"Wo warst du?" fragte Hermine, als Harry zum Gryffindor Turm zurück kam.
"Du warst auf einmal weg, nachdem wir im Gemeinschaftsraum waren."
"Im Slytherin Kerker."
"Hast du mit Mal- Draco gesprochen?"
"Ja."
"Wie ist es gelaufen?" fragte sie und schaute ihn neugierig an.
"Ich will nicht darüber reden" sagte Harry emotionslos und setzte sich neben sie.
"So schlimm?"
"Ja" erwiderte Harry und wich ihren Blick aus.
"Vielleicht war er einfach nur überfordert. Sein Vater ist gerade aus Askaban geflohen."
"Es spielt keine Rolle mehr. Es war ein Fehler sich mit ihm anzufreunden."
Für Harry war es kein Fehler gewesen sich mit Draco anzufreunden, doch er war verletzt und seine Enttäuschung sprach aus ihm. Insgeheim hoffte er, dass Hermine recht hatte und Draco einfach überfordert gewesen war. Aber selbst wenn es so wäre, schien Draco nicht das gleiche zu empfinden wie er selbst. Er sollte eigentlich wütend sein. Draco hatte mit ihm gespielt und war danach auf seinen Gefühlen herumgetrampelt, doch er war es nicht. Harry fühlte sich als hätte er seit Wochen nicht geschlafen und war einfach todmüde. Alles was gerade wollte, war sich in sein Bett zu legen und zu schlafen.
Beim Abendessen war von Harrys guter Laune nichts mehr übrig gewesen und er stocherte deprimiert in seinem Essen rum.
"Alles in Ordnung?" fragte Ron vorsichtig.
"Ich bin einfach müde" antworte Harry. Es war immerhin keine Lüge er war wirklich müde.
Plötzlich wurde die Tür zur großen Halle ruckartig geöffnet und zwei Männer mit Auroren Uniform traten ein. Der ältere der beiden, ein Mann um die vierzig, sah bedrohlich durch die Halle als würde er jemanden suchen.
"Draco Malfoy? Wir bitten Sie sich zu erheben und mitzukommen. Wenn sie nicht freiwillig kommen, fühlen wir uns gezwungen Gewalt anzuwenden."
Der jüngere Auror mit den blonden Haaren zog seinen Stab heraus und richtete ihn auf Draco.
Professor McGonagall sprang ruckartig von ihren Stuhl auf und funkelte die beiden wütend an.
"Was fällt ihnen ein einfach so in meine Schule einzubrechen und einen Schüler zu bedrohen!" rief sie aufgebracht und ging auf die Männer zu.
"Es wird nicht lange dauern, wenn der Junge unschuldig ist, kommt er morgen wieder pünktlich zum Unterricht."
McGonagall schien nicht überzeugt zu sein und wollte gerade etwas erwidern, als Draco sie unterbrach.
"Es ist schon okay." sagte Draco und erhob sich.
Er musterte die beiden Auroren überheblich.
"Sorgen Sie dafür, dass sie nicht zu lange meine Zeit verschwenden."
Der Auror mit den grauen Haaren packte ihn grob am Arm und sie verließen die Halle so schnell, wie sie sie betreten hatten.
Als die Tür zufiel brach Getuschel in der Halle aus, die eben noch mucksmäuschenstill gewesen war.
"Was hat er jetzt wieder gemacht?"
"Glaubt ihr es ist wegen ihr wisst schon wem?"
"Er hat bestimmt seinen Vater bei der Flucht geholfen!"
"Ich hoffen er kommt jetzt endlich nach Askaban."
Harry hatte das Gerede satt, keiner von ihnen kannte Draco richtig und trotzdem verurteilten sie ihn alle. Er war zwar selbst noch sauer, doch trotzdem tat Draco ihm leid. Sie würden wahrscheinlich Veritaserum an ihn verwenden und Harry hoffte, dass er nichts sagte, was ihn belasten könnte.
"Weißt du warum sie Malfoy mitgenommen haben?" fragte Ron neugierig.
"Sie befragen ihn wahrscheinlich über die Flucht von seinem Vater. Aber das ist absurd er war die ganze Zeit in Hogwarts, wann hätte er denn bei der Flucht helfen sollen?"
"Ich glaube auch nicht daran" sagte Hermine nachdenklich.
"Wir werden es spätestens morgen erfahren entweder von ihm oder vom Tagespropheten."
Harry betrat mit Ron und Hermine den Klassenraum. Draco war noch nicht da. Beim Frühstück hatte er ihn auch nicht gesehen. Was war, wenn Draco doch schuldig war und nicht mehr zurück kommen würde? Das wollte Harry sich nicht mal vorstellen, er glaubte nicht daran das Draco ihn angelogen hatte. Wobei er in letzter Zeit gemerkt hatte, wie oft sein Urteilsvermögen ihn in Stich gelassen hatte. Professor Jones betrat den Unterricht und schrieb gleich das Rezept für den Trank an die Tafel, welchen sie heute brauen würden. Umso mehr Zeit verging umso geringer wurde Harrys Hoffnung, dass Draco noch kommen würde. Die Auroren hatten gesagt, er käme pünktlich zum Unterricht, wenn er unschuldig wäre. Er war schon fast eine Stunde zu spät. Als er gerade dabei war Allaugen zu pürieren, öffnete sich die Tür und Draco betrat den Raum. Alle Augen waren auf ihn gerichtet, doch keiner wagte es ihn anzusprechen. Normalerweise hätte Professor Jones ihn eine Predigt über Pünktlichkeit gehalten, doch da er gestern dabei war, als Draco abgeführt wurde, ließ er Dracos späte erscheinen unkommentiert stehen.
Draco setzen sich neben Harry auf seinen Platz und holte sein Buch aus seiner Tasche.
Harry wollte ihn am liebsten über sein Treffen mit den Auroren ausfragen, doch Draco hatte ihn gestern deutlich gemacht, dass er nichts mehr mit ihm zu tun haben wollte. Dabei hatte er nicht nur Harrys Gefühle sondern auch seinen Stolz verletzt, weshalb er jetzt auf keinen Fall den ersten Schritt machen wollte. Deshalb saßen die beiden schweigsam nebeneinander und bereiteten den Trank vor.
"Gibst du mir dein Messer?" fragte Draco plötzlich ohne ihn anzusehen.
"Hol es dir doch ein eigenes Malfoy."
Das war das erste mal seit Wochen, dass Harry ihn Malfoy genannt hatte und es fühlte sich falsch an ihn mit seinem Nachnamen anzusprechen.
Draco antwortet nicht und stand auf, um sich von Professor Jones ein Messer zu holen.
Harry fing an seine Worte zu bereuen. Er wollte sich eigentlich mit Draco aussprechen. Er wollte nicht, dass es wieder wie früher zwischen ihnen wurde.
Doch Draco sprach ihn nicht mehr an und Harry schwieg ebenfalls.
So ging die Stunde weiter ohne, dass die beiden sich nur eines Blickes würdigten.
Als der Unterricht endlich vorbei war, wollte Harry gerade gehen als Draco ihn aufhielt.
"Warte. Können wir reden?" fragte Draco plötzlich und sah Harry eindringlich an.
"Warum? Du hast dich gestern schon deutlich gemacht" antwortete Harry knapp. Harry wusste nicht warum er jetzt so reagierte. Das war doch was er wollte, sich mit ihm aussprechen. Aber er wollte auch nicht, dass Draco dache er könnte alles mit ihm machen, ohne dass Harry wütend wurde.
"Es dauert auch nicht lange Potter."
"Tut mir leid. Potter hat keine Lust mit dir zu reden."
"Sei nicht so stur Harry."
Draco packte ihn am Arm und zog ihn mit sich. Er hielt in einem leeren Klassenraum an und ließ Harry dann wieder los.
Als Draco gerade den Mund aufmachen wollte, unterbrach Harry ihn.
"Ich hab es verstanden. Du musst es nicht nochmal sagen."
"Was glaubst du denn was ich sagen will?"
"Das Samstag eine einmalige Sache für dich war und ich dich nie wieder ansprechen soll?"
"Du bist so dämlich. Ich wollte mich nur bei dir entschuldigen" sagte er und fuhr sich nervös durch die Haare.
"Wofür genau?"
Harry wusste wie unangenehm Draco Entschuldigungen waren, aber nachdem er ihn gedemütigt hatte, wollte er eine richtige Entschuldigung.
"Harry, ich hatte gerade erfahren, dass mein Vater aus Askaban geflohen ist und dann kommst du auf einmal und sagst mir, dass du mich magst. Das war mir einfach alles zu viel."
"Ist schon okay. Du hattest recht. Ich sollte dich von nun an wirklich in Ruhe lasse" sagte Harry kalt.
"Was? Warum?"
Draco hatte nicht mit dieser Antwort gerechnet und starrte Harry perplex an.
"Wir streiten uns doch eh die ganze Zeit. Das ganze macht wahrscheinlich keinen Sinn."
"Wie du meinst Potter" antwortete Draco kalt.
"Gut, dann kann ich ja gehen. Ich wollte noch mit Ginny in die Bibliothek" log Harry.
"Dann hatte die rothaarige Ratte also recht" murmelte Draco wütend.
"Womit?" fragte Harry neugierig.
"Sie meinte, dass ihr bald wieder zusammen kommt."
Harry runzelte die Stirn. Er würde sicherlich nicht wieder mit ihr zusammen kommen und er hatte ihr oft genug gesagt sie solle Draco inruhe lassen.
Doch er fuhr sein Schauspiel fort. Er wollte wissen, ob Draco ihn vielleicht doch mochte und wusste keinen anderen Ausweg, als zu versuchen ihn eifersüchtig zu machen. Er wusste, dass das kindisch war, aber ihm fiel nichts besseres ein. Nochmal würde er ihn jedenfalls nicht seine Gefühle gestehen. Das ließ sein Stolz nicht zu.
"Wann war das? Egal ich frag sie einfach gleich."
Harry wollte gerade den Raum verlassen, als Draco seinen Arm festhielt.
"Was ist?" fragte er Draco mit einer gespielt gleichgültigen Miene.
"Geh nicht zu ihr."
"Warum nicht?"
"Du bist ein verdammter Idiot Potter. Erst sagte du mir, dass du mich magst und dann überlegst du es dir auf einmal anders und gehst zu deiner bescheuerten Ex Freundin."
"Bist du eifersüchtig Malfoy?"
"Hör auf mich Malfoy zu nennen und warum sollte ich eifersüchtig auf eine Blutsverräterin sein?"
"Dann kann ich ja gehen."
"Nein, bleib hier" sagte er und versperrte ihm den Weg.
Harry wollte gerade etwas sagen, als Draco seine Lippen auf Harrys legte.
Er erwiderte den Kuss und so standen sie einige Minuten bis Draco sich plötzlich von ihm löste. Harrys Plan war diesmal aufgegangen. Doch das es so gut laufen würde, hätte er nicht gedacht.
"Du hattest nie vor mit Ginny in die Bibliothek zu gehen oder?" fragte Draco nach einer Weile leicht beschämt.
"Nein" antwortete Harry und grinste.
"Du hast mich manipuliert? An dir ist ein hervorragender Slytherin verloren gegangen" sagte er und schüttelte ebenfalls grinsend den Kopf.
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Second Chance | Drarry
FanfictionNach dem Kampf müssen die Schüler nochmal zurückkehren, um das siebte Schuljahr zu wiederholen. Harry will nur ein ruhiges letztes Jahr in Hogwarts verbringen und sein Trauma hinter sich lassen. Doch dann nähert er sich Draco Malfoy, seinem ehemalig...
