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Jungkook

„Apropos Plan...", meldete sich Jisung zu Wort, „mein Vater hat vorgeschlagen, dass wir die letzten 3 Wochen der Ferien ein Praktikum bei Energy-Lodge machen, damit wir schonmal ein Gefühl für das  Unternehmen bekommen."
Der plötzliche Themenwechsel verwirrte mich kurz, doch als ich den Namen der Firma hörte, machte sich wieder dieses beklemmende Gefühl in mir breit, welches ich jedes Mal bekam, wenn es um das Zukunftsthema ging.
„Ist das nicht super?", trällerte der Jüngere begeistert. „Ich kann es kaum erwarten endlich dazu zu gehören und wirklich wichtige Dinge zu vollbringen."

„Wichtig...", wiederholte ich schnaubend und schüttelte den Kopf. Es war so unreal jetzt über dieses Unternehmen und das ganze Leben in Omelas zu sprechen, nachdem ich eine so andere Welt kennengelernt hatte.
„Was willst du damit sagen?", fragte Jisung verdutzt und musterte mich zweifelnd.
„Ich frage mich nur wie wichtig das wirklich ist, was wir da tun", erklärte ich zynisch. „Wir sollen die Stadt einfach nur mit Energie versorgen. Das war's."
„Jungkook", rief der Dunkelhaarige entrüstet und lehnte sich ein Stück  zurück, „Energy-Lodge hält die ganze Stadt am Leben. Und wenn wir das  Unternehmen erstmal führen, sind wir diejenigen, die das indirekt tun. Wie kannst du behaupten, dass das nicht wichtig ist?!"

Trotzig verschränkte ich die Arme und sah zum Himmel hinauf. Die Sonne hatte sich bereits hinter dem Horizont versteckt, während der Mond allmählich schwach auf uns herunterleuchtete. Doch anders als in der Mondwelt, schlugen die Bäume hier nur lange breite Schatten, welche den gesamten Park in beängstigende Dunkelheit hüllten.
„Aber was hält Energy-Lodge denn bitte am Leben? Das was wir hier in Omelas tun, kann man doch nicht leben nennen... manchmal fühle ich mich mehr wie ein Sklave, der versuchen soll zu überleben, als wie jemand, der einfach leben darf."

Geschockt von meinen Worten rutschte Jisung ein Stück weg und starrte verwirrt in die Dunkelheit. Ich wollte ihn mit meinen Worten nicht verängstigen, aber es war nunmal das, was ich mein Leben lang schon dachte. Nur jetzt, nachdem ich gespürt hatte, wie sich wahres Leben  anfühlte, konnte ich das einfach nicht länger zurückhalten.

„Ich habe manchmal einfach das Gefühl, dass wir uns einreden, dass wir das Leben bewahren, während wir gar nicht wirklich wissen, was das eigentlich bedeutet", seufzte ich schließlich etwas ruhiger und hoffte so, Jisungs Verständnis zu erreichen.
„Weißt du was ich glaube, Jungkook?", kam es diesem trocken über die Lippen und ich zuckte kurz als ich realisierte wie kalt seine Stimme klang.

„Du kannst einfach nie zufrieden sein", brachte er seine Worte zuende und funkelte mich finster an.
„Aber...", wollte ich widersprechen, doch Jisung unterbrach mich.
„Nein, Jungkook. Jetzt rede ich mal!", keifte er mich an und stand energisch auf. „Das Leben in Omelas ist vielleicht nicht so traumhaft wie wir es gerne hätten, aber wir haben nunmal keine andere Wahl. Unsere gesamte Spezies wäre um ein Haar ausgestorben, während sich diese Welt dem Untergang zugeneigt hat und Energy-Lodge hat eine Stadt errichtet, in der wir trotz alledem überleben können. Jeder hier sieht das und ist dankbar. Nur du bist ständig unzufrieden und verlangst nach mehr!"

„Ja aber-"
„Du warst so viele Jahre der Jahrgangsbeste und ich musste alles  investieren, um nur ansatzweise so gut wie du sein zu können. Seit wir klein waren, habe ich immer nur in deinem Schatten gestanden. Ich war bereit nach der Sonne zu greifen, aber immer hat man sie dir gegeben und du wolltest sie gar nicht. Während du hier sitzt und nicht nur Energy-Lodge anzweifelst, sondern die gesamte Stadt, ist mein Vater gewillt, dir seinen Posten zu geben. Der Posten, für den ich all die Jahre hart gekämpft habe und dir reicht das nichtmal?!"

Verdutzt sah ich zu meinem Freund auf, während seine Worte wütend auf mich hinunterprasselten.
„Kannst du eigentlich einmal zufrieden sein und nicht so tun, als sei all das nicht gut genug für dich?", spuckte er die Worte aus wie verdorbenes Brot.
„Aber ich sag' sowas doch nicht, weil ich der Meinung bin, dass ich Besseres verdient habe, sondern weil ich denke, dass wir alle Besseres verdient haben", protestierte ich angespannt und versuchte das stechende Gefühl in mir zu ignorieren, welches Jisungs verächtlicher  Blick in mir auslöste.
„Ist mir absolut egal, warum du sowas denkst, du musst mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkehren und dich damit abfinden, dass das hier nunmal unser Leben ist und alle bis auf du sind zufrieden damit!"

Moonchild {VKOOK}Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt