Als ich am Morgen erwache, kitzeln mich Sonnenstrahlen im Gesicht. Es muss schon etwas heller draußen sein wie gedacht und genüsslich strecke ich mich. Natürlich bemerke ich sofort die leichten Schmerzen in der Innenseite meiner Oberschenkel, aber das kenne ich. Das vergeht und taucht nicht wieder so schnell auf.
Als ich mich drehe sehe ich, dass das Bett leer ist. Verwundert setze ich mich auf, halte die Decke über meinen Brüsten zusammen und horche.Doch ich höre kein einziges Geräusch im Haus. Als mein Blick auf die Uhr fällt, bemerke ich wie lange ich schon geschlafen habe. Es ist fast elf Uhr und Rory muss bestimmt auf dem Hof sein, ein Bauer kann nie so lange schlafen.
Ich quäle mich aus dem Bett und suche mir tapsend frische Wäsche zusammen. In meinen Morgenmantel gehüllt gehe ich hinüber ins Badezimmer und werfe einen Blick aus dem Fenster, direkt auf den Hof hinunter.Auch hier entdecke ich Rory nicht. Ein unliebsamer Gedanke keimt in mir auf und ich kaue mir nachdenklich auf der Lippe herum. Bin ich vielleicht nur Mittel zum Zweck gewesen? Aber wieso hat er dann bei mir übernachtet?
Ich steige unter die Dusche und versuche, die Gedanken beiseite zu schieben. Er ist ein Bauer, er muss früh raus. Versuche ich mir zumindest einzureden.Mit noch etwas feuchten Haaren gehe ich die Treppe hinunter. Kate kommt bellend zur Treppe gerannt und begrüßt mich stürmisch. „Guten Morgen", sage ich und streichle sie, bis sie glücklich von mir ablässt.
Ein Kopf taucht im Flur auf und Rory schiebt schmollend eine Unterlippe vor. „Mist, ich hatte gehofft, dich überraschen zu können", meint er und ich ziehe verwundert eine Augenbraue hoch.In der Küche steht ein Tablett mit einem Teller voll dampfenden Rührei, einer Tasse Kaffee und etwas Porridge, so wie ich es am liebsten esse.
„Ich hatte gehofft, dich mit Frühstück am Bett überraschen zu können", sagt er und grinst wie ein kleiner Junge, der hofft, dass seine Überraschung gelungen ist.Mit einem warmen Gefühl und mich selbst verfluchend, dass ich solche Gedanken wie eben überhaupt zugelassen habe, falle ich ihm um den Hals und küsse ihn lange. Zärtlich und genauso erkundend wie er gestern, bevor ich wieder von ihm ablasse.
„Danke! Das wäre eine wundervolle Überraschung gewesen", flüstere ich und er schlingt die Arme um mich. „Ich wäre gerne mit dir aufgewacht. Aber die Tiere haben gewartet", sagt er entschuldigend und ich nicke.„Ich weiß. Und jetzt habe ich tierischen Kohldampf". Lachend lässt er mich los und ich setze mich an den Tisch. Haue das Rührei innerhalb von wenigen Minuten komplett hinunter.
„Mir ging es heute morgen genauso", meint er, als er sich mir mit einer Tasse Kaffee gegenüber hinsetzt. Seine Hände fahren das Muster auf der Tasse nach und ab und an mustert er mich.„Ist alles in Ordnung?", frage ich und er hebt prüfend den Kopf. „Ist alles mit dir in Ordnung sollte ich eher fragen". Ich runzle die Stirn. „Klar, wieso sollte es das nicht sein?", frage ich und esse, jetzt etwas langsamer, das Porridge.
„Naja. Ich habe dich schon ziemlich überfallen heute Nacht", meint er kleinlaut und ich schnaube.
„Wenn ich den Sex nicht genauso gewollt hätte wie du, wärst du nicht mal über die Türschwelle gekommen". Als er immer noch nichts sagt, lege ich meine Hand auf seine.„Es geht mir fantastisch. Das heute Nacht war unglaublich!". Ein leicht triumphierendes Lächeln schiebt sich auf seine Lippen. „Wirklich?". Nickend grinse ich und spüre, dass ich sein Selbstbewusstsein gut gepuscht habe.
„Die übliche Schmerzen an der Innenseite der Oberschenkel, aber das ist morgen wieder weg".
„Du hast Schmerzen?", fragt er erschrocken und rückt besorgt näher heran, doch ich winke ab. „Das habe ich immer, wenn ich längere Zeit keinen Sex hatte. Das vergeht und wird so schnell nicht nochmal passieren".Es dauert einige Sekunden, bis die Bedeutung bei Rory durchgesickert sind und jetzt bemerke ich das schalkhafte Grinsen., welches ihn so viel jünger aussehen lässt.
„Das höre ich gerne", flüstert er und beugt sich vor. Als er mir einen kurzen Kuss gibt, prüft er schmatzend seine Lippen. „Hm, Porridge und Lia, die Kombi mag ich".
Kichernd haue ich ihm spielerisch auf die Schulter und beobachte ihn, als er sich erhebt.„Ich muss wieder raus zu den Schafen. Das letzte Mal scheren, bevor sie ihre Winterwolle behalten müssen". Er gibt mir einen sanften Kuss auf die Stirn und verschwindet dann mit Kate wieder auf den Hof.
Seufzend bleibe ich mit verträumten Gedanken noch am Küchentisch sitzen. Wie schnell das jetzt gegangen ist kann ich immer noch nicht glauben. Aber es fühlt sich verdammt gut an.Als ich fertig bin räume ich ab und spüle fix das Geschirr sauber. Dann ziehe ich mir etwas dickere Sachen an und begebe mich noch an das Gemüsebeet. Wenigstens für ein paar Stunden könnte ich mich noch nützlich machen.
Mein Handy habe ich in der Hosentasche und höre auf, als es anfängt zu vibrieren. Als ich sehe, wer mich anruft, beiße ich mir auf die Lippe.
Aiden.„Hi", gehe ich völlig unbehelligt dran und höre das Rauschen des Meeres im Hintergrund und Windgeräusche. Er muss auf der Plattform sein.
„Na, wieder gut angekommen?", fragt Aiden fröhlich und die Lautstärke, mit der er in den Hörer spricht, lässt mich erstmal alles leiser stellen. Bevor mir noch mein Ohr abfällt.„Allerdings. Habe wie ein Stein geschlafen". Aiden lacht und ich höre im Hintergrund eine Maschine rattern. „Hör mal, ich bin nächstes Wochenende in der Stadt. Wollen wir mal nach Inverness fahren?", fragt er und ich schließe erschrocken die Augen. Ich habe geahnt, dass diese Frage kommt.
„Klingt lustig. Wer ist denn noch dabei?", frage ich und versuche so, das Gespräch etwas zu verharmlosen. „Äh, nur wir?". Aiden klingt etwas verwirrt und ich lehne mich an den Gartenzaun.„Ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist", sage ich und warte, bis ich Aiden seufzen höre. „Okay. Schade. Vielleicht ein nächstes Mal", höre ich ihn sagen und höre deutlich die Traurigkeit, die in seiner Stimme mitschwingt.
„Mach's gut", sage ich und lege auf. Auch wenn es mir wehtut, ihn so zurückzuweisen, aber ich bin mir gerade selber noch nicht sicher, was genau zwischen Rory und mir jetzt ist.Und solange das nicht geklärt ist, möchte ich keinen der beiden Männer verletzen. Also mache ich jetzt das, was eine beste Freundin immer tun würde. Ich schreibe Leyla eine kurze WhatsApp und berichte von der vergangenen Nacht. Und natürlich auch von dem Gespräch eben.
Ihre Antwort lässt nicht lange auf sich warten.„OMG!!!!!! Ihr hattet Sex? Das ist jetzt nicht dein Ernst, musstest du erst nach Deutschland reisen um zu begreifen, dass du es schon so lange wolltest? Und er etwa auch???? Man, ihr seid mir vielleicht welche!!!
Und zu Aiden, ich kenne dich und weiß, dass es für dich genau die richtige Entscheidung war. Ich würde ja beide vernaschen solange nichts zu 100% safe ist, aber da ist ja jeder anders. Halte mich auf dem Laufenden!".Ich stecke grinsend das Handy weg. „Was ist so lustig?". Erschrocken quieke ich auf, weil ich nicht bemerkt habe das Rory sich genähert hat und wirble zu ihm herum.
„Gott hast du mich erschreckt". Grinsend lehnt er am Zaun und zieht irgendwie wissend eine Augenbraue hoch. „Lass mich raten, die beste Freundin musste informiert werden?".
Entschuldigend zucke ich mit den Schultern. „Dafür ist sie meine beste Freundin". Rory winkt ab. „Solange du erzählst, wie toll ich doch bin, ist mir alles egal".Lachend gehe ich auf ihn zu und recke mich, um ihm einen kurzen Kuss zu geben. „Keine Sorge, sie hört nur das Richtige", flüstere ich ihm ins Ohr und nutze die Chance, an seinem Ohrläppchen zu knabbern. Knurrend drückt er sich gegen den Zaun und brummt.
„Gott, das macht mich ziemlich scharf", brummt er und ich kichere. „Ich weiß". Spielerisch weiche ich ihm aus und er fixiert mich.„Nicht fair". Dann geht er, mit schmollender Unterlippe, wieder zurück zum Stall.
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A scottish Love
RomanceCornelia "Lia" hat ihr Leben satt. Hals über Kopf lässt sie ihr Leben in Köln stehen und liegen und flüchtet. Flüchtet nach Schottland, wo sie als Kind immer mit ihren Eltern ihren Urlaub verbracht hat. Mallaig, den kleinen Ort in den Highlands und...