Wie man einem Zwerg ein schlechtes Gewissen macht

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3. Wie man einem Zwerg ein schlechtes Gewissen macht

Franzi POV:

Thorin war nicht so sonderlich begeistert davon, dass wir so früh wieder im Erebor aufgetaucht waren. Das merkte man schon daran, wie er sein Gesicht verzog und uns mit wütenden Blicken taxierte. Die Federn und der Honig machten eine unangenehme Klebeschicht auf meiner Haut und es juckte fürchterlich. Wir sahen bestimmt lächerlich aus, aber zum Glück begegneten wir niemandem, während Thorin uns durch diverse Gänge schleifte, bis wir im Thronsaal ankamen.
Lea hatte die ganze Zeit versucht ihn irgendwie zu beruhigen und ihm zu erklären, was passiert war, aber er hatte ihre Versuche mit einer kurzen Handbewegung beendet. Er wollte nichts hören und schien jeden kleinen Funken Selbstbeherrschung zu brauchen, um uns nicht schon irgendwo in einem Gang komplett zur Schnecke zu machen. Danach war es leise gewesen, es herrschte beinahe schon eine Grabesstille und Lele und ich wussten beide, dass wir dem Untergang geweiht waren. Es passte ja auch irgendwie, denn egal was Lea und ich jetzt erleben würden, wir würden es auf ewig bereuen, dass wir so früh zurückgekommen waren. Naja, aber immer noch besser, als wenn wir in Thal geblieben wären. Schließlich hätte auch Bard kurzen Prozess gemacht und wir hätten wenig Chancen gehabt.

Die großen Flügeltüren zum Thronsaal schwangen auf und ich verzog das Gesicht, als ich Bard neben dem Thron stehen sah. Er warf uns wütende Blicke zu und ich wollte lieber nicht wissen, was passiert war, nachdem ich und Lea den Marktplatz verlassen hatten. Egal was passiert war, jetzt würden wir ein doppeltes Donnerwetter erleben und das würde dauern.
Aber das Schlimmste an allem war weder Thorins, noch Bards Blick, die definitiv Todesblicke waren, nein, daran war ich gewöhnt. Es war Fili, der neben Bard stand. Er wirkte weder wütend oder sah so aus als würde er in seinen Gedanken meinen Tod planen, er war enttäuscht und das tat mehr weh, als jede Standpredigt, die Thorin mir je halten könnte. Kili, der auch da war, flüsterte ihm etwas zu und er nickte nur leicht. Aber ich wäre nicht die überall bekannte Franzi, wenn ich nicht den Kopf hochtragen und seinen Blick erwidern würde. Ich hatte mir, als ich in diesen Berg gezogen war, geschworen mich niemals unter gar keinen Umständen jemals von einem Zwerg so runter machen zu lassen, dass alles in mir kaputt gehen würde. Ich konnte die Mauern um mich herum stärken und den Kopf oben tragen. Ich konnte das. Mit diesem Gedanken und Lea an meiner Seite betrat ich den Thronsaal. Ihr Donnerwetter würde ich ertragen können, dass wusste ich, doch sie müssten dann auch meins ertragen.

*

Okay, meine Laune war im Keller, denn nach fast einer Stunde, in der ich mir anhören konnte, was Lea und ich alles schon angestellt hatten - mal so nebenbei, ich hatte mitgezählt und Thorin und Bard hatte nur dreiviertel von den Sachen aufgezählt, die wir wirklich verbrochen hatten - sackte Thorin auf seinem Thron zurück und seufzte laut. Lea hatte Tränen in den Augen, so schlimm war es geworden. Auch wenn ich glaube, dass es noch schlimmer gewesen wäre, wenn Thorin noch von den ganzen anderen Dingen gewusst hätte, die wir angestellt hatten. Ich hatte den König die ganze Zeit direkt angeguckt und mich geweigert den Blick zu senken. Die Wut, die in meinem Bauch brannte war irgendwann zu einem Inferno herangewachsen und Filis Blicke hatten das auch nicht besser gemacht.
Es entstand eine Pause, in der Thorin tief durchatmete und seine Gedanken zu ordnen schien. Das hier war sehr kompliziert und das wussten wir alle.

„Was soll ich noch tun, damit ihr endlich aufhört mit diesem ganzen Unsinn?", fragte der König und ich war schon drauf und dran eine bissige Antwort zu geben, als Lea mir einen warnenden Blick zuwarf und dann leise: „Es tut uns wirklich leid...", murmelte.
„Ich werde mir eine Strafe für euch überlegen müssen.", sagte Thorin und rieb sich die Schläfen. Lea nickte, doch ich schüttelte den Kopf. Das konnte doch echt nicht wahr sein. Lele und ich hatten schon so genug Probleme und jetzt wollte uns der Typ auch noch bestrafen?
„Nein.", sagte ich und dieses Mal bekam ich einen warnenden Blick von Fili, doch das war mir egal.
„Ich werde nicht die Schuld dafür tragen, dass uns fast jeder Zwerg in diesem Berg hasst. Wir müssen ja nur morgens in die große Halle gehen und schon werden wir angestarrt. Von unseren Freunden...", bei diesem Wort malte ich Anführungszeichen in die Luft, obwohl ich nicht mal wusste, ob die Zwerge damit etwas anfangen konnten: „...bekommen wir ja nicht mal Unterstützung, weil du, Thorin, unser ach so toller König, es nicht schaffst auch nur fünf Minuten deiner Zeit zu opfern, um dich mit deiner beinahe Frau über ihre Probleme zu unterhalten. Und von dir fange ich lieber erst gar nicht an, Fili. Ich liebe dich, ich liebe es hier zu sein und ich will ein Teil deiner Familie werden, aber so geht das nicht!"

Zwei Bekloppte im EreborGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt