Kapitel 15

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Luis


Unsere kleine Zara verstand ganz offensichtlich nicht, dass sie kein kleines Kind mehr war. Sie sah auch nicht mehr aus wie eines. Die Zeit als sie noch aussah wie eines, war vermutlich die entspannteste in unserem Leben. Da wussten wir auch noch alle, dass wir sie einfach nur zu beschützen hatten.

So wie sie mit Milan feiern gewesen ist, war mir klar, dass er früher oder später durchdrehen würde, deswegen war ich froh, dass ich es nicht war dieses Mal. Vorallem als er sie reinbrachte und sie auf seinen Armen lag und sie nach Alkohol roch, konnte ich verstehen, wieso er so angespannt war.

Niemand ist unerreichbar.

Ihre Worte hallten in meinem Kopf. Immer wieder hörte ich ihre sanfte Stimme, wie sie das zu ihm sagte, als sie in ihrem Bett lag wahrscheinlich. Es klang so schläfrig und ehrlich von ihr, aber sie verstand nicht, dass sie es war. Für uns schon.

Sie kannte ja auch noch nicht alle Fakten, deswegen brachte sie das, sonst hätte sie andere Worte gewählt.

Sie war noch 17, aber sie würde bald ihren 18. Geburtstag hier bei uns feiern und damit würde sich einiges ändern. Gott. Sie würde gerade einmal 18 werden. Wenn ich mir dieses Alter durch den Kopf gehen ließ und mich selber in dem Alter damals, verstand ich erst wieder wie unfassbar jung sie eigentlich noch war.

Sie wirkte auch immer sehr jung, aber das schob ich immer auf mein Alter, dass sie so auf mich wirkte.

Aber gerade merkte ich wieder, dass sie noch unfassbar jung war. Leider. Zu ihrem eigenen Bedauern, da sie mit 18 trotzdem alt genug war, nachhause zurück zu kehren. In das Zuhause das ihr eigentlich zustand. Dahin, wo eine Prinzessin hingehörte.

Ob ihr das gefiel oder nicht spielte leider keine Rolle. Ob es uns gefiel spielte noch viel weniger eine Rolle. Wir würde da sein, wo sie war und sie musste zuück und wir würde sie begleiten, ganz ohne dass wir uns anmerken lassen würde, dass es uns nicht gefiel.

Wir würde sie auch noch bis ans Ende dieser und jeder anderen Welt begleiten. So viel stand fest.

Bald aber müssten wir unsere Prinzessin teilen. Mit em rest ihres Volkes, dass so sehnsüchtig auf sie wartete. Gerade das war der Teil, der keinem von uns gefiel. Sie teilen zu müssen. Es reichte mir schon, sie mit den anderen vier jeden Tag teilen zu müssen, aber jetzt würde sie allen anderen auch noch verpflichtet sein.

"Hör auf in meinen Kopf zu sehen." sagte ich zu Aaron, der gerade seinen Blick zu mir schweifen ließ, als ich noch in Gedanken war. "Du hast sie mir entgegen geworfen." erklärte er mir. Es war das erste Mal, dass ich meine Gedanken nicht unter Kontrolle hatte.

Gerade als ich wusste, mit wem ich sie beschützen würde, hatte ich meine Gedanken trainiert und meinen Geist so weit ausgereift, dass mir sowas nicht passieren sollte. Aber Zara brachte mich durcheinander. Mehr als mir lieb war.

___


Zara's Geruch würde ich auch über Kilometer hinweg noch riechen. Sie war schon fast da, das wusste ich. Ihre Stimme klang nämlich in meinen Ohren. Sie war heute viel früher dran, als normalerweise, wenn sie von der Schule kam.

Das sie da überhaupt noch hingehen wollte, verstand ich nicht. Aber das gehörte zu den wenigen Dingen, die Zara aus ihrem alten Leben noch haben konnte. Auch wenn das auch nur noch für begrenzte Zeit möglich war. Das wusste sie auch, aber sie hielt dran fest.

Sie hielt an ihren Menschendasein noch viel zu sehr fest. Wir konnten das nicht nachvollziehen, weil wir nie Menschen gewesen sind. Wir wussten nichts damit anzufangen.

Zara Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt