Glück oder Pech

773 55 0
                                        

Ohne groß zu überlegen, drückte ich daraufhin den Schalter herunter und erneut durchfuhr mich dieser unglaubliche Schmerz. Wie das letzte Mal sank ich schreiend zu Boden, gleich darauf wurde alles schwarz. Unter großer Anstrengung kam ich wieder zu Bewusstsein und öffnete meine Lider. Es dauerte einige Momente, bis ich alles scharf erkennen konnte. Alle vier hatten sich um mich versammelt und sahen mich erwartungsvoll und besorgt an. So schnell es ging rappelte ich mich daraufhin auf. "Und? Hat es funktioniert?", fragte ich sogleich erwartungsvoll, sah in die Gesichter vor mir, wobei Loki auf einmal verpuffte. Verwirrt sah ich mich um und entdeckte ihn am oberen Ende der Treppe. Es hatte also funktioniert. Geschockt stand ich wie angewurzelt da und starrte Loki an. Er stand mit einem leichten Lächeln da, die Arme verschränkt und sah mir in die Augen. Keine Ahnung wie lange wir uns anstarrten, doch allmählich drangen die Jubelschreie der anderen an meine Ohren, weshalb ich meinen Blick von dem Schwarzhaarigen löste und bei den anderen mit einstimmte. Der Gott verschwand allerdings aus meinem Sichtfeld und schloss sich uns nicht mit an. Siedend heiß fiel mir auf einmal der Kuchen wieder ein, welcher immer noch im Backofen war. Ich stürmte die Treppe nach oben, direkt in die Küche, riss sogleich die Türe des Ofens auf und zog die Springform aus der Hitze heraus. Zu meinem Glück war er nur leicht angebrannt. Erleichtert schnitt ich die verkohlten Stücke ab und begann damit, die Glasur und Füllung aufzutragen. So schnell ich konnte, stellte ich den Kuchen fertig und versteckte ihn im hintersten Schrank der Küche. Hastig räumte ich alles auf und setzte mich danach erschöpft auf das Sofa im Wohnzimmer. Endlich hatte ich Zeit über alles nachzudenken. Meine neue Freiheit auskostend, entschloss ich mich einen Spaziergang zu machen, schnappte mir meine Jacke und ein paar dicke Winterschuhe. Ehe ich mich versah, stand ich auch schon vor dem Stark-Tower und betrat das erste Mal seit Monaten die befüllten Straßen von New York. Erst jetzt wurde mir bewusst, wie sehr ich es vermisst hatte einfach durch die Straßen zu laufen, die Menschen zu beobachten, von denen die meisten gestresst in irgendeine Richtung hasteten. Dazu noch die unterschiedlichsten Gerüche, die sich mit jedem Schritt änderten. Es beruhigte mich ungemein und ich entschloss spontan zu meiner Schwester zu fahren und ihr die neuen Nachrichten persönlich zu übermitteln. Mit dem Bus dauerte es kaum 15 Minuten zu Ellas Wohnung und jetzt musste ich nur klingeln, um zu ihr zu gelangen. "Hallo?“, drang es aus der Sprechanlage. "Mach auf Ella! Du wirst es nicht glauben!", rief ich und es dauerte keine halbe Minute, da wurde mir bereits die Tür geöffnet und meine Schwester umarmte mich, wobei sie mich beinahe umwarf. "Du bist hier? Alleine?!", fragte sie mich strahlend und bat mich gleich darauf hinein. "Ja, wir haben es geschafft!" Ich erzählte ihr, wie wir es vollbracht hatten uns zu trennen, dass Loki heute Geburtstag hatte und ich ihn überraschen würde. "Es ist echt spitze, dass du jetzt wieder zurück in dein altes Leben kannst!", meinte sie dann schließlich, doch ich wusste nicht mehr, ob ich das wirklich wollte. "Oder etwa nicht?", provokativ hakte Ella nach und es war klar, dass sie bereits mitbekommen hatte, dass das alles nicht nur gute Seiten hatte. Leicht kaute ich auf meiner Unterlippe herum, als ich überlegte, wie ich ihr mein aktuelles Gefühlschaos erklären sollte. "Eigentlich freue ich mich ja wirklich, aber die Menschen, die ich in den letzten Monaten kennenlernen durfte und diese Umgebung… Ich weiß nicht, ob ich wirklich wieder zurück in mein früheres Leben will. Ich weiß nicht, ob ich das überhaupt kann." Verzweifelt knetete ich meine Hände und sah Ella hilfesuchend an. "Ist da vielleicht noch ein anderer Grund für dein Durcheinander? Ein schwarzhaariger, großer, göttlicher Grund?", bohrte sie erneut nach und sah mich auffordernd an. "Ich werde Loki sicherlich vermissen, er ist ja inzwischen mein bester Freund geworden, doch er war es, der dem ganzen auch zugestimmt hatte und auch sofort als er frei war verschwunden war. Er schien sich total zu freuen, aber ich eigentlich nicht. Vielleicht war ich auch einfach nur ein Zeitvertreib für ihn. Ein Mittel zum Zweck. Wäre es so geblieben wie es war, hätte ich jetzt keine Probleme." Während ich sprach sammelten sich Tränen in meinen Augen und rannen schlussendlich meine Wangen herunter. Die Zweifel zerfraßen mich. "Ach Christy, das meinst du doch nicht ernst! Loki mag dich, das sieht man ihm an. Er würde dich nie für irgendwas benutzen! Da bin ich mir sicher.", munterte mich Ella auf und strich mir beruhigend über meinen Rücken. "Und ich bin mir sicher, dass er nicht weggegangen ist, weil du ihm nicht wichtig bist. Frag ihn einfach und er wird es dir schon sagen, oder hat er dich schon mal angelogen?" Leicht lächelnd schüttelte ich den Kopf. Nie hatte mich der Gott ernsthaft angelogen. Vielleicht hatte meine Schwester recht und ich sollte ihn einfach fragen. "Wollen wir vielleicht gemeinsam wieder zurück? Du weißt, ich liebe deine Kuchen!" Kurz lachten wir beide auf, ehe wir zusammen das Haus verließen und diesmal zu Fuß zum Stark-Tower liefen. Ella hatte absichtlich vorgeschlagen zu laufen, wodurch sie mir noch ein wenig mehr Zeit gab, mein Gefühlschaos zu entwirren und um mir klar zu werden, was ich wollte. Es führte jedoch alles zu nichts. Ich konnte mich einfach nicht entscheiden. Jarvis ließ uns herein und wir fuhren mit dem Aufzug bis nach oben. Dort angekommen begegneten wir zuerst Steve. "Hey ihr beiden! Habt ihr schon die große Neuigkeit gefeiert?“, fragte er gutgelaunt, woraufhin ich mir ein Lächeln aufzwang, was ihn allerdings nicht sehr zu überzeugen schien. Dennoch sagte er nichts. Ella zog mich daraufhin einfach in mein Zimmer und lenkte mich damit ab, mich nach einem Outfit für heute Abend zu fragen. Unschlüssig zuckte ich mit den Schultern und öffnete den vollen Kleiderschrank. Selbstverständlich zog Ella etliche Klamotten aus den Regalen, kombinierte sie und kreierte damit einige Outfits, welche ich nach der Reihe anprobierte. Zuerst waren es Outfits mit Jeans kombiniert mit T-Shirts, doch sie überzeugten mich einfach nicht. Zum Schluss kamen dann ein paar Kleider, doch als ich ein schönes, weißes Kleid anprobierte, hielt ich inne. Es war zwar relativ kurz, doch gefiel mir ungemein und ich entschied mich dafür, es heute Abend zu tragen. Dazu noch schwarze Schuhe mit Absatz und dank Ella, weiße Spitzenunterwäsche, auch wenn ich den Sinn dahinter nicht erkannte, schließlich würde die niemand sehen. "Sich sexy zu fühlen steigert das Selbstbewusstsein.", war ihre Begründung und ich tat es mit einem Schulterzucken ab. Wenn sie meinte. Vielleicht half es ja.

Ein Unfall mit FolgenWo Geschichten leben. Entdecke jetzt