Charlies Sicht:
Als ich mal diesen Morgen auf den Parkplatz einbog, folgten mir noch immer die Blicke. Ich wusste, dass ich mir das noch eine ganze Weile antun musste, bevor irgendetwas anderes Spannendes passieren würde.
Und ich hoffte, dass das relativ bald passieren würde, denn ich fühlte mich einfach nur unangenehm. Als ich sah, dass mein Parkplatz nicht mehr frei war, hatte ich eine kleine Prügelattacke, der mein armes Lenkrad standhalten durfte.
Und dann erinnerte ich mich an meinen eigenen Satz von gestern. Jetzt bin ich also genauso ein Freak wie du. Ich parkte ganz hinten und sobald ich aus dem Wagen stieg, wusste ich, ich würde es bereuen. Vor allem da ich heute meine hochhakigen Stiefel anhatte und nicht mehr als zwanzig Meter damit gehen konnte, ohne irgendwelche Schmerzen zu spüren.
Ich seufzte, richtete meine Haare und stiefelte los. Die Blicke ignorierte ich mehr oder weniger gekonnt. Als ich in meiner Freistunde, wie sonst auch, in die Sporthalle ging, um mit meinem Cheerleaderteam zu trainieren, fand ich sie schon trainierend vor.
Ich legte meine Tasche ab und sah ihnen einen kurzen Moment zu, dann stellte ich die Musik leiser. Mindestens 16 Augenpaare starrten mich missbilligend an. Ich sah mindestens genauso missbilligend zurück: „Was soll das hier?"
Es war lustig, dass gerade Hannah nach vorne trat, eine der netteren aus der Truppe, sie stemmt ihre Hände in die schmale Hüfte: „Wir wollen kein Mädchen, das Jas nicht will, als Captain. Ich bin der neue Captain." Ich lachte ironisch: „Wie bitte? Was hat denn bitte Jasper mit den Cheerleadern zu tun?"
Sie blinzelt mich arrogant an: „Schätzchen, Jasper hat mit allem zu tun, okay? Also los, reih dich ein. Ich meine, wir können dich auch gleich rausschmeißen..." Ich hob ergebend die Arme: „Reg dich ab."
Und schon wieder war ich gedemütigt. Und zwar richtig. Ich war keins der Mädchen, das Cheerleadern als eine Art Chance, in den Schuladel aufzusteigen, sieht. Ich liebe es einfach, ich war schon mein ganzes Leben in einem Verein gewesen und war so überglücklich gewesen als man mich zum Captain gewählt hatte und die Tatsache, dass man mir mein liebstes Hobby wegnahm, war ein Schlag in die Magengrube, den ich nicht so leicht verarbeiten würde.
Deswegen strengte ich mich auch nur mäßig an und versuchte mit allen Mitteln mein Unverständnis und meine schlechte Laune zu verbreiten. Gegen Ende hin hatten es anscheinend alle kapiert, denn niemand wollte meine selbst erfundene ziemlich coole Hebefigur machen.
Und es lag nicht nur am Cheerleaderin, denn in der anderen Hälfte der Halle trainierten die Jungs Basketball. Ich hatte nicht vorgehabt jede vierte Minute zu Jasper zu schielen, aber irgendwie taten das meine Augen von ganz alleine.
Ich fing sogar an mich mit Max zu vergleichen, auch wenn das irgendwie keine so schlaue Idee war, denn da gab es tatsächlich nicht so wenig Unterschiede. Ich meine abgesehen davon, dass ich ein Mädchen war und Max ein Junge, hatten wir auch sonst nichts gemeinsam.
Max hatte helle fast weiße Haare und meine hingegen waren braun. Max Augen waren hellblau, meine braungrün. Er war weiß wie die Turnhallenwand und ich hatte diesen komischen Olivschimmer in meiner gebräunten Haut.
Ich hatte fast das Mädchen auf meinen Schultern fallen lassen und für einen kurzen Moment hatte ich es tatsächlich in Erwägung gezogen, sie wirklich fallen zu lassen, aber so gemein war nicht einmal ich. Nach dem Training hatte ich noch eine Stunde Informatik und danach fuhr ich nach Hause.
Carters Sicht:
Ich hatte heute nicht gerade viel Unterricht und ich überlegte den Restlichen zu schwänzen, fuhr dann aber, meiner Mom zuliebe, doch noch mit dem Rad in die Schule. Ich stiefelte in meine geliebte Dunkelkammer und arbeitete ein wenig an den Jahrbuchfotos.
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"Ich hasse dich mehr."
RomanceKompliziert. Das war vielleicht gerade das richtige Wort, um Charlotte Hamptons und Carter Jones' Leben zu beschreiben. Herauszufinden dass der eigene feste/beste Freund schwul ist und Charlie ein ganzes halbes Jahr betrogen hat und das jetzt so zi...