Ich erhole mich relativ schnell. Ich hatte befürchtet, mir eine fette Lungenentzündung nach meiner Aktion eingeholt zu haben, es passierte aber nicht.
So gut es ging und es meine körperliche Verfassung zuließ, versuchte ich Rory wieder auf dem Hof zu helfen. Ich weiß nicht wieso, aber er wird immer freundlicher mir gegenüber. Abends sitzen wir meist zusammen beim Abendessen und ich höre mir die Geschichten seines Tages an, überwiegend über seine Schafherde.Dr. McCallum war auch sehr zufrieden mit dem Verlauf meiner Genesung. Die Vorzimmerdame, eine junge Frau namens Eithne, hat lächelnd meine Krankenkarte entgegen genommen und mir ein Formular zum Ausfüllen gegeben. „Sobald Sie das ausgefüllt haben, klären wir alles Weitere". Sehr gut, hatte ich mich da auch nicht kümmern müssen.
Ungefähr zwei Wochen nach meiner Wanderung konnte ich wieder anfangen, im Gemüsebeet zu arbeiten. Die körperliche Anstrengung brachte mich nach fünf Minuten nicht an den Rand des Zusammenbruchs und so ging es auch mir wieder mental besser. Ich hatte mich viel zu sehr verwöhnt und auf Händen getragen gefühlt, da Rory mir fast alles abgenommen hatte. Sogar das Einkaufen.
Als ich nun die Erde umgrabe und das Unkraut herausrupfe, höre ich Rory vom Stall herüber kommen. „Ich möchte einkaufen, soll ich Ihnen etwas mitbringen?".
Ich richte mich auf und schüttle den Kopf. „Ich möchte gleich selber mal fahren. In den letzten zwei Wochen habe ich etwas Gälisch gelernt und möchte es gerne mal anwenden".
Überrascht zieht er eine Augenbraue hoch und wischt sich Schweiß von der Stirn. Dabei hinterlässt er einen Streifen Dreck.„Nun gut. Können Sie mir etwas mitbringen? Dann brauche ich nicht los".
„Klar. Schreiben Sie es mir auf, ich denke daran". Außerdem wollte ich zur Bank und einmal wieder Bargeld abheben. Auch wenn hier viel mit Karte bezahlt wird, muss ich doch morgen wieder die Unterkunft bezahlen.
Nach einer ausgiebigen Dusche fahre ich mit meinem Corsa hinüber ins Dorf. Mallaig ist heute etwas besuchter wie sonst, ich erkenne eine Lok des Jacobite Steam Train, die im Bahnhof steht. Die Touristen sind da.Als ob ich nicht selber noch eine Touristin bin. Zuerst fahre ich den Bankautomaten an, hebe das Geld für Rory und den Einkauf ab und nehme mir vor, nachher im Online Banking mal meinen Kontostand zu prüfen. Möglicherweise musste ich mir noch einen Job hier im Dorf suchen, ich wollte nicht mein gesamtes Ersparte aufbrauchen und dann gucken müssen, wo ich Geld herbekomme. Ich konnte viel sparen, da ich nie teure Sachen mir gegönnt habe oder ständig neue Spiele wie Fred. Aber auch bei mir ist irgendwann mal Ende.
Im Supermarkt, mittlerweile schaut mich nicht mehr jeder neugierig an, erledige ich die Einkäufe und stelle mich brav an der Kasse an. Eine junge Frau, ihr blondes Haar trägt sie in einem Zopf, steht vor mir und tippt auf ihrem Handy herum.
„Catriona, hörst du mir zu?". Ich erkenne Ealasaids Stimme, die vor der jungen Dame steht und ihre Hände in die Hüften stemmt. Auch sie konnten ihre Einkäufe noch nicht auf das Band legen.„Ja ja". Catriona hebt noch nicht einmal den Kopf. „Hallo Ealasaid", sage ich und Beide wenden sich mir zu. Catriona mustert mich misstrauisch.
„Oh Lia, hallo! Catriona, das ist Lia, die junge Dame aus Deutschland, die bei Rory wohnt". Catriona nickt, steckt ihr Handy weg und schüttelt meine Hand.
„Hi. Meine Ma hat schon viel von dir erzählt. Und? Wie findest du dieses abgelegene Dörfchen?", fragt sie und schmunzelt so leicht, dass ihre Mutter es nicht sehen kann. Ich bemerke sofort, dass sie mich nicht wie alle anderen hier siezt.„Bis jetzt sehr gut. Genau das, was ich gebraucht habe". Wir können nach vorne treten und die Beiden legen die Einkäufe auf das Band.
„Wo kommst du her?", fragt Catriona und schaut immer wieder zu mir nach hinten, wenn es ihr möglich ist. „Aus Köln".
Catriona lacht und schüttelt den Kopf. „Und dann findest du das hier besser?".
Ich nicke und kann nun auch meine Einkäufe aufladen. „Definitiv. Hier kommt man zur Ruhe". Catriona belässt es dabei und wechselt das Thema.
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A scottish Love
RomanceCornelia "Lia" hat ihr Leben satt. Hals über Kopf lässt sie ihr Leben in Köln stehen und liegen und flüchtet. Flüchtet nach Schottland, wo sie als Kind immer mit ihren Eltern ihren Urlaub verbracht hat. Mallaig, den kleinen Ort in den Highlands und...