Charlies Sicht:
Es war halb sechs und mein kleiner Bruder sprang noch immer auf meinem Bett herum. Ich stand vor meinem Kleiderschrank und wusste nicht was ich anziehen sollte. Ich wollte mich heute ein wenig aufmotzen.
Carter hatte mir mit seiner dummen Vermutung doch ganz schön eingeheizt und heute wollte ich ihm zeigen, dass Jasper ganz allein mir gehörte. Mein Bruder grölte in seiner nervigen achtjährigen Stimme und ich sah ich nochmals an: „Du solltest schon vor zehn Minuten verschwinden, Luke. Ich muss mich umziehen." Er ignorierte mich.
Wie sehr ich ihn doch liebte. Tat ich leider wirklich. Ich seufzte und drehte mich wieder zu meinem Kleiderschrank. Dann holte ich eines meiner engen Kleider heraus und hielt es gegen mich. Es war blau und Jaspers Lieblingsfarbe und ich zog mein Shirtkleid aus und das andere Kleid an. Es war gewagt und genau Jaspers Stil. Mein Bruder saß jetzt auf meinem Bett und sah mich an: „Die Farbe ist hässlich." Ich warf ihm einen Blick zu: „Ist sie gar nicht."
Luke zuckte mit den Schultern und spazierte aus meinem Zimmer, ich atmete erleichtert auf und setzte mich an meinen Schminkspiegel. Ich wusste, dass Jasper es gerne ein wenig schrill und ausgefallen hatte und deshalb trug ich passend zum Kleid einen blauen Lidschatten auf. Es klopfte und meine Mom streckte ihren Kopf durch die Tür: „Isst du noch mit uns oder gehst du sofort?"
Als sie mein Gesicht im Spiegel erblickte, lachte sie verhalten. Ich drehte mich schwungvoll zu ihr um: „Mom, was soll das?" Sie trat ein und setzte sich neben mich: „Du siehst einfach süß aus. Warum lässt du es nicht mal ein wenig natürlicher, du bist doch wunderschön." Ich lachte sie gequält an: „Mom, das ist nicht so einfach. Außerdem mag mich Jasper so."
Meine Mom seufzte und strich mit eine Haarsträhne hinters Ohr, die ich sofort wieder hervorholte: „Ich bin mir sicher, du gefällst Jasper auch natürlich." Ich stieß ihre Hand beiseite: „Du verstehst das halt einfach nicht." Meine Mom schüttelte lächelnd den Kopf: „Da hast du wahrscheinlich recht."
Dann stand sie auf und in der Tür drehte sie sich nochmal um: „Pass auf und hab Spaß. Um eins bist du Daheim, in Ordnung?" Ich winkte ihr halbherzig zu und konzentrierte mich dann auf meine Lippen. Als es um kurz nach sechs klingelte, sprang ich auf und sprintete zur Haustür.
Ich setzte ein sexy Lächeln auf und öffnete die Tür. Dann senkte sich mein Lächeln. Vor der Tür stand Jasper und neben ihm stand Max. Die beiden hatten quasi das Gleiche, weißes Shirt und schwarze enge Jeans, an und nun musterten mich beide von oben und unten. Max umarmte mich und Jasper tat es ihm gleich. Kein Kuss.
Ich war fast beleidigt, doch Jasper sagte: „Du siehst hinreißend aus, Süße. Blau ist genau deine Farbe." Ich beruhigte mich ein wenig und lächelte ihn an. Dann schnappte ich meine Tasche und wollte gerade meine Vans anziehen, als Jasper auf meine schwarzen unglaublich unbequemen Stilettos zeigte. Ich sah ihn kurz verwirrt an, dann verstand ich und zog die dunklen Stilettos an.
Die beiden liefen ohne auf mich zu warten bereits zum Auto und ich torkelte mehr oder weniger elegant hinterher. Im Auto durfte ich hinten sitzen und als die laute Rapmusik aus dem Radio erklang, konnte ich nicht einmal leiser drehen. Ich hätte wirklich kotzen können. Vielen Dank auch, Jasper. Ich saß verkrampft und mit meinen Armen verschränkt da, als wir nach zehn Minuten Fahrt Carter abholten und er hinten zu mir einstieg.
Er warf einen Blick nach vorne und dann einen ziemlich frechen Blick zu mir. Dann lachte er leise. Ich hätte ihn gerne mit den spitzen Hacken meiner Stilettos erstochen, aber es war mir zu schade um die hübschen Ledersitze von Jaspers Jeep.
Ich versuchte mich zu entspannen, es war eine Party und ich würde Spaß haben. Und meine Mission Carter zu belehren stand immer noch. Ich sah sein Party Outfit an und musste lachen. Er trug eine dunkle Jeans, irgendein veraltetes Bandshirt und das gute alte Nerd Flanellhemd. Er wusste, dass ich über sein Outfit lachte und deshalb zuckte sein Blick auch nur einen kurzen Moment zu mir herüber. Den Rest der Fahrt ignorierte er mich.
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"Ich hasse dich mehr."
RomanceKompliziert. Das war vielleicht gerade das richtige Wort, um Charlotte Hamptons und Carter Jones' Leben zu beschreiben. Herauszufinden dass der eigene feste/beste Freund schwul ist und Charlie ein ganzes halbes Jahr betrogen hat und das jetzt so zi...