Kapitel 8.3

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Am nächsten Morgen fiel es mir nicht leicht aus dem Bett zu kommen

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Am nächsten Morgen fiel es mir nicht leicht aus dem Bett zu kommen. Jede Faser meines Körpers schrie nach Ruhe, als ich mich aufsetzte und mich ausgiebig streckte. Ich hatte Schwierigkeiten meine Beine zu bewegen und meine Arme brannten – vor allem aber meine rechte Schulter, denn die Anstrengung von gestern schien wirklich zu viel für meine Verletzung gewesen zu sein.

Ich hievte mich aus dem Bett, rieb mir müde übers Gesicht und tappte vor das Waschbecken. Mein Spiegelbild sah mich aus trüben grünen Augen an und riss den Mund zu einem heftigen Gähnen auf. An das zeitige Aufstehen würde ich mich definitiv noch gewöhnen müssen. Am liebsten hätte ich mich gleich wieder hingelegt und weitergeschlafen, doch das ging nicht und so warf ich mir frische Trainingskleidung über, die in meinem Zimmer gelegen hatte, als ich vom Abendessen zurückgekehrt war und putzte mir schnell die Zähne. Ein Blick durch den Spiegel auf die Uhr an der gegenüberliegenden Wand verriet mir, dass ich noch etwa eine Dreiviertelstunde Zeit hatte, um zu frühstücken.

Die große Kantine im zweiten Stock des Besucherzentrums war nicht sehr voll, dennoch saßen etwa drei Dutzend Teilnehmer in Gruppen zusammen und vereinzelt kauerten sich anderweitige Besucher an die Tische und verdrückten leise ihr Essen.

Die meisten Teilnehmer kamen aus den inneren Ringen, was keine Seltenheit war. Die Menschen dort hatten es leichter als die meisten in Zone Drei und Vier. Die Familien besaßen mehr Geld und benötigten die Kinder nicht als Arbeitskräfte. Sie erhielten eine gute Ausbildung; sie hatten Freizeit und konnten trainieren, ohne dass ihre Familien dadurch hungerten oder ungenügend Marken erhielten.

Natürlich wäre es am einfachsten, wenn die Menschen aus den äußeren Ringen ihre Kinder zur Aufnahmeprüfung schicken würden und so in die zweite Zone aufstiegen, doch die Chance, einen Ausbildungsplatz zu erhalten, war nicht sehr hoch und meistens brauchten sie jedes Paar Hände, die sie kriegen konnten, um die Arbeit zu verrichten, die täglich getan werden musste. Wurde die Arbeit nicht erledigt, gab es keinen Lohn. Wenn keine Marken vorhanden waren, konnten die Abgaben nicht gezahlt werden. Und dann sah es schlecht aus. So entschieden sich die Menschen lieber für ein hartes Leben als für eine Haftstrafe und den damit einhergehenden Untergang der Familie.

Neben der schweren Arbeit blieb nicht viel Zeit zum Trainieren und da wir aus den äußeren Ringen sowieso schon einen Nachteil durch unsere Herkunft hatten, – auch wenn die Prüfer das niemals öffentlich zugeben wollten – war das Training die wichtigste Vorbereitung auf den Test.

Ich konnte von Glück reden, dass meine Mum all die Arbeit und Anstrengungen des täglichen Lebens auf sich genommen hatte, um mir das regelmäßige Trainieren zu ermöglichen.

Als ich mir ein Tablett holte, kehrte ich aus meinen Gedanken in die echte Welt zurück und ließ mir von der Frau an der Ausgabe einen Teller mit warmen Bohnen, zwei Scheiben Toast und dampfendem Ei reichen. Anscheinend waren auch hier die Portionen genauestens rationiert, jedoch um einiges größer als bei uns.

Captured | Band 1Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt