1 ~ Rettungsring

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~ Ich glaube ohne dich würde ich untergehen. Du bist sowas wie...mein Rettungsring.~

* Lana *

Flora und ich machten uns auf den Weg zum See. Es war unglaublich schönes Wetter und wir hatten beschlossen eine Fahrradtour zu machen. Die Sonne strahlte uns in das Gesicht während wir in die Pedale traten und die Landschaft betrachteten. Es war ohne Frage wunderschön in unserer Umgebung, die wir hier in Kranj hatten.

"Puuuh, ist das warm.", hechelte Flora während wir einen Berg hochliefen und die Räder hinauf schoben, da es sonst zu anstrengend wäre. Um uns herum fuhren Traktoren auf den Feldern und ab und an schwirrte eine Fliege um unsere Köpfe, doch das störte uns nicht. Den ganzen Weg über hoffte ich, niemanden zu treffen, vorallem keinen Prevc. Heute wollte ich an nichts denken und den Kopf freibekommen, denn das fiel mir in letzter Zeit unglaublich schwer.
Wir fuhren extra an eine abgelegene Stelle des Sees um unter uns zu sein. Der Sand war hier noch weich und das Wasser klar. In der Mitte gab es eine kleine Insel mit drei Bäumen. Auf einem der Bäume war ein Baumhaus aufgebaut von welchem eine Schaukel hinunterhing.

Ich erinnerte mich noch genau daran, wie Domen und ich einmal hier gewesen waren. Es war das erste Mal, dass wir an diesem Ort gewesen waren.
"Hier ist eigentlich nie was los. Ich komme gerne her... um meine Ruhe zu haben." Hatte er gesagt und mich unsicher angeschaut. Und dann hatte er mich einfach über seine Schulter genommen und war in das klare Wasser gerannt. Wenigstens hatte er die Höflichkeit besessen mir auf dem Weg die Schuhe auszuziehen und in den Sand zu werfen. Und dann saßen wir mit klatschnassen Sachen auf der kleinen Insel in der Mitte des Sees und schwiegen. Wir mussten nicht viel sagen um uns zu verstehen. Zumindestens vorher nicht.
Seitdem wir dreizehn sind, waren wir befreundet und erst dort war er aufgetaut, nach drei Jahren.

Ich schüttelte den Kopf, denn ich wollte nicht an ihn denken. Er war schon ewig nicht mehr hier gewesen, denn er ging mir aus dem Weg. Er mied mich so gut er konnte und das tat verdammt weh. Außerdem war das Gras nich abgetreten und der Schleichweg zugewachsen, es gab keine Spuren davon, dass jemals jemand hier gewesen war. Seit fast zwei Jahren hatten wir kein Wort mehr miteinander geredet.

Er saß nun neben Leja, die einst meine beste Freundin war. Keiner wusste, ob sie ein Paar waren oder nicht, obwohl sie immer aufeinander hockten. Früher war er mein Banknachbar gewesen und wir waren ein unzertrennliches Team. Wir tauschten unser Essen, schrieben voneinander ab und quatschten viel. Außerdem saßen wir im Bus immer nebeneinander und lernten oft zusammen. Doch irgendwie, hatte sich alles verändert. Domen sah mich nicht einmal mehr an. Er tat so als würde ich nicht existieren.

"Lana?"fragte Flor und riss mich aus meinen Gedanken.
"Hm, was?"fragte ich.
"Entschuldigung."fügte ich hinzu und meine beste Freundin seufzte.
"Lass uns in das Wasser gehen." Lächelte sie.

Es war angenehm das kühle Wasser zu spüren, schade nur, dass es die Gedanken an Domen nicht wegspülte.
Denn es schmerzte unglaublich, seinen besten Freund immer mehr davontreiben zu sehen. Er verschwand vor meinen eigenen Augen und ich konnte nichts dagegen tun.

"Lana?" Hatte er eines Abends gefragt als wir auf einem Felsen saßen und hinunter in den Steinbruch schauten, in dem sich die Sterne spiegelten.
"Ich glaube ohne dich würde ich untergehen. Du bist sowas wie...mein Rettungsring." Hatte er gesagt und danach war er in sein übliches Schweigen zurückgekehrt.

Und ich hatte Angst, dass er nun untergehen würde. Wie jeder Mensch hatte auch Domen seine Probleme, nur behielt er diese für sich und wenn er darüber sprach, musste man ganz genau hinhören um zu verstehen, was er sagte. Domen hatte einen Drang dazu sich in Rätseln auszudrücken und ich hatte es mir zur Aufgabe gemacht, diese zu lösen. Nun aber sollte ich mich nicht mehr darum kümmern, er hatte ja nun andere Freunde.

Ich musste mich auf das hier und jetzt konzentrieren. Es war nur noch ein Jahr bis ich meinen Abschluss in der Tasche hatte. Es wäre leichter, wenn ich ihn nicht mehr jeden Tag sehen müsste. Wenn ich nicht Tag für Tag an meinen besten Freund erinnert wurde.

Flora und ich machten noch ein paar coole Bilder, ehe wir nach Hause fuhren. Obwohl morgen Schule war, würde Flor heute bei mir übernachten. Zusammen mit meiner Familie grillten und lachten wir, während wir den Sommertag ausklingen ließen. Ich saß auf der Hollywoodschaukel und erinnerte mich an die Sommertage, an denen ich hier mit Domen saß. Ja, Domen war wie ein Familienmitglied gewesen und meine Eltern liebten ihn. Er war immer ein willkommener Gast und durfte kommen, wann er wollte.

Irgendwann entschuldigten Flora und ich uns und gingen in mein Zimmer. Während Flora duschte und sich fertigmachte, schaute ich aus dem Fenster. Hinter dem Wald konnte man die Straßenlaterne vor dem Haus der Prevcs leuchten sehen. Domen fehlte mir. Er fehlte mir jeden beschissenen Tag. Als er ging atte es sich so angefühlt als hätte man mir plötzlich jegliche Luft zum Atmen geraubt. Und nun musste ich lernen ohne ihn klarzukommen.

Er war nicht mehr da, um meine Tränen zu trocken. Niemals würde er vor meiner Tür sitzen und sich für sein Verhalten entschuldigen. Nie wieder würde er mit mir in den Sternenhimmel schauen, mich umarmen, mit mir lachen. Nie wieder würde ich neben ihm aufwachen können, denn Domen war nicht mehr Domen. Er war nicht mehr mein Domen.

Don't Let Me Down • {Domen Prevc}Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt