32. Verflucht

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Doch so schnell gab Draco nicht auf. Er lief Harry hinterher, der ihn nur böse musterte. Was wollte Draco noch von ihm? Harry war sich so sicher gewesen, dass Draco ihn verraten hatte, aber warum verhielt er sich dann so merkwürdig? Er hätte einfach sagen können, er hätte den Brief nie gesehen. Harry war einfach nur verwirrt und wusste nicht mehr was er glauben sollte. Er wollte glauben, dass Draco ihn nicht ausgenutzt hatte und das alles nur ein Missverständnis war. Das wollte er wirklich, doch alles sprach dagegen. Harry kannte die Handschrift von Lucius Malfoy. Er hatte schon einmal Briefe von diesen gelesen, als er im Malfoy Manor eingedrungen war und der Brief war zweifellos von seinem Vater geschriebenen worden.
"Hör auf mir hinterher zu laufen" zischte Harry ihn an.
"Erst, wenn du einsiehst, dass du wahnsinnig geworden bist."
"Ich bin nicht wahnsinnig du Verräter."
Draco funkelte ihn wütend an und hätte ihn in diesem Moment wahrscheinlich am liebsten verflucht.
"Pass auf was du sagst Potter."
"Warum? Es stimmt doch. Erst hast du die Todesser betrogen und jetzt mich."
"Ich weiß nicht was bei dir los ist, aber ich werde dir nicht alles verzeihen. Also pass auf was du sagst!"
"Das ist mir so egal!" rief Harry aus seiner Wut heraus.

Draco warf ihm als Antwort nur einem finsteren Blick zu und ging mit schnellen Schritten zurück zur großen Halle. Harry schaute ihn kurz hinterher, ging dann aber weiter. Als er die Wendeltreppe hoch ging und das Büro von McGonagall erreichte, klopfte Harry zaghaft an der hölzernen Tür.
"Herein" rief die Schuldirektorin.
"Guten Tag Potter, setzen Sie sie sich doch" begrüßte McGonagall ihn und zeigte auf den roten Samtsessel, der schon zu Dumbledores Zeit hier gewesen war.
"Wie kann ich Ihnen behilflich sein?" fragte sie als Harry sich gesetzt hatte.
"Sie sollten sich das hier durchlesen" sagte Harry knapp und reichte Professor McGonagall den zusammengefalteten Brief.
Sie nahm ihn entgegen und betrachtete ihn kurz.
"Ein Brief von Lucius Malfoy? Wo haben sie den her bekommen, wenn ich fragen darf."
"Ich hab ihn in Malfoys Zimmer gefunden."
McGonagall sah Harry skeptisch an. "Ich werde jetzt nicht fragen was Sie ihm Slytherin Kerker zu suchen hatten oder warum Sie Malfoy Briefe stehlen."
Harrys Wangen röteten sich leicht und er betrachtete beschämt seine Hände.
Sie überflog den Brief und ihre Augen weiteten sich als sie ihn zu Ende gelesen hatte.

"Die Todesser planen also einen erneuten Angriff auf Hogwarts" murmelte sie und schüttelte ungläubig den Kopf.
Einen Angriff auf die Schule? Davon stand doch nichts im Brief oder hatte er den Teil überflogen nach seinem Schock, dass Draco ihn verraten hatte?
"Und wie soll ich mich nun verhalten?"
"Nun, Voldemort hat Sie aus persönlichen Gründen töten wollen. Dem Brief nach zu urteilen, wollen sie Rache an uns allen, nicht explizit an dir. Wir werden aufjedenfall das Ministerium kontaktieren."
"Da müssen Sie was überlesen haben Professor. Im dem Brief stand doch, dass die Todesser eine neue Allianz gründen wollen und Malfoy mich ihnen ausliefern soll."
"Was meinen Sie Potter? Ihr Name wird kein einziges Mal erwähnt."
"Bei allen Respekt, aber das kann nicht sein. Könnte ich den Brief nochmals haben?"
McGonagall reichte Harry den Brief und er überflog ihn, bis er wieder zu der Stelle kam in der Lucius Malfoy Draco dazu aufforderte ihn auszuliefern.
"Hier Professor! Dort steht es" sagte Harry und zeigte auf die Zeile.
"Das kann nicht sein" murmelte sie nun auch und sah sich den Brief genauer an.
Sie runzelte ihre Stirn und legte ihn wieder beiseite, nachdem sie ihn ein zweites Mal gelesen hatte.
"Folgen Sie mir bitte. Ich denke wir müssen etwas überprüfen."

Etwas verwirrt stand Harry auf und verließ zusammen mit Professor McGonagall ihr Büro. Sie gingen die große Wendeltreppe zu den Kerkern hinab und blieben vor dem Zaubertränke Klassenraum stehen.
"Professor Jones?" McGonagall klopfte an der Tür und betrat den Raum, als sie die krächzige Stimme des Zaubertrank Lehrers hörte.
"Ah Professor McGonagall . Ich hätte noch eine Frage zum Schulplan für nächste Woche. Wann-"
"Lesen Sie bitte den Brief und sagen Sie mir was darin steht."
Professor Jones sah sie verwundert an. Nahm dann aber den Brief entgegen.
"Lucius Malfoy? Der Lucius Malfoy, der gerade aus Askaban geflohen ist?"
"Das werden wir später klären. Wir müssen etwas überprüfen, lesen Sie bitte den Brief und sagen Sie mir was drin steht."
Professor Jones griff nach seiner Brille und begann zu lesen, als er fertig war weiteten sich seine Augen und er sah ängstlich aus. Einen Gesichtsausdruck, den Harry zuvor nie bei ihm gesehen hatte.
"Ich muss mit meiner Frau sprechen."
"Was stand in dem Brief?"
"Lucius Malfoy hat sich mit den verblieben Todessern verbunden. Sie wollen nicht, dass ihr Blut weiter beschmutzt wird und eliminieren Muggel, die in Kontakt mit uns Zauberern stehen. Meine Frau ist ein Muggel! Ich muss sofort zu ihr und sehen, ob es ihr gut geht!"
McGonagall sah nicht beunruhigt aus, sondern nickte nur wissend. Im Gegensatz zu Harry, der nichts mehr verstand.
"Machen Sie sich keine Sorgen."
"Ich soll mir keine Sorgen machen?" fragte er ungläubig. "Meine Frau ist vielleicht in Gefahr!"
"Wie ich es mir gedacht habe. Der Brief ist verflucht mit uralter dunkler Magie, deshalb habe ich es auch nicht sofort bemerkt" sagte die Schulleiterin an Harry gerichtet.
"Und das bedeutet?" fragte Harry unsicher.
"Er zeigt nur dem wahren Empfänger des Briefes seinen Inhalt. Andere, deren Augen nicht für den Inhalt bestimmt waren, sehen ihre schlimmste Befürchtung, die ihnen in Sinn kommt, wenn sie an den Absender denken."
"Also stimmt nicht was im Brief steht?" fragte Harry nach langem schweigen.
"Davon gehe ich aus. Zumindest nicht was wir gelesen hatten. Der Brief ist an Malfoy adressiert worden, was darauf schließt, dass nur er den wahren Inhalt des Briefes kennt."

Harry schaute sie geschockt an und musste erst verarbeiten, was er eben gehört hatte. Das konnte doch nicht wahr sein. Warum hatte er nur diesen verdammten Brief gefunden? Warum hatte er nicht zuerst mit Draco gesprochen, bevor er ihn verurteilt hatte? Warum hatte er ihm nicht einfach vertraut? So viele Fragen schwirrten in seinem Kopf auf die er keine Antwort wusste. Harry schaute schuldbewusst und dachte an Draco, der ihn so wütend angestarrt hatte. Das würde er ihm nicht verzeihen.
"Scheiße" murmelte Harry, als ihm bewusst wurde was er getan hatte.
"Achten Sie auf ihre Ausdrucksweise, junger Mann" tadelte McGonagall und sah Harry streng an.
"Tut mir leid" rief Harry und lief aus dem Klassenraum.
Er musste mit Draco sprechen. Alles erklären und hoffen, dass er ihm irgendwie verzeihen konnte.

Second Chance | DrarryWo Geschichten leben. Entdecke jetzt