5. Neue Freundschaften

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Harry machte sich auf den Weg zum Gemeinschaftsraum, als Ginny ihm entgegen kam.
"Hast du deinen Bruder gesehen?" fragte Harry sie.
"Welchen?" fragte Ginny und zog die Augenbraue nach oben.
"Ron ist mit Hermine in den Wald gegangen. Sie wollten Hagrid besuchen. Du warst ja schon dort" fügte sie grinsend hinzu.
Harry bedankte sich und wollte gerade weiter gehen, als Ginny ihn aufhielt.
"Hast du schon eine Begleitung für die Schulfeier am Sonntag? Ich meine wir können ja einfach als Freunde hin."
Harry entging nicht, dass sie nervös an ihrer Lippe kaute. Ein unangenehmes Schweigen bereitete sich aus. Er konnte sich beim besten Willen nicht erinnern, dass eine Schulfeier anstand und das gerade mal nach einer Schulwoche.
Ginny deutete seine verwirrte Mimik und erklärte, dass die Lehrer dies geplant hatten, um den Schülern eine schönere an Rückkehr nach Hogwarts zu bereiten. Damit das Schloss endlich wieder mit glücklichen Erinnerungen gefüllt wurde.
"Klar, können wir zusammen hin."
Auch wenn seine Gefühle sich verändert hatte war sie ihm immer noch sehr wichtig. Er wollte Ginny nicht komplett verlieren, dafür hatten sie zu viel miteinander durchgestanden. Außerdem wusste Harry, dass sie enttäuscht wäre, wenn er sie nicht begleiten würde. Und ein kleiner Teil von ihm hatte noch immer ein schlechtes Gewissen nach der Trennung.

Am nächsten Tag hatten Harry und Malfoy wie erwartet eine gute Note für ihren Trank bekommen.
"Willst du dich nicht bedanken Potter? Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich den Trank gemacht" fragte Malfoy gut gelaunt. Es war merkwürdig ihn lächeln zu sehen, ohne die Ironie und zusammengekniffenen Augen.
Harry war aber ebenfalls in beste Stimmung und bedankte sich übertrieben mit einer angedeuteten Verbeugung.

Nach der letzten Unterrichtsstunde, ging Harry mit seinen Freunden zum Speisesaal.
"Ich bin am verhungern" jammerte Ron als das Trio gerade die Treppe runterging.
Als sie ankamen, wartete das Essen glücklicheren schon auf sie. Harry verfluchte bereit den Tag an dem er die Schule beendete und jeden Tag selbst kochen musste.
Die drei setzen sich an den Gryffindor Tisch gegenüber von Seamus und Dean und fingen an zu essen.
"Habt ihr schon von dem Schulfest am Sonntag gehört? Was für eine bescheuerte Idee." sagte Ron während er dabei war sich noch mehr Kartoffeln auf den Teller zu befördern.
"Natürlich" antwortete Hermine. "Du hast mich noch garnicht gefragt, ob ich mit dir hingehe."
Ron schluckte schnell sein Essen runter. " Hermine Jean Granger, würdest du mir die Ehre erweisen mich auf den Schulfest zu begleiten?" Hermine tat kurz so als würde sie überlegen, sagte dann aber zu. Er hoffte für die zwei das Ron sich in der Zeit einen neuen Umhang gekauft hatte.
"Was ist mit dir Harry? Mit wem gehst du hin"? fragte Seamus.
"Ginny."
"Ginny? Habt ihr euch nicht getrennt?" fragte Dean überrascht.
Es war offensichtlich, dass Dean absolut nicht begeistert von der Idee war. Immerhin war er vor einigen Jahren Ginnys fester Freund gewesen und Harry hatte das Gefühl, dass er nie wirklich über sie hinweg gekommen war.
"Wir gehen als Freunde" sagte Harry schnell, er wollte Dean nicht verletzen. Auch wenn sich sich nicht besonders nahe standen.
"Glaubst du das ist eine gute Idee?" flüstert Ron zaghaft.
"Ich glaub sie mag dich noch."
"Unsere Trennung war nicht einseitig, Ron. Sie hatte auch keine Gefühle mehr für mich."
"Du bist echt naiv Harry. Du kennst Ginny doch. Sie will immer stark sein."
Harry bekam augenblicklich ein noch schlechteres Gewissen. Er hatte nicht wirklich darüber nachgedacht wie es Ginny nach der Trennung ging. Er hatte nur an sich selbst gedacht.
"Ich rede später mit ihr" sagte er und hoffte, dass jemand das Thema wechselte. Es war zu persönlich.
"Habt ihr gehört was heute bei den Slytherins passiert ist"? fragte Seamus als ob er Harry's Gedanken gelesen hatte.
"Nein, interessiert mich auch nicht wirklich"
"Erzähl schon" rief Ron neugierig
"Malfoy und Goyle haben sich Flüche an den Hals geworfen. Ich hab gehört wie Zabini erzählt hat, dass Malfoy komplett ausgerastet ist."
"Warum das?" fragte Harry, den es merkwürdig vorkam, dass Malfoy ausgerastet sein sollte. Er hatte auf Harry in den letzen Tagen einen eher ausgeglichen Eindruck gemacht. Für seine Verhältnisse zumindest.
"Keine Ahnung, aber es war wohl ziemlich heftig, die beiden mussten zum Schulbüro
und zum Essen sind sie auch nicht gekommen."
Harry blicke sich um und tatsächlich konnte er die beiden nicht entdecken.
"Hoffentlich fliegt Malfoy dafür von der Schule."
"So schlimm ist er garnicht mehr."
"Wieso nimmst du ihn in Schutz Harry?"
"Tue ich nicht. Er tut mir nur irgendwie leid. Er hatte es auch nicht ganz einfach bei der Familie."
"Du brauchst kein Mitleid mit Todessern zu haben, erinnerst du dich daran was er alles getan hat?"
"Beruhige dich Ron" mischte Hermine sich nun auch ein. "Menschen verändern sich."
"Seid ihr jetzt alle im Malfoy Fanclub?" fragte Ron und verließ aufgebracht seinen Platz.
"Ich glaube, ich sollte ihm lieber nach" sagte Hermine lief hinter Ron nach.

Harry hatte mittlerweile aufgegessen und verließ auch den Speisesaal. Doch anders als Hermine, hielt es Harry für die beste Idee Ron erstmal in Ruhe zu lassen. Er kannte seinen besten Freund und wusste wie aufbrausend dieser sein konnte.
Also ging er alleine zurück zum Schlafsaal, zog sich eine Jacke an und machte sich auf den Weg nach draußen. Er konnte nach dem Streit mit Ron etwas frische Luft gebrauchen. Gerade als er das Schulgebäude verließ und zum See gehen wollte, kam ihm plötzlich Malfoy aus dem verbotenen Wald entgegen. Was hatte dort gemacht?Malfoy hatte immer Angst vor dem Wald gehabt, auch wenn er dies nie zugeben würde. Als der Slytherin Schüler näher kam, erkannte Harry, dass seine Augen rot und geschwollen waren, so als ob er geweint hätte. Außerdem hatte er ein blaues Auge und seine Lippen blutig und aufgeplatzt. Malfoy erkannte ihn auch und fluchte leise. Er beschleunigte seinen Gang um schnell an ihn vorbei zukommen, dabei stolperte er über seinen Umhang und fiel mit der Schulter auf den kalten Steinboden.
"Alles Okay?" fragte Harry und hielt ihm eine Hand hin.
Er überlegte kurz und griff dann aber doch nach Harry's warmer Hand.
"Wie erbärmlich" flüsterte Malfoy. "Erst lass ich mich von Goyle so zurichten und dann hilft mir auch noch Saint Potter."
"Was war da eigentlich zwischen dir und Goyle?"
"Geht dich nichts an Narbengesicht" zischte er.
"Was ist dein Problem"? fragte Harry genervt. Er hatte eigentlich gedacht, dass sie die andauernde Feindseligkeit hinter sich gelassen haben .
"Was mein Problem ist?" fragte Malfoy wütend und guckte Harry verbittert an.
"Du bist mein Problem, du wolltest meine Freundschaft nicht, du denkst doch du wärst etwas besseres, weil du der verdammte Auserwählte bist."
"Ich tue so als wäre ich was besseres?" fragte Harry ungläubig. Malfoy war derjenige der dachte er wäre mehr wert, weil er aus einer reinblütigen Familie kam. Harry hatte nie darum gebeten der Auserwählte zu sein. Nicht davon hatte er gewollt. Und Dank seiner Tante und seinem Onkel hatte seit seiner Kindheit mit Minderwertskomplexen zu kämpfen. Harry konnte nicht glauben, dass gerade Malfoy ihm Arroganz vorwarf.
"Und wann hast du mir bitte eine Freundschaft angeboten? Das einzige was du gemacht hast, war mich und meine Freunde zu beleidigen."
"Vergiss es" sagte er und humpelte weiter.
"Warte, Malfoy!" rief Harry und lief ihm hinterher. Er wollte gerade etwas sagen als er Malfoy ins Gesicht sah, seine Augen glitzernden verdächtig und sein Mund war verzogen. Harry hatte ihn bis jetzt nur einmal weinen gesehen und das hatte kein gutes Ende genommen.
Malfoy starrte beschämt auf den Boden. "Mein Vater-"
Seine Stimme zitterte und es dauerte einen Moment bis er sich wieder fang.
"Er wird hingerichtet. Ich war so wütend und habe Goyle angegriffen. Er hat sich gewehrt und wir haben uns duelliert. Dafür, dass er so dumm ist, kann er ziemlich gut Flüche aussprechen."
Harry wagte es nicht etwas zu sagen. Das war das erste mal, dass Malfoy ihm etwas anvertraute und Harry wollte das nicht kaputt machen.
Malfoy starrte weiter auf den Boden und eine weitere Träne lief über seine Wange, die er schnell wieder weg wischte.
"Tut mir leid" sagte Harry nach langem schweigen. Das war gelogen. Lucius Malfoy hatte den Tod verdient und es tat ihm eigentlich nicht leid, dass dieser sterben würde. Aber Malfoy tat ihm leid. Harry wusste wie es war die Eltern zu verlieren, auch wenn er sich nicht mehr an sie erinnere.
"Das muss es nicht. Eigentlich wollte ich immer, dass er endgültig aus meinem Leben verschwindet. Aber er egal was er er getan hat, er ist mein Vater" sagte er ruhig und wischte sich mit dem Ärmel übers Gesicht.

Sie schwiegen wieder und Harry war sich unsicher was er antworten sollte.
Sollte er ihn trösten? Ihn an die Schulter fassen und sagen, dass alles wieder gut werden würde? Nein, das konnte er nicht. Aber was sagte man schon zu einem Jungen, dessen Vater hingerichtet werden sollte?
"Was hast du im Wald gemacht?" fragte Harry.
"Ich hab mich nur ein bisschen abreagiert" sagte der blonde Slytherin und zuckte mit den Schultern.
Harry schmunzelte als er sich Malfoy vorstellte, wie er vor lauter Wut Pflanzen ausriss und gegen Bäume trat.
"Du hast gesagt, dass ich deine Freundschaft nicht angenommen habe. Jetzt würde ich das Angebot annehmen, falls es noch besteht."
Kurz bereute Harry was er gerade gesagt hatte. Die beiden waren immerhin seit dem ersten Jahr in Hogwarts Feinde und hassten sich eigentlich. Malfoy wirkte, aber so einsam und er tat ihm irgendwie leid. Er erinnerte Harry kein bisschen an den Malfoy, der andere nach der Reinheit ihres Blues beurteilte, der ihm die Nase gebrochen hatte und der sich den Todessern angeschlossen hatte. Harry sah er nur einen traurigen Jungen, der dringend einen Freund brauchte. Malfoy schaute Harry ungläubig an, lachte dann aber laut auf.
"Du willst mit mir befreundet sein Potter?"
"Warum nicht? Durch dich habe ich in Zaubertränke die beste Note der Klasse."
"Du willst mich also ausnutzen? Na schön, lass uns Freunde sein. Ich befinde mich gerade nicht in der Position, in der ich Ansprüche haben könnte" sagte er und grinste.
Er hielt ihm die Hand hin und dieses mal nahm Harry sie.

Second Chance | DrarryWo Geschichten leben. Entdecke jetzt