Ben
Nachdem wir beide unsere Zigaretten bis zu den Fingerspitzen geraucht haben, macht Eric den ersten Schritt Richtung Treppe.
Die massiven Steinstufen führen uns direkt auf die feuchte Rasenfläche. Ich weiß nicht, ob es in der Nacht geregnet hat oder ob es sich um die Überreste des morgendlichen Nebels handelt.Der Wind ist frisch und hier unten viel stärker als auf der geschützten Terrasse.
Eric reckt den Kopf zum Himmel und ich kann sehen, wie er seine Augen schließt.
Sein Adamsapfel tritt hervor, seine Adern am Hals ebenso. Sie sind nur eine Armlänge von mir entfernt, ich könnte sie berühren und meine Finger über seine weiche Haut gleiten lassen.Doch stattdessen betrachte ich lieber seine langen Wimpern und die glänzenden Haarspitzen, die in dieser Position seine Schultern berühren.
Meine Lippen haben sich unbemerkt geteilt, jede Faser meines Körpers ist weich geworden und dabei, sich auf ihn, diesen gefährlichen Mann, zuzubewegen. Er ist die fleischgewordene Verführung.Zeig keine Schwäche, ermahne ich mich, schlage die Augen nieder und mache einen Schritt zurück.
"Erinnerst du dich an unsere Sommer hier?", fragt Eric.
Er sieht mich aus halb geöffneten Augen an.
Natürlich erinnere ich mich. Die Frage ist nur, auf was genau er anspielt.Meint er unsere Sommer hier draußen in der prallen Sonne, wie wir uns mit Früchten aus der Küche lachend den Bauch vollgeschlagen haben oder spielt er auf den Schweiß an, der über unsere Wirbelsäulen geronnen ist, den wir mit unseren Fingern verfolgten und von der salzigen Haut des anderen leckten?
Spricht er von den Wasserschlachten, die wir uns hier unter den Bäumen im sommerlichen Halbschatten geliefert haben oder den Abenden danach, wenn wir uns wie Einbrecher zurück ins Haus und in mein Zimmer schlichen, die Tür hinter uns verriegelten und erst wieder nach dem Morgengrauen herauskommen würden?
Er kann vieles meinen und zwischen den Zeilen sagen, denn da ist viel zwischen uns.
Es ist viel passiert und das nicht nur in der Sommersonne.
Ich trete das Gras in einem Halbkreis platt und kaue auf meiner Wange herum.
"Ich erinnere mich dunkel."Ich sehe sein Gesicht nicht, aber ich kann spüren, dass er mit dieser wagen Antwort nicht zufrieden ist. Dennoch wird er nicht mehr von mir hören. Ich will und kann dieses Spiel nicht spielen.
Wir würden zu weit gehen, wie immer. Und es würde weh tun, wie immer.
"Wer als Erster an der Bank ist?", fragt er dann, sein Ton plötzlich verspielt, so als wären wir mit einem Mal sieben Jahre jünger.Ich treffe auf das tiefe Blau seiner Augen.
Doch so schnell sie mich in sich aufnehmen, so schnell sind sie auch wieder verschwunden. Nur ein schwarzer Haarschopf wirbelt vor meinen Augen herum und Eric beginnt über das Gras zu sprinten.
Seine schwarzen Lackschuhe treten Erdklumpen aus dem Rasen, die durch die Luft segeln. Das Bild ist abstrakt und majestätisch zugleich.Ich kann mich nicht entscheiden, ob ich lachen oder ihm hinterherblicken soll, ich laufe einfach, renne, sprinte, meine Füße so schnell auf dem Boden aufkommend wie schon lange nicht mehr.
Meine Lungen füllen sich schmerzvoll mit der kalten Luft, aber es ist genau das, was ich brauche.
Meine Haare werden aus meinem Gesicht geweht und ich kann plötzlich alles um mich herum sehen.Die Steintreppe, die Reihe Apfelbäume, die hohen Wohnzimmerfenster, den weiten Himmel und die Schotterwege vor uns.
Der Wind streift Teile meines Gesichts, die schon viel zu lange von meinen Haaren geschützt und abgeschirmt worden sind und deswegen für ihn unerreichbar waren. Ich habe fast vergessen, wie es sich anfühlt, Wind im Gesicht zu spüren. Richtigen Wind, weil man versucht genauso schnell zu rennen wie der Wind selbst.Eric kommt natürlich vor mir bei der Band zum Stehen. Ich höre seine abrupte Abbremsung auf dem feinen Kies, dann muss ich mich als Verlierer vorbeugen und Luft holen.
Seine Schuhspitzen berühren beinahe meine, so dicht stehen wir. Als ich mich aufrichte, trifft mich sein Geruch mit voller Wucht, ich muss beinahe die Augen schließen.
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almost Love [boyxboy]✔
RomanceBen und Eric sind zusammen aufgewachsen. Ben kann sich nicht genau erinnern, wann mehr aus ihrer Freundschaft geworden ist. Aber er erinnert sich, wann er endgültig zusammengebrochen ist: Als Eric gegangen ist. Er war die Stütze, ohne die Ben nicht...