich einer unglaublich blassen, unglaublich zerzausten Captain Marvel gegenüber.
Er nahm sich vor, sie mal zu fragen, wie sie eigentlich mit Vornamen hieß. Er wusste ja nicht einmal wie er sie ansprechen sollte!
Also schwieg er und setzte nur einen fragenden Gesichtsausdruck auf.
Sie flüsterte mit zitternder Stimme:
"Thor."

Der Gott des Schabernacks war auf der Stelle wach.

"Was ist mit meinem Bruder?", krächzte er mit vor Schlaf heiseren Stimme.

Captain Marvel packte ihm am Ärmel seines dunkelgrünen Leinenhemdes, das er zusammen mit einer Stoffhose anstatt der üblichen Klamotten trug.

Er stürmte hinter der Frau her in Thors Zimmer und fand seinen Bruder zitternd und nassgeschwitzt auf dem Boden hockend.

"Thor! Was ist mit dir?", rief Loki aus und stürzte zu seinem Bruder hinüber.

Thors Blick wanderte zu Loki und in seinen Augen lag Verzweiflung und Schmerz.
"Loki ich...Ich fürchte ich..."

Der Gott des Donners holte tief Luft:
"Ich fürchte auch ich werde in der Zeit verloren gehen."

Es fühlte sich an, als ob etwas in Loki zerbrechen würde.
Und plötzlich wusste er, was ihm in der Unterhaltung mit Captain Marvel solch ein Unbehagen bereitet hatte.
Der Satz "Und die Guardians hat er auch gekannt.", hallte in seinem Kopf wie ein Echo und Lokis Gesichtszüge entgleisten.
Er schüttelte den Kopf und sank dann vor seinem Bruder in die Knie:
"Nein. Du kannst nicht- du darfst nicht-"

Thor lächelte sanft:
"Ich weiß du kannst es schaffen. Du kannst alles wieder in Ordnung bringen."

Loki spürte wie Tränen über seine Wangen liefen und verzweifelte schluchzte er auf:
"Nein. Nein-nein-nein-nein-nein!"

Thor strich ihm über den Arm:
"Ich musste dich einfach wieder lebend sehen, kleiner Bruder."
Er wurde bereits blasser.
"Mach wieder gut, was ich damit angerichtet habe."

Loki musste mit ansehen, wie Thor vor seinen Augen verschwand.
Alle Geräusche wurden dumpf, sein Kopf war erfüllt von einem Rauschen. Er stand auf, Tränen strömten ihn wie niemals endende Wasserfälle über das blasse Gesicht.
Er schrie, stolperte auf die nächstbeste Wand zu und warf sich dagegen.
Er konnte den Schmerz in seinem Inneren nicht übertönen, er konnte sich nicht genug physischen Schmerz zufügen, dass der psychische verschwand.
Wie von Sinnen trat und schlug er gegen die Wand als ob sie an dem Verschwinden seines Bruder tot war.
Er spürte wie ihn jemand von der Wand wegzog und schrie, außer sich und mit wirrem Blick.

Captain Marvel brauchte ihre gesamte Kraft um den Gott so zu packen, dass dieser sich nicht selbst verletzen konnte.
Sie selbst spürte die Leere in sich, sie selbst hatte ihre Familie verloren, jedoch lag dies lange zurück und sie hatte es als Wahrheit annehmen müssen. Thors Verlust ging ihr trotzdem nahe.
Völlig verzweifelt versuchte der Mann sich zu befreien, doch sie spürte wie ihn die Kräfte verließen und er verzweifelt in die Knie sank.
Sie versuchte nicht auf die roten Augen und die seltsame, blaue Haut zu achten.
Was das war wusste sie nicht und war sich auch nicht sicher, warum genau er es immer vor den Augen anderer verbarg.
Was sie aber wusste war, dass Loki durch Thors Verschwinden so verletzt war, dass er nicht einmal etwas, was ihn so unglaublich traurig machte, dass er es Tag für Tag verbarg, verleugnen konnte.
Als der Gott aufhörte sich in ihrem Griff zu winden, ließ sie ihn los.
Es war Loki, der die Arme um sie schlang und das ihr bekannte und doch so fremd wirkende Gesicht an ihrer Schulter verbarg.
Unsicher saß sie dort und versuchte, den nun nicht einmal mehr schluchzenden sondern vielmehr winselnden Loki zu beruhigen.

Was sollte nun aus ihnen werden?

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Meiiinungeeen???

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