Schweigend und mit leicht gesenktem Blick setzt mich Jins Vater oder wie ich ihn jetzt auch nenn soll ‚Appa' am Dorm ab. Ja er will das ich ihn Appa nenne, doch in meinen Gedanken wird er wohl für immer ‚Jins Vater' oder so ähnlich bleiben. Meine Vorurteile haben sich über den Tag hinweg indirekt bestätigt. Ich interessiere ihn eigentlich nicht, er macht das nur, weil er muss und keine Lust hat, dass sein Ruf Schaden nimmt.
Durch meine Erblindung hab ich in Deutschland die neute Klasse wiederholt. Jetzt muss ich mich komplett an neuen Stoff anpassen und sogar shon wieder einen neue Schrift lernen. Dazu hab ich viel zu wenig Ahnung, wie hier alles funktioniert und stehe regelrecht unter Kulturschock. Dennoch besuche ich ab morgen die 10. Klasse der blinden Schule hier, immerhin wurde mein Wiederholungsjahr nicht wirklich offziell angemeldet. Oder so ähnlich.
Das war der erste Punkt, welcher mir noch Probleme machen wird. Ich bin zwar definitv kein schlechter Schüler und war dies auch nie, doch das wird mich mehr als nur an meine Grenzen bringen wird. Zudem hatte ich irgendwie gehofft nicht wieder so schnell eine Schule besuchen zu müssen. Doch ich werde nicht ringsrum kommen und es werden die schlimmsten Stunden meines Tages sein.
Auch seine Argumente, warum ich nicht bei ihm bleiben konnte, waren in meinen Augen eher lächerlich, doch sagte ich nichts. Ich wollte gar nicht bei ihm wohnen. Eigentlich wollte ich einfach nur die Zeit zurück drehen. Denn es tut so weh. Ich hab alles verloren, was ich je hatte.
Ich wollte Tänzer werden oder um genau zu sein Idol, doch wollte ich nicht so weit weg von meiner Schwester sein, wie Idols es von ihren Familien sein müssen. Deshalb Tänzer.
Doch jetzt ist es egal. Sie ist weg und die Möglichkeit für mich meine Träume wahr werden zu lassen schon längst.
Wäre ich jetzt allein, würde ich weinen. Weinen um zu versuchen den Schmerz zu lindern, auch, wenn ich weiß, dass es nichts bringt. Die Zeit, wo weinen befreiend war, ist schon lange vorbei und wäre ich nicht so hilflos, dass ich nicht mal selbst mein Leben beenden könnte, würde ich es wahrscheinlich tun. Obwohl... dann hätte ich wohl noch einen Hoffnungsschimmer.
Selbst wenn Seong Amy dann ebenfalls gegangen wäre. Vielleicht, vielleicht auch nicht. Vielleicht hätte ich mit in dem Auto gesessen, vielleicht wären wir aber auch alle wo anders gewesen und alles wäre nie passiert. Ich weiß es nicht.
Seong Amy... wo ich gerade von von meiner Schwester rede... oder eher ihren Namen erwähnt habe... Ich muss, oder soll, den Nachnamen Kim annehmen. Es sei einfacher. Ja, einfacher für ihn, seine Untreue zu kaschieren.
Doch für mich ist es das Letzte, was von meiner Familie noch sichtbar bei mir ist.
Einerseits ist ein Name nicht viel Wert. Nur eine, meist einiger Maßen gut klingende Aneinanderreihung von Buchstaben. Doch bedeuten sie uns so viel, wegen ihrer bezeichenenden Stellung in der Gesellschaft. Sie symbolisieren wer wir sind. Ein Name ist ein Markenzeichen, eine Ausweisung und damit viel Wert. Das gilt vorallem für Vornamen. Sie sind persöhnlich und die allererste Einschätzung deiner Eltern. Ob sie dir gefällt oder nicht.
Ein Nachname zeigt mehr die Zugehörigkeit zu etwas. Zu einer Familie. Dabei kann das deine gebürtige oder aber auch jene sein, die dich aufnahm. Doch ich gehöre nicht in diese Familie. Ich bin kein Kim. Ich bin Seong Tony und wollte es bleiben. Doch habe ich keine Wahl als zu tun, was man mir sagt. Ich muss nur noch funktionieren, das ist mir bewusst. Doch funktioniere ich nicht, bin kaputt und nutzlos. Ich bin hilflos und eine Last.
Glaubt mir. Ich will genauso wenig hier sein, wie ihr mich hier haben wollt. Wenn ich könnte... wenn ich könnte würde ich gehen. Doch ich kann es nicht, nicht einmal das kann ich.
Schon traurig. Doch kann ich es nicht ändern und will es irgendwo auch nicht wirklich ändern. Ich will nicht mehr versuchen stark zu sein. Ich will nicht mehr kämpfen. Ich will nicht hören – will nicht fühlen – nicht sein. Aber ich muss.
Seufzend verabschiede ich mich leise aber höflich und so, wie er es will von Jins Vater. Ich weiß nicht, ob er was zu mir gesagt hat, denn ich hab nicht zugehört. Ein Fehler. Denn nur kurz darauf zucke ich ziehmlich zusammen, als ich eine Hand auf meine Spüre, Jins Hand vermute ich mal. Seine Finger sind anders als alle, die ich bisher auf mir gespürt habe.
Sanft, so viel sanfter als sein Vater dirigiert er mich zurück in die Wohnung und immer mehr beginnt meine Fassade zu bröseln. Meinte ich nicht gerade noch ich will nicht mehr kämpfen? Doch soll ich jetzt einfach aufgeben?
Wortlos verschwinde ich einfach in Jungkooks und meinem Zimmer und lege mich auf Bett. Ich weiß nicht wie spät es ist und es interessiert mich auch nicht.
„Alles ok?" ertönt Jins Stimme fast zeitgleich wie Jungkook und leicht nicke ich.
„Passt schon... bin nur etwas... müde." lüge ich mit so fester Stimme, wie möglich.
Ich will allein sein, doch ich kann es nicht. Werde ich es in den nächsten Jahren je wieder sein können? Ungewollt laufen mir nun doch die ersten Tränen über die Wangen und schnell lege ich die Brille weg um mein Kopf in das Kissen zu drücken. Niemand soll sehenj wie es mir geht, wie sehr ich sie vermisse.
Ich weiß das es dumm ist, doch ich kann nicht anders. Ich bin viel zu schwach gerade, ich würde es nicht vertragen erneut verletzt zu werden. Andererseits... was soll schon passieren?
Geht es soviel schlimmer?
Will ich nicht eingentlich schon gehen?
Was sollte also noch passieren?
"Bitte rede mit jemaden Tony..." höre ich die leise Stimme meines Bruders und verkrampfe leicht, als sich die Matratze senkt und er sich neben mich setzt. Sachte legt er eine Hand auf meinen Rücken, um diesen immer wieder sanft zustreicheln.
"Es ist schon alles gesagt was je gesagt werden soll Hyung. Es bringt niemanden was und ich weiß, das es keiner verstehen kann." tief hole ich Luft.
Was hab ich zu verlieren?
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Fiksi Penggemar"Ein Tag den ich hasse? Meinen Geburtstag, für mich ein Tag der Trauer und verlorenen Chancen." Der 16 Jährige Seong Tony musste bereits einige Hindernisse in seinem Leben meistern, aber da hatte er jedesmal seine Familie und Freunde im Rücken, die...
