Minho
Wie benebelt stehe ich am gleichen Fleck und bin nicht in der Lage dazu, mich in irgendeiner Weise wegzubewegen. Ich will zwar, aber ich kann nicht.
Ich sehe zu Jisung's bestem Freund, der neben ihm kniet und versucht, ihn aufzuwecken.
Plötzlich dreht er sich zu mir und starrt mich fassungslos an. Hat mich wohl vorher noch nicht wahrgenommen, obwohl ich hier schon die ganze Zeit stehe. Ganz genau seitdem ich abgedrückt habe.
"D-Das hast du nicht gemacht?!", brüllt er mir entgegen, aber ich antworte ihm nicht. Es gibt zwar viele Sprüche, die ich ihm gerade gerne mitteilen würde, aber ich bekomme in diesen Sekunden nicht mal meinen Mund auf.
Hyunjin dreht sich wieder weg und schreit nach Hilfe. Ich kann Verzweiflung in seiner Stimme hören. Aber das ist mir egal. Jedem das, was er verdient. Ich werde ihm sicherlich nicht helfen, selbst wenn ich könnte.
Aber, Moment...
Wenn ich Jisung gerade abgeschossen habe und er nicht wieder aufwacht, dann bin ich ein Mörder.
Nicht, dass mir das im Generellen etwas ausmacht, denn es gibt genug Leute, die es verdient hätten zu sterben.
Aber Jisung ist tot.
Das bedeutet, dass ich ihn nie wieder zurückhaben kann. Nie wieder. Klar, wenn schon nicht ich, dann niemand. Aber ich hätte wirklich gedacht, dass er es jetzt endlich mal kapiert und wieder zu mir kommt. Ich konnte ihm sogar ansehen, wie sehr er mich vermisst. Also, was ist daran so schwer?
Aber jetzt ist es zu spät. Ich kann es nicht mehr rückgängig machen. Vielleicht hätte ich doch ein kleines bisschen mehr nachdenken sollen.
Die Schreie des anderen Jungen werden immer gedämpfter und ich bin mir nicht sicher, ob es an ihm selbst oder an meiner Wahrnehmung liegt.
Plötzlich fange ich an, wirklich zu überlegen. Wenn Jisung tot ist, wo ist dann bitte noch ein Sinn in meinem Leben? Richtig, nirgendwo. Denn Jisung ist mein Leben. Oder besser gesagt war.
Und wenn ich nicht bald abhaue, bin ich definitiv komplett am Arsch. Aber ich komme hier nicht weg. Ich kann es nicht.
Mein ganzer Körper beginnt plötzlich unkontrolliert zu zittern. Ich kann nichts dagegen tun, es passiert einfach. Und vor allem hört es nicht auf. Nein, es wird nur schlimmer.
Mein Blick wandert zu der Pistole, die ich immernoch fest in meiner Hand halt. Schon krass, was so ein kleines Ding anrichten kann. Kann natürlich auch praktisch sein.
Ich löse mich von dem Anblick der Waffe und sehe wieder zu dem Szenario, welches sich ein paar Meter vor mir abspielt. Ich höre den Jungen schluchzen, aber auch dies ist gedämpft.
Jisung kommt nicht zurück, raff es doch endlich.
Nicht für dich und nicht für mich.
Und genau deshalb gibt es auch nur eine einzige Möglichkeit für mich, wieder bei ihm zu sein. Und diese lautet mich genau dort hin zu katapultieren, wie ich es mit meinem Freund gemacht habe.
Mein Körper fühlt sich immernoch wie gelähmt an, aber trotzdem schaffe ich es, langsam meinen Arm zu heben und mir das kalte Metall in meiner Hand gegen den Kopf zu halten. Genau das ist diese Möglichkeit und so werde ich meinen Jisung wieder sehen.
Trotzdem zittere ich. Ich habe keine Angst, aber woher das kommt weiß ich trotzdem nicht. Ich kann einfach nicht mehr klar denken.
Ich versuche mich darauf zu konzentrieren, noch einmal tief durchzuatmen, bevor ich das tue, was nötig ist. Das ist aber gar nicht so einfach.
Ach scheiß drauf, nicht denken.
Und damit drücke ich ab.
DU LIEST GERADE
poisoned - stray kids
Fanfiction𝗽𝗼𝗶𝘀𝗼𝗻 /ˈpɔɪz(ə)n/ noun 𝗮 𝘀𝘂𝗯𝘀𝘁𝗮𝗻𝗰𝗲 𝘁𝗵𝗮𝘁 𝗶𝘀 𝗰𝗮𝗽𝗮𝗯𝗹𝗲 𝗼𝗳 𝗰𝗮𝘂𝘀𝗶𝗻𝗴 𝘁𝗵𝗲 𝗶𝗹𝗹𝗻𝗲𝘀𝘀 𝗼𝗿 𝗱𝗲𝗮𝘁𝗵 𝗼𝗳 𝗮 𝗹𝗶𝘃𝗶𝗻𝗴 𝗼𝗿𝗴𝗮𝗻𝗶𝘀𝗺 𝘄𝗵𝗲𝗻 𝗶𝗻𝘁𝗿𝗼𝗱𝘂𝗰𝗲𝗱 𝗼𝗿 𝗮𝗯𝘀𝗼𝗿𝗯𝗲𝗱. verb 𝗮𝗱𝗺𝗶𝗻𝗶�...
