Snowstorm

72 3 4
                                        

Grelles Licht. Spitze Zähne. Ein Schrei. Jemand der meinen Namen ruft. Mein Vater der auf mich zu stürmt. Blutverlust. Ein Schrei nach meiner Mutter. Keine Antwort. Ein Vampir. Der Aufprall auf den Boden. Schwärze die mich überkommt. Der Vampir vor mir. Rabenschwarzes Haar. Eisblaue Augen. Zähne die sich plötzlich in meinen Hals graben.

Ich schlug ruckartig die Augen auf und blickte in einen grau bewölkten Himmel. Was war das eben? Es war nur ein Alptraum gewesen. Es war nur böser Traum... Ich legte meinen Kopf zur Seite und erkannte erst jetzt wo ich war. Ich lag auf einer Straße. Aber wieso? Ich setzte mich langsam auf und hielt mir meinen schmerzenden Kopf. Auf einmal überkam mich alles wieder. Das war real! Es war kein Traum!! Ich hatte nur alles noch einmal in schnellen Bildern durchlebt. Der Vampir hatte mich wirklich gebissen. Mein Vater war wirklich zu mir gelaufen und hatte nach mir gerufen und meine Mutter...

Nein!!! Ich sprang auf und entdeckte plötzlich circa zwanzig Meter vor mir ein Auto das brannte. Es war unser Auto! „Nein", murmelte ich fassungslos und stürmte panisch auf unser Auto zu. Verzweifelt schrie ich: „Mutter!! Vater!" Ich sah mich mit schnellem Blick um. Meine Mutter lag nicht mehr am Boden hinter dem Auto, also konnte sie nur im Auto sein. Bestimmt wollte dieser kaltblütige Vampir seine Spuren verwischen! Und wo war mein Vater? Was war aus ihm geschehen?

Ich entdeckte eine Person auf dem brennenden Beifahrersitz sitzen, dies war definitiv meine Mutter. „Nein", schluchzte ich. Mein Blick ging zurück zu dem Rücksitz und da lag er. Mein Vater! Sein Körper brannte lodernd in den Flammen. Der Vampir hatte gewonnen. Vater konnte ihn nicht besiegen. Meine Eltern waren tot. Es war für beide zu spät. Ich konnte nichts mehr für sie tun...

Ich sackte in die Knie, das durfte nicht wahr sein. Wie konnte es nur soweit kommen? Tränen liefen über mein Gesicht, während ich vor mich dahin schluchzte und verzweifelt das brennende Auto beobachtete.

Da kam Zorn auf einmal in mir auf. Dieser kaltblütige Vampir hatte mir alles genommen! Wieso hatte ich nur gezögert. Ich hätte ihn töten sollen, als ich die Chance dazu hatte! Jetzt hatte ich nichts mehr. Dafür würde er büßen müssen. Mit dem Tod! Ich müsste ihn nur finden und dann würde ich nicht zögern und ihm einen Pfahl ins Herz rammen. Aber was wäre, wenn ich wieder so erstarren würde und nicht handeln könnte? Ich brauchte eine Lösung dafür. Wobei es egal wäre, wenn ich sterbe. Ich war sowieso jetzt alleine. Aber ich wollte nicht auch durch ihn sterben. Er musste für seine Tat bezahlen und wenn es das Letzte wäre was ich tue.

Irgendwann nach gefühlten Stunden stand ich auf. Ich bemerkte plötzlich etwas Kaltes was auf meiner Nase landete und schmolz. Ich schaute in den Himmel hinauf und bemerkte wie es langsam zu nieseln begann. Ich öffnete meine Hand und hielt sie offen vor mich. Ich beobachtete wie kleine Schneeflocken auf ihr landeten und sofort wieder schmolzen. Früher hätte ich über den Anblick von Schnee gelacht, doch nun war ich einfach nur am Bodenzerstört. Nichts konnte mich jetzt noch zum Lachen bringen.

Ich ging ein paar Schritte und presste meine Jacke enger an mich, damit ich nicht fror. Ich drehte mich noch einmal um und schaute noch einmal auf das brennende Auto. Das Feuer wurde immer kleiner. Ich warf einen letzten Blick zurück, dann ließ ich das Feuer und meine toten Eltern hinter mir. Ich wischte mir die Tränen aus den Augen. Meine Tränen brachten sie auch nicht zurück. Ich musste jetzt stark sein, das hätten sie bestimmt von mir gewollt.

Dieser Vampir! Ich hasste ihn für das hier. Wie konnte er nur?! Wie konnte man nur so kaltblütig sein?! Er hatte mir meine Eltern genommen! Gerade war alles noch so perfekt gewesen und dann das! Ich war kurz davor wieder heulenden in die Knie zu sacken, doch ich musste weiter, wenn ich nicht erfrieren wollte. Ich musste in Bewegung bleiben.

Ich ging die Straßen entlang in meinen Mantel gehüllt. Ich war einsam und allein. Es zog ein starker Schneesturm auf und ich verlor jegliche Hoffnungen. Das Einzige, was mich zum Weitergehen antrieb war der Gedanke an meine Rache. Mir ging dieser Vampir nicht mehr aus dem Kopf. Ich war unendlich wütend auf ihn, aber trotzdem musste ich die ganze Zeit irgendwie an seine eisblauen Augen denken und wie bewegungsunfähig ich vor ihm gestanden war. Meine Gefühle glichen in dem Moment einem Schneesturm wie diesem...

Vampire - Hunter or Friend?Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt