Kapitel 16

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Milan


Auch ich war kurz davor, meinen Verstand zu verlieren und auszurasten, aber Luis hatte ich angesehen, dass er keine Sekunde länger mehr gekonnt hätte. Bei Luis veränderte sich nämlich alles um ihn herum, wenn sich seine Stimmung änderte.

Sein Geruch. Seine Präsenz. Alles an ihm wurde anders, sobald er wirkliche Mordlust verspürte.

So wie jetzt auch.

Deswegen ließ ich ihm den Vortritt und blieb bei unserer Prinzessin, um die sich die Ärztin noch immer kümmerte. Sie legte ihr Schläuche an und spritzte ihr auch Dinge, die ich leider nur zu gut kannte um ihren Schmerz zu mildern. Diese Dinge wirkten auf einen Vampir nur ganz anders. Das war aber alles schon Jahre her.

Jetzt hoffte ich nur drauf, dass es für sie schmerzlindernd wirkte und nicht so berauschend wie bei mir damals.

Die Frau die sie verarztete war speziell hierfür ausgebildet worde, von ihrem Vater. Normale Vampire brauchten nämlich keine Ärzte. Aber da Zara kein ganzer Vampir war, hatte er schon lange vorgesorgt gehabt.

Eins musste man ihm ja lassen. Er war, was Zara anging, bestens vorbereitet gewesen. In jederlei Hinsicht. Selbst Ersatzeltern hatte er in handumdrehen für sie gefunden, die alles für ein Kind getan hätten.

Blutüberströmt am ganzen Körper, kamen die vier nach einigen Minuten zurück. Ich ging davon aus das es Minuten waren, auch wenn sich grade alles wie Stunden anfühlte.

Keiner von uns rührte sich, als wir darauf warteten. Wir warteten einfach darauf, dass sie endlich auwachen würde. Wir wartete auch, als die Ärztin schon lange gegangen war und sie gesagt hatte, dass es Dauern könnte, bis sie wieder bei Bewusstsein war.

Trotzdem standen wir an ihrem Bett und warteten.

Ihr Blut. Ihr kostbares Blut, klebte überall, an ihrem zierlichen und kleinem Körper, der vor mir lag. Dieser Geruch alleine machte mich schon verrückt. Das hatte ich noch nie. Mich hatte noch nie allein der Geruch von Blut so um den Verstand gebracht.

Die Wut die sich in meiner Brust ausweitete, je länger ich sie ansah, war sicher nicht auf sie gerichtet. Ich war so unglaublich sauer auf mich in erster Linie und dann natürlich auf die anderen.

Wie konnte uns allen so ein Fehler unterlaufen? Wie konnte keiner von uns merken, dass jemand in ihrem Zimmer war? Wie konnte keiner von uns merken, dass jemand in dieses beschissene Haus eingedrungen war? Wie konnten wir nur so unglaublich unachtsam sein?

Was für beschissene Beschützer waren wir alle bitte, wenn wir dieses Rudel nicht mal gerochen hatten? Obwohl sie dermaßen gestunken hatten, hatte sie keiner von uns bemerkt. An dieser ganzen Geschichte stimmte etwas gewaltig nicht und das machte mich noch wütender.

"Habt ihr sie alle erwischt?" wollte ich leise knurrend wissen, da ich hoffte, dass sie alle in Stücke gerissen wurden. Denn wenn sie es nicht getan hatten, dann würde ich jeden Wolf und alles was diese Welt bewohnte in Stücke reißen. Anders würde ich für Zara keine Ruhe finden. Das wusste ich.

"Wir haben einen von ihnen mit einer Botschaft zurückgeschickt." erklärte Raf leise, der mich keine Sekunde anblickte. Seine Augen waren auf sie gerichtet und selbst seine Atmung hatte er an ihre flache Atmung angepasst.

Das hier war nur die Ruhe vor dem Sturm, so ruhig wie er gerade klang. So ruhig wie er sich gerade benahm.

"Geht. Ich bleibe bei ihr." forderte er uns dann auf und jeder von uns spürte direkt, dass wir lieber das Weite suchen sollten. Seine Stimme wurde von etwas untermauert, dass man nicht in Worte fassen konnte, aber selbst auf uns wirkten seine Worte so schwer.

Zara Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt