Xayra
Lügen können Kriege in Bewegung setzten, Wahrheiten hingegen können ganze Armeen aufhalten.
-Otto von Bismarck
„Wo warst du solange?" höre ich die strenge Stimme meines Vaters fragen, sobald ich das Haus betrete.
„Ich war auf diesem Ball, dass weisst du doch." antworte ich. Skeptisch blickt er an mir runter. Ich trage ein Oberteil und eine Hose von Drake, da ich nicht in einem Ballkleid durch die ganze Stadt laufen wollte.
„Es wurde ziemlich spät, weshalb ich bei ihm übernachtet habe." erkläre ich ganz unschuldig, bevor der die Chance hat überhaupt nachzufragen. Er mustert mich kritisch und als er gerade etwas sagen will, kommt ihm ein Mann zuvor. „Wir bräuchten kurz deine Hilfe, Charles." sagt er und deutet hinter sich in Richtung des Wohnzimmers. Mein Vater nickt und der Mann verschwindet wieder.
„Wer ist das?" frage ich.
„Einer der Gruppenanführer von ausserhalb der Hauptstadt." antwortet Vater und reibt sich nachdenklich die Stirn.
„Nun gut, zieh dich um und komm danach ins Wohnzimmer. Wir besprechen unseren Angriff auf den König." Ich nicke und verschwinde schnell in mein Zimmer, bevor er doch noch mehr Fragen über letzte Nacht stellen wird.
Schon nur beim Gedanken daran, was gestern alles passiert ist, werde ich leicht rot. Es war wirklich schön und ich hätte es mir nicht besser vorstellen können... aber es ist definitiv nichts wovon mein Vater Bescheid wissen muss!
Ich suche mir ein einfaches, grünes Kleid aus meinem Kleiderschrank. Bevor ich es mir anziehe, wasche ich mir kurz im kleinen Badezimmer nebenan. Danach kämme ich noch meine Haare und gehe wieder runter.
Im Wohnzimmer sind unter vielen bekannten Gesichtern auch mehrere Menschen anwesend, die ich nicht kenne.
„Gut da wir nun vollzählig sind, können wir anfangen." verkündet mein Vater und alle versammeln sich um den Tisch in der Mitte des Wohnzimmers.
Als die ganze Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf meinen Vater gerichtet ist, fängt er an zu sprechen: „Wir wissen aus vertraulichen Quellen, dass der König einen Massenmord plant, indem er vor hat mehrere tausende Menschen aus dem Salix-Viertel umzubringen."
Kaum hat er diese Worte ausgesprochen, bricht im Raum eine komplette Unruhe aus. Viele rufen empört durcheinander und fuchtelt wild mit den Händen in der Luft herum. Einige laufen schockiert im Raum umher, andere setzten sich fassungslos auf die Sessel, Stühle und Sofas. Wiederrum andere bleiben stillstehen und wirken als seien sie in einer Art Starre.
„Ruhe, bitte!" ruft mein Vater über den Tumult hinweg und langsam beruhigen sich wieder alle einigermassen.
„Bist du dir sicher, Charles?" fragt eine junge Frau mit einer langen Narbe über ihrem rechten Auge.
„Ja, unser Informant ist sehr zuverlässig und an nächster Quelle." versichert er ihr. Die Frau scheint zufrieden mit dieser Antwort und auch einige andere nicken verstehend.
Mein Vater fährt fort: „Um diesen Massenmord zu verhindern, müssen wir gegen den König vorgehen und zwar so schnell wie nur möglich! Wir werden alle Truppen in die Hauptstadt ordern und in drei Tagen das Schloss angreifen und dabei den König endlich von seinem unrechtmässigen Thron stürzen." erklärt er die Kurzfassung des Plans. Die Anwesenden überlegen kurz und murmeln dann ihre Zustimmung.
„Da gibt es nur ein kleines Problem, Charles." meldet sich plötzlich ein Mann aus der Menge heraus.
„Und was wäre dieses Problem, Gunnar?" will mein Vater wissen.
„Nun ja die östlichen und nördlichen Einsatztruppen sind zu weit von der Hauptstadt entfernt, um diese in drei Tagen zu erreichen. Sie brauchen mindestens fünf, um die Berge zu durchqueren." erklärt der Mann, der offenbar Gunnar heisst. Nachdenklich fährt sich Vater über seine Stirn.
„Aber wir hätten immer noch die südlichen und westlichen Truppen plus die ganzen Spezialeinheiten und die Leute der Hauptstadt. Wir sollten das doch auch ohne die anderen Truppen schaffen." Meint Aubery, die Truppenleiterin der südlichen Einsatztruppe.
„Ich denke auch, dass wir ohne die zu weit entfernten Truppen klarkommen, immerhin haben wir das Überraschungsmoment auf unserer Seite. Wir können die königliche Garde einfach überrumpeln." stimmt ihr Albert, der Vize einer der Spezialeinheiten zu.
„Ja, wir werden sie einfach überrumpeln, bevor sie wissen wie es um sie geschieht." ruft einer, den ich zwischen all den anderen Rebellen nicht richtig sehen kann.
„Trotzdem wird das Risiko einer möglichen Niederlage grösser, wenn wir fast die Hälfte unserer Armee nicht dabeihaben. Schliesslich sind die nördlichen und östlichen Truppen die grössten." gibt Vater zu bedenken.
„Aber vielleicht haben wir gar keine andere Wahl, als ohne die Truppen anzugreifen. Dr- eh ich meine unser Informant meinte doch, dass der König seinen hirnrissigen Plan schon bald umsetzt. Nun wir haben den Verräter ausgeschalten und das könnte den König dazu treiben, früher als geplant sein Ritual durchzuführen." sagt Margret aus einer Ecke des Zimmers heraus.
„Unser Informant würde uns mit Sicherheit informieren, wenn der König seinen Plan früher als erwartet umsetzt." erwidere ich.
„Aber was, wenn es dann zu spät ist? Was wenn wir zu diesem Zeitpunkt nicht bereit sind, sondern immer noch auf die Truppen warten?" fragt die Frau mit der Narbe im Gesicht.
„Ich denke genau gleich wie Nicole." Meint ein bärtiger Mann und deutet auf die junge Frau, die eben gesprochen hat.
„Wenn wir mit den Truppen angreifen, die rechtzeitig hier sind, haben wir schon mehr als genug, um die königliche Armee aufzuhalten. Auch wenn es gerade mal knapp die Hälfte unserer Kampfkraft ist, sollten wir nicht länger warte und den Plan in drei Tagen umsetzten." fährt er fort.
Ein paar nicken zustimmend.
„Lasst uns abstimmen." beschliesst mein Vater schliesslich.
„Wer ist dafür, dass wir frühestens in fünf Tagen angreifen und somit auf die Ankunft aller Truppen warten?" Einige heben die Hand. „und wer ist dafür, dass wir wie geplant in drei Tagen angreifen, aber dafür ohne die nördliche und östliche Einsatztruppe?" fragt er und eine deutliche Mehrzahl hebt die Hand.
„Nun gut, dann ist es entschieden. Informierten alle Einsatztruppen und bereitet euch auf den Kampf vor." befiehlt mein Vater.
„Werden wir dennoch den östlichen und nördlichen Truppen bescheid geben und sie in die Hauptstadt rufen?" frage ich, wofür ich einige verwirrte Blicke ernte.
„Wieso sollten wir das tun, wenn sie doch sowieso zu spät kommen?" will Aubery wissen. „Als eine Art Absicherung. Falls wir den König nicht besiegen können wir uns relativ schnell neuformieren und erneut zum Angriff ausholen und das sogar mit mehr Leuten. Zudem würden sie auch nützlich sein, falls wir gewinnen. Wir wissen nicht, was in dieser Schlacht passieren wird, aber auf jedenfalls müssen wir nach unserem Sieg aufräumen und dabei sind so viele Menschen überaus hilfreich." erläutere ich meine Überlegungen.
Mein Vater nickt zustimmend. „Gut dann will ich, dass die Truppenführer und Vize der nördlichen und östlichen Einheit, diese informieren und sie unverzüglich hier her befehlen." verkündet Vater. „Zum Schluss müsse wir noch unser genaues vorgehen besprechen." sagt er und greift nach der zusammengerollten Karte, die ihm Mitchell reicht.
„Also es wird folgendermassen ablaufen..."
Drei Tage haben wir uns alle auf das grosse Gefecht vorbereitet. Alle Truppen sind rechtzeitig abgekommen und gut versteckt im Wald einquartiert. Wir haben einige der Türme, Kanäle und Häuser beschädigt, die der König hat bauen lassen. So erhoffen wir uns, dass er sein irrsinniges Ritual verschiebt oder zumindest nicht vorverlegt.
Unsere verbündeten Schmieden haben in den letzten Tagen auf Hochtouren gearbeitet und uns somit mit genügend Waffen ausgerüstet, um gegen unseren Feind bestehen zu können.
Nun ist es so weit und wir stehen entweder getarnt in der Nähe des Schlosses oder im Wald, der an den Schlossgarten grenzt. Wir sind bereit, jedenfalls so weit es geht. Sobald mein Vater das Signal gibt, werden wir alle gleichzeitig losstürmen und das Schloss angreifen.
Ich blicke zu meiner rechten Seite und betrachte Drake, der neben mir in einer kleinen, dunklen Seitengasse nicht weit vom Schloss entfernt steht.
„Das ist deine letzte Chance, um doch noch umzukehren." teile ich ihm mit und blicke ihm ernst in seine Augen.
Sofort hat er wieder sein übliches Grinsen auf den Lippen.
„Ich werde dir folgen, Sonnenschein, auch wenn ich dabei sterben werde." meint er und man könnte denken, dass er das ganze hier nicht ernst nimmt.
Ich schnaube missbilligend auf.
„Solltest du es wagen hier und heute zu sterben, dann schwör ich dir, dass ich einen Weg finden werde dich wiederzubeleben, nur um dich danach eigenhändig noch einmal zu töten!" sage ich drohend und er weiss ganz genau, dass ich das machen würde.
„Keine Sorge, meine kleine süsse Rebellin. Ich bin zu schön, um zu sterben." Er zwinkert mir kokett zu, woraufhin ich nur die Augen verdrehe.
Was soll ich sagen? Er ist ein Idiot, aber falls ich heute sterben werde, dann nur mit ihm an meiner Seite...
Votes und Kommentare sind sehr erwünscht!
Wie fandet ihr das Kapitel?
Wie denkt ihr wirds weiter gehen? Werden sie den König besiegen?
Wegen der Lesenacht:
Ich hoffe ich kann sie nächstes Wochenende machen. Momentan fehlen mir leider noch 2 1/2 Kapitel und ich hoffe, dass ich sie bis dann geschrieben habe. Je nach dem wie viel ich mit der Uni zu tun habe wird das aber nichts. Ich werde euch auf jeden Fall noch informieren wann sie stattfindet. Ich glaube es werden 6 Kapitel sein, die ich entweder nächstes oder übernächstes Wochenende hochladen (ich war fleissig!)
Freut euch also auf das Ende von „Xayra"!
❤️❤️❤️
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Xayra
Teen FictionSie ist stur, zielgerichtet, vorausdenkend und pflichtbewusst. Sie ist eine Rebellin, die für die Freiheit gegen das Regime kämpft. Er ist sorglos, charmant, selbstverliebt und provokant. Er ist der Prinz des Königreiches. ...
