Kapitel Dreizehn

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Carters Sicht:

Wie war das mit dem pünktlich kommen? Ich stand seit guten zwanzig Minuten vor meinem Haus und weit und breit war keine Charlie zu sehen. Nach ein paar weiteren Minuten bog ihr Mini um die Ecke und ich bereute es schon wieder sie gefragt zu haben, da ich nicht ihren wirklich lächerlichen Mini bedacht hatte.

Jetzt hatte sie auch noch die Dreistigkeit zu hupen. Ich stieg ein und sah sie genervt an: „Also wir müssen dir dringend mal die Uhr neu beibringen." Sie zuckte mit den Schultern: „Ich sagte pünktlich, das hier ist mein pünktlich." Ich verdrehte die Augen. Das einzig positive in ihrem Wagen war die Musik, weil schlicht und einfach Radio lief und keine abgedrehte Rapmusik.

Die Fahr verlief in peinlichem Schweigen und ich merkte, wie sie ein paar Mal zu mir herüberschielte. Ich seufzte: „Du willst etwas sagen?" Als ich aus dem Augenwinkel bemerkte, wie sie sich auf die Lippe biss, starrte ich lieber weiter aus dem Fenster. Ihre Stimme war seltsam leise: „Kommt es nicht irgendwie komisch, wenn du mit mir an der Schule aufkreuzt?"

Ich sah sie an und versuchte mir ein nettes Lächeln abzuringen: „Wir sind die Freaks. Komischer geht's nicht." Ich war sogar erstaunt, als sie leise lachte. Dann sagte sie wieder etwas leiser: „Es tut mir übrigens leid." „Was?" „Dass ich dir diesen Titel gegeben habe." „Meine Güte, Charles, übertreib es nicht mit deinen Entschuldigungen. Da muss ich ja fast schon kotzen." Wir lachten beide, ein wenig verhalten.

Als wir in den Schulparkplatz einbogen, sahen wir vor uns eine große versammelte Menschenmenge, fast war ich erleichtert, dass niemand uns zu beachten schien, aber Charlie achtete nicht mehr auf den Weg, sondern starrte nur noch auf die Menge und murmelte leise: „Jasper." Ich runzelte die Stirn.

Und dann stutzte ich, als sie ihr Auto einfach abwürgte und ausstieg, sie rannte fast auf die Menschenmenge zu. Ich fluchte und stieg auch aus und eilte ihr hinterher. Ich erkannte, wie sie sich durch die Menge drängelte und ich tat es ihr gleich. Wir bekamen ein paar neugierige Blicke ab, aber ich konzentrierte mich auf Charlies wehendes Haar.

Als wir im inneren Kreis angekommen waren, sahen wir die große Attraktion. Vor uns stand Jaspers schwarzer Jeep und auf ihm stand mit roter Farbe ganz fett auf der Kofferraumtür: SCHWUCHTEL. Ich sah zu Charlie und sah, dass sie in die Mitte gelaufen war und mit offenem Mund den Wagen anstarrte. Dann drehte sie sich um und der mörderische Blick in ihren Augen ließ mich beinahe zurückweichen.

Sie fuhr die Menge an: „Wer war das?" Ein paar lachten, ein paar schauten Charlie ehrfürchtig an. Sie schrie jetzt: „WER WAR DAS?" Lucas trat nach vorne und ich sah ihn schockiert an. Lucas? Fußvolk-Lucas? Lucas sah Charlie an: „Das verdient das Arschloch doch. Nachdem er sich aufführt, als wäre er der King und hallo, Charlie, hab ich dir nicht einen Gefallen getan, nachdem er dich wie scheiße behandelt?"

Ich sah die Tränen in Charlies Augen und hatte plötzlich den Drang mich vor sie zu stellen, aber das würde böse enden. Charlie sah Lucas leer an: „Nein. Nein. Nein. Lucas, nur weil er so ist, musst du auch nicht so sein, okay? Sag ihm meinetwegen deine Meinung vollkommen in die Fresse, aber beleidige bitte nicht das wofür er überhaupt nichts kann, okay?"

Lucas trat einen Schritt näher an sie heran und ich zuckte kurz nach vorne. „Bist du etwa auch eine kleine Schwuchtel? Würde mich ja nicht wundern." Charlies Stimme war nicht wütend, nur müde: „Hier ist niemand eine Schwuchtel." Lucas lachte: „Du Schwuchtel." Ihre Stimme hob sich gewaltig: „Du Hetero." Lucas sah sie amüsiert an: „Mehr hast du nicht drauf, du Stück Scheiße." Das reichte. Ich trat neben sie. Lucas lachte nur noch lauter: „Hast du dir jetzt etwa den Freak gekrallt?"

Meine Stimme triefte vor Wut: „Besser einen Freak als ein Arschloch." Lucas' Blick wurde kalt und er kam noch einen Schritt näher: „Ihr beide seid sowas von untendurch. Ihr seid Freaks, denkt ihr da könnt ihr irgendetwas verändern und..."

"Ich hasse dich mehr."Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt