Taehyung
Mit hängenden Schultern und traurigem Blick kam ich an meinem kleinen Mondhäuschen an, hielt meine Hand vor die leuchtende Kuppel, in der sich sogleich eine Tür zeigte. Noch nie hatte ich mich nach einem Besuch bei meiner Großmutter so leer gefühlt. Es hatte Tage gegeben, an denen kam ich völlig erschöpft und ausgezehrt an meinem Zuhause an. Es hatte Tage gegeben, da wollte ich einfach von diesem Planeten verschwinden und nichts mehr spüren, keinen Schmerz, keine Trauer. Doch dann wurde mir wieder bewusst, dass ich der Einzige war, der etwas dagegen tun könnte.
Aber in diesem Moment hatte mich jegliche Willensstärke und jeglicher Kampfgeist verlassen. Mit einem tiefen Seufzen betrat ich mein Heim und schlurfte sofort die Leiter zu meinem Bett herauf. Mit dem Gesicht voraus warf ich mich auf die Kissen, vergrub es traurig in den Federn und ließ meine Arme leblos herabbaumeln. Das war doch alles zum Verrücktwerden. Mein Leben hatte sich sowieso immer wie eine Qual und nicht wie ein Segen angefühlt, aber diese ganze verzwickte Situation mit Jungkook und den zwei Welten machte es alles nur noch schlimmer.
Jungkook.
Bei dem Gedanken an den schwarzhaarigen Jungen fing es stark in meiner Bauchgegend an zu kribbeln und plötzlich schreckte ich aus den Kissen hoch. In meiner Nase schwebte ein Duft. Ein unverwechselbarer, betörend gut riechender Duft. Mit großen Augen starrte ich das Kissen an, unfähig mich auch nur einen Millimeter zu bewegen, während dieser andersartige Duft meine Sinne flutete.
Hier hatte er gelegen. Direkt neben mir und mir so viel Kraft und Hoffnung geschenkt. Wie gut es mir doch jetzt tun würde, wenn er hier wäre, neben mir, an meiner Seite und mir endlich diese elenden Schmerzen nahm.
Gerade jetzt, wo sich die Gedanken in meinem Kopf wild überschlugen und ich gar nicht mehr wusste, was ich denken sollte. Meine Oma hatte mir etwas erzählt, von einer Bindung zwischen Sonne und Mond, die zwei Seelen auf ewig verbindet. Das durfte doch alles nicht wahr sein! Nein! Dieses Solnoctem konnte mir mal gestohlen bleiben. Ich hatte so schon genug Probleme.
Dennoch lagen meine Augen immer noch auf dem unordentlichen Kissen, während das Engegefühl in meiner Brust erneut anschwoll und mich vor Schmerzen kurz aufzucken ließ. Warum? Warum musste es überhaupt so weit kommen? Warum musste es immer mich treffen? Das war doch nicht fair. Ich wollte das doch gar nicht.
Mit einem Mal streckte ich meine zittrige Hand zu dem Kissen aus. Wie ganz von selbst wanderte sie zu dem weißen Stoff herüber. Ich konnte garnichts dagegen machen und biss mir deshalb nur fest auf die Unterlippe. Hastig krallten meine Finger sich in das Kissen, als ob es der letzte Faden wäre, der einen davor bewahrte, in den tiefen Abgrund zu stürzen und zog es rasch unter meine Nase. Meine Augen schlossen sich ganz automatisch und ich nahm einen tiefen Zug von dem daran haftenden Duft.
Mist.
Als wäre mir plötzlich klar geworden, was ich eigentlich im Inbegriff war zu tun, warf ich das Kissen zurück auf das Bett und schüttelte meine Hand als hätte ich mich an einer Kerze verbrannt. Beinahe gleichzeitig schossen mir jedoch wieder die Worte meiner Oma in den Kopf: „Es muss dich nicht davon abhalten. Es kann genauso gut deine Stärke, deine Kraft, sein. Ich weiß es doch auch nicht, Taetae. Das Einzige was ich weiß ist, dass die Zukunft in deinen eigenen Händen liegt. Es steht in deiner Macht, welche Entscheidungen du fortan treffen willst."
Ein leichtes Lächeln wanderte auf meine Lippen, als ihre liebevolle Stimme in meinem Ohr wiederhallte und ich mich an ihre warm funkelnden Augen zurückerinnerte. Alleine deshalb sollte ich es nochmal versuchen. Ich hatte eine Mission und ich tat das nicht für mich. Ich tat das für Dionysia und vor allem für meine Großmama. Ich konnte meine Welt nicht länger leiden lassen und vor allem konnte ich nicht mitansehen, wie meine Großmutter langsam an Lebenskraft verlor. Sie versuchte es zwar immer wieder zu verstecken und mit aller Macht vor mir geheim zu halten, aber gerade sie müsste doch wissen, dass egal wie viel schauspielerisches Talent sie auch besaß, es nichts bringen würde. Mir würde es trotzdem immer wieder auffallen.
DU LIEST GERADE
Moonchild {VKOOK}
Fanfic[ABGESCHLOSSEN] Die Menschen seien in der Regel Meister darin, zwei grundlegende Dinge zu unterschätzen: Wie groß der Raum ist, der sie umgibt - und wie viel sie davon tatsächlich begreifen können. Jungkook war sich sicher, dass nach all den Naturka...
