Libra sah Draco freudig an. Sie hatte ,abgesehen vom Bahnhof, noch nichts in Hogsmeade gesehen. Sie hatte gehört, dass es hier tolle Buchläden geben sollte, die sie unbedingt mit eigenen Augen sehen wollte. Dort angekommen, wurden sie von Snape losgeschickt, um sich zu amüsieren. Obwohl Libra eigentlich nur in Begleitung des Hauslehrers durch Hogsmeade spazieren dürfte, fand Snape Draco wohl als angemessene Begleitung genug und ging selbst mit Lucius zielstrebig auf ein Geschäft zu. Libra war das nur recht. Ihr war Professor Snape immer noch nicht ganz geheuer.
Gemeinsam machten Draco und sie sich auf den Weg durch das Dorf. Draco zeigte ihr alle möglichen Läden und Libra versuchte ihre Überwältigung nicht allzu offen zur Schau zu tragen. Hexen und Zauberer allen Alters strömten durch die Gassen. Sie sah Mäntel und Umhänge in allen erdenklichen Farbe und ihr war es, als wäre sie in eine neue Welt eingetaucht. Staunend drehte sie sich von einer Seite auf die andere und ließ ihren Blick über die Schaufenster schweifen. Plötzlich entdeckte sie einen Laden. Dieser war unscheinbar in einer Seitengasse platziert und es sah aus, als wäre seit Jahren kein Mensch mehr in dort gewesen. Libra trat näher und zog Draco mit sich. Sie spähte vorsichtig durch die Scheibe. Man konnte nur erahnen, was sich in dem Laden befand, da das Glas des Schaufensters schon so angelaufen war. Aber es sah ganz nach einer Mischung aus Trödelladen und Antiquitätengeschäft aus.
Sie drehte sich zu Draco um und grinste ihn schelmisch an. „Oh nein Libra, da willst du nicht wirklich rein?!", Draco sah sie aus weit aufgerissenen Augen an.
„Hast du etwa Angst? Na komm das wird lustig". Behutsam öffnete sie die Ladentür und machte einen Schritt ins Innere. Sie drehte sich einmal um ihre eigene Achse und bestaunte die vollgestopften Regale. Auch Draco trat jetzt ein und rieb sich fröstelnd über die Arme. Ihm war nicht wohl bei der Sache und er wollte so schnell wie möglich, wieder aus dem Laden raus. Er versuchte zu sprechen, doch Libra unterbrach ihn. Sie stieß einen kleinen Freudenschrei aus, als sie im hinteren Teil des Ladens Regale mit sehr alt aussehenden Büchern entdeckte. Sie schritt zielstrebig darauf zu und fuhr mit den Fingern über die brüchigen Buchrücken. Die Bücher waren alle in Leder gebunden und strömten einen angenehm beruhigenden Geruch aus. Da auf den Buchrücken keine Titel standen, zog Libra wahllos ein Buch hervor. Sie schlug die erste Seite auf und ließ es vor Schreck fast fallen. Es war eine Erstausgabe von „Fantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind" von Newt Scamander. Aufgeregt rief sie nach Draco und hielt ihm das Buch unter die Nase. Er nahm es stirnrunzelnd entgegen und schlug es auf. Nachdem er gesehen hatte, was es war, zog er anerkennend eine Augenbraue hoch und nickte ihr zu. „Vielleicht finden wir hier noch so manche Schätze".
Libra lächelte ihn strahlend an und wand sich wieder dem Regal zu. Sie schritt ein paar Meter weiter und zog abermals ein Buch hervor. Diesmal war es nur ein altes Schulbuch und Libra wollte es gerade enttäuscht zurückstellen, als ihr etwas Merkwürdiges auffiel. In dem Buch waren überraschend viele Notizen. Sie blätterte es vorsichtig durch und bemerkte, dass der Vorbesitzer dieses alten Zaubertrankschulbuches, einige Rezepturen verändert hatte. Sie kannte zwar nicht alle Tränke, da es ein Schulbuch der sechsten Klasse war, aber es sah unglaublich interessant aus. Schritte ließen beide herumfahren. Hinter ihnen war wie aus dem Nichts ein alter Zauberer aufgetaucht. Er stand gebückt und in einen zerissenen Umhang gehüllt vor ihnen. Er lächelte ein zahnloses Lächeln und winkte ihnen zu, ihm zu folgen. Draco sah Libra noch warnend an, doch sie hatte die Neugier gepackt und so folgte sie dem alten Mann in einen Hinterraum.
Hier sah es nicht viel besser aus. Alte Ohrensessel standen vor einem Kamin und luden dazu ein, sich in sie hinein zu lümmeln und ein Buch zu lesen. Der Mann schritt genau auf diese zu und ließ sich in einen plumpsen. Draco und Libra quetschten sich in den anderen. Mit einem Wink seines Zauberstabs, ließ der Mann, wahrscheinlich der Besitzer des Ladens, eine Teekanne und Tassen heranschweben. Er schenkte ihnen ein und erhob zum ersten Mal die Stimme: „Zucker und Milch?". Libra und Draco nickten nur synchron und bekamen kurz darauf jeweils eine Tasse gereicht. „Hogwartsschüler also...für zwei Slytherins seid ihr ziemlich schüchtern", die Stimme des Alten war kratzig und rau. Er hustete einmal und schlürfte an seinem Tee. Da Draco nicht so aussah, als wollte er demnächst anfangen zu sprechen, eröffnete Libra das Gespräch: „Guten Tag. Mein Name ist Libra Wilson und das ist Draco Malfoy" sie erhob sich und wollte dem Mann die Hand reichen, dieser schüttelte aber nur den Kopf und bedeutete ihr, sich wieder zu setzen. „Ein Malfoy...hmm...ich kenne deinen ... Großvater dürfte es wohl aus... Abraxas?". Draco nickte, immer noch sprachlos. Der Zauberer wandte sich wieder Libra zu „Du solltest den Namen deines Vaters tragen, so wie es die Tradition will" sie verschluckte sich beinahe an ihrem Tee. Hatte sie gerade richtig gehört? „Entschuldigen sie Sir, aber wissen sie wer mein Vater ist?". Der Mann vor ihr lachte heiser, musste dann allerdings husten. Als er sich wieder erholt hatte sprach er weiter: „Natürlich. Du bist ihm wie aus dem Gesicht geschnitten Kindchen. Er sah genauso aus wie du jetzt, als er das erste Mal in meinen Laden kam." Er hustete abermals.
„Und können sie mir sagen, wer er ist. Wissen sie, ich kenne ich nämlich nicht", Libra sah den alten Zauberer vor sich bittend an. Dieser schüttelte jedoch lächelnd den Kopf „Du kennst ihn bereits. Du musst ihn nur finden" er sah auf eine alte Standuhr und erhob sich ächzend aus seinem Sessel. „Ihr solltet jetzt gehen. Es ist schon spät". Libra sah ebenfalls auf die Uhr. Der Zeiger stand, wie bei Zaubereruhren üblich, nicht auf einer Zahl sondern auf einem Satz. Dort stand nur „Besuchszeit ende". Sie runzelte die Stirn. Was hatte das denn zu bedeuten. Draco zog sie aus dem Sessel hoch und zusammen mit dem alten Mann gingen sie wieder in den Verkaufsraum. Libra trug immer noch die Beiden Bücher, die sie sich vorhin angeschaut hatte und sie drehte sich noch einmal zu dem Verkäufer um „Was kosten mich diese zwei Bücher?". Der Mann jedoch lächelte nur milde und sagte: "Sie gehören dir. Ich hatte schon zu lange keine so nette Kundschaft mehr". Sie lächelte dankbar und mit Draco an der Seite verließ sie den Laden wieder.
Fragend schaute sie Draco an: „Was meinte er damit, dass ich meinen Vater schon kenne? Mir würde es doch auffallen, wenn ich ihm begegnen würde". Draco zuckte nur unwissend mit den Schultern: „Du könntest mal Dumbledore fragen, ob er etwas weiß...naja komm jetzt wir sollten wirklich langsam zurück zum Treffpunkt gehen". Libra nickte dankend und so zogen sie wieder zurück zum Ausgangspunkt ihrer Erkundungstour. Dort wurden sie schon von den anderen erwartet und sie fingen sich einen bösen Blick von Snape ein. Das war Libra aber in dem Moment egal. Sie dachte noch immer über die verwirrenden Worte von dem alten Mann nach. War sie ihrem Vater tatsächlich schon einmal begegnet und kannte sie ihn womöglich sogar?
Das konnte eigentlich nicht sein, da sie außer den Lehrern in Hogwarts keine erwachsenen Zauberer kannte und Mr. Malfoy zählte nicht. Ihm war sie keineswegs ähnlich. Also konnte sich dieser schrullige Verkäufer nur irren. Aber manchmal sah man ja den Wald vor lauter Bäumen nicht und wahrscheinlich musste sie einfach eine Nacht darüber schlafen. Sie wurde von Draco unsanft in die Seite geboxt und verwirrt sah sie auf.
„Sie müssen mehr auf ihre Umwelt achten Miss Wilson. Ich fragte sie gerade, was sie denn Spannendes erstanden haben". Libra sah direkt in das Gesicht von Snape, der während dem Laufen neben sie getreten war. „Eine Ausgabe von den Phantastischen Tierwesen und ein Buch über Zaubertränke, Professor". Snape nickte „Dürfte ich mir einmal das Buch über Zaubertränke ansehen?". Libra reichte ihm mit einem Schulterzucken das Buch. Er betrachtete es und schlug die erste Seite auf. Plötzlich wurde er noch blasser, als er eh schon war und hastig gab er Libra das Buch zurück. „Ist ihnen nicht wohl Professor?", sie sah ihn ängstlich an. Dieser wurde ruckartig von Lucius zur Seite gezogen, so dass die Beiden jetzt hinter Libra und Draco liefen.
„Alles in Ordnung Sev?", Lucius sah ihn besorgt an. Severus schüttelte nur den Kopf und zischte: „Sie hat mein Buch". Lucius verstand sofort und seine Miene verzog sich überrascht „Ich dachte Potter..." „Dachte ich auch", wurde er von Severus unterbrochen „Aber anscheinend hat das Buch den Krieg irgendwie überlebt. Ich habe keine Ahnung wie sie da rangekommen ist"
Sie kamen am Schloss an und die Gruppe verteilte sich wieder. Snape schnappte kurzerhand Lucius am Handgelenk und zog ihn in den Kerker. Er feuerte seinen Gemächern lautlos das Passwort entgegen und gemeinsam betraten sie seine Zimmer. „Du gehst aber ganz schön zur Sache" Lucius lachte „Kann ich dir irgendwie behilflich sein?". Snape knirschte mit den Zähnen und fauchte ihn wütend an: „Du benimmst dich wie ein pubertierender Schüler, Lucius. Bleib bei der Sache, bei Salazar". Er ließ sich kraftlos in einen Sessel fallen und vergrub das Gesicht in den Händen. „Niemand sollte dieses Buch jemals wieder zu Gesicht kriegen. Es ist gefährlich", hilflos sah er zu Lucius auf, der jetzt auf ihn zuschritt und vor dem Sessel in die Knie ging. Sanft nahm er Severus Hände in seine und strich mit dem Daumen über den Handrücken. „Miss Wilson ist vernünftig genug, mit dem Buch umzugehen. Sie ist genauso ergeizig und gleichzeitig vorsichtig, wie du in der ersten Klasse. Dir hätte ich so ein Buch damals auch nicht weggenommen". Snape lachte leise auf „Vergleichst du mich gerade mit einer Schülerin?". Lucius lachte ebenso und flüsterte: „Ja das mache ich. Ihr seid euch ähnlicher, als ihr denkt". Er erhob sich wieder und setzte sich auf das Sofa vor dem Kamin. „Kanntest du nicht mal eine Theo Wilson?". Snape sah ihn überrascht an: „Ja schon. Ich habe sie auf einem Seminar für Tränkemeister kennengelernt. Warum fragst du?". „Nur so", war alles was Lucius antwortete.
Neues Kapitel😊 ich wünsche euch frohe Ostern und genießt die Ferien!!
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Another Snape?
FanficAls Libra ihren Hogwartsbrief bekommt und schon im Zug Freundschaft mit Draco Malfoy schließt, verspricht es ein aufregendes Jahr zu werden. Neben Schule und Hausaufgaben versucht sie Aufschluss darüber zu finden, wer ihr Vater ist. Und warum fühlt...