Ben
Song: idontcare - brakence
Der Himmel über mir hat sich in ein dunkles Violett verfärbt, das an den Rändern über der Stadt in ein dunkles Blau ausblutet. Als ich unser Viertel mit den weißen, eckigen Häusern und ihren perfekten Vorgärten hinter mir gelassen habe, die Straßen etwas dreckiger und die Farbe von den weißen Zäunen der Vorgärten gräulich werden, beginne ich mich etwas wohler zu fühlen.
Die abgekühlte Luft des Tages streift die nackte Haut an meinem Bein, da wo die Metallringe den Stoff zusammenhalten. Ich konzentriere mich auf die Musik in meinen Ohren und passe mein Tempo dem Beat an. Wenn es nur immer so sein könnte; ich habe ein Ziel vor Augen und bewege mich ausschließlich darauf zu, habe mit keinen Komplikationen oder Menschen zu rechnen, die mir meine Stimmung vermiesen.
In Fitchburg gibt es eigentlich nur einen Club, in den ich gehe. Und ich ziehe die Kopfhörer erst aus meinen Ohren, als ich unmittelbar vor diesem stehe.
Er ist klein, man könnte ihn fast als winzig bezeichnen und meistens gibt es am Ende des Abends immer eine Prügelei - auch wenn ich an besagtem Abend nicht anwesend bin.
Der Eingang befindet sich in einem Hinterhof, das schmale Gebäude eingezwängt zwischen einem Sonnenstudio und einem Lagerhaus.Der Geruch von Urin und Erbrochenem schlägt mir entgegen, als ich den Türsteher passiere.
"Ich habe das Gefühl hier wird es immer schmutziger", bemerke ich in kühlem Ton und bekomme dafür ein Schulterklopfen, das meine Zähne zusammenschlagen lässt.
Dieser Mann hat mich schon mehr als einmal aus dem Club geschleift, weil ich meinen Mund nicht halten und meine Fäuste nicht bei mir behalten konnte.Aber ich habe nie ein Hausverbot bekommen. Irgendwie habe ich schon immer das Gefühl gehabt, dass wir von derselben Sorte Mensch sind. Da ist etwas in seinen Augen, das mir sagt, dass es mich versteht.
Wahrscheinlich reine Einbildung.Der Kerl weiß, dass ich viel trinke und ein fettes Portmonee habe und ich bringe ein bisschen Aktion in den Laden. Das ist alles.
Wenn man durch die Eingangstür getreten ist, steht man praktisch schon mitten im Club. Rechts ist die Bar, links die Toiletten, es gibt eine steile Treppe, die auf eine Art Balkon führt, von dem aus man die Tanzfläche überblicken kann.Ich bahne mir den Weg zur Bar und ignoriere die skeptischen Blicke, die an meiner Hose hängen bleiben. Dieses Outfit ist etwas für Madison, nicht für Fitchburg.
Ich brauche unsere Stammecke am Bartresen gar nicht erst anvisieren, da höre ich schon ihre Stimmen.Ich brauche ebenso wenig näher als fünf Meter kommen, da haben sie mich schon entdeckt.
"Ich glaub's ja nicht! Scheiße, guckt euch das an, Jungs!"
"Benny Boy!", grölt James und hebt sein Bier.
Ich würde in diesem Moment gerne den verschütteten Alkohol auf der Theke mit seinem Kopf aufwischen und ihm anschließend diesen Spitznamen aus dem Mund schlagen.Es war abzusehen, dass ich hier mindestens einem bekannten Gesicht begegnen würde, aber ich habe nicht mit dem ungünstigen Zufall gerechnet, dass sie alle heute ausgerechnet hier sind.
Mein Plan war es, mir allein und in Frieden so viel Alkohol wie möglich in mein System zu kippen.
Doch jetzt liegen die hungrigen Augen von James' Rudel auf mir, abschätzend und belustigt.Die unbändige Aggressivität schlägt Knoten in meinem Bauch. Ein Rucken geht durch meinen Körper, als Carlos - James' zweiter Schatten und Schoßhündchen - einen Arm um mich schlingt.
"Was geht?", frage ich in die Runde, verberge aber nicht, dass es mich herzlich wenig interessiert und gebe dem Barkeeper zu verstehen, dass ich das Gleiche haben will wie die Jungs."Hab gehört, die nächste Runde geht auf dich?", säuselt Carlos und spitzt die Lippen.
"Besorg dir einen Job", murmle ich.
"Was war das?"
Mit einem Mal stellt er sich zu seiner ganzen Körpergröße auf. Das angriffslustige Funkeln hat seine Augen noch nicht erreicht, aber ich weiß, was als Nächstes kommt, wenn ich nicht gleich mitspielte."Ich sagte, ja, natürlich geht die nächste Runde auf mich."
Carlos wirft seine blonden Locken zurück und jubelt auf, bevor er den Rest seines Biers ext.
Ich begegne James Blick, mein Gesicht eine reglose Masse aus Muskeln und Fleisch.
Wenn ich nicht gleich ein bisschen Alkohol meine Kehle hinunter laufen lassen kann und etwas einwerfe, wird dieser Abend ein trauriger.James zieht einen Barhocker neben sich und deutet mir, mich zu setzen.
"Du hast mir gar nicht geschrieben", sagt er, ohne mich anzusehen.
"Ich bin hergelaufen."
"Du konntest aber nicht wissen, dass wir hier sind."
"Na und?"Er grinst in seine Flasche.
Glaubt er ernsthaft, ich, Ben Rosethorn, brauche ihn, um zu feiern?
Ich drehe einen der Ringe an meinem Mittelfinger, solange bis endlich ein Bier vor mich geknallt wird. Im Gegenzug reiche ich meine Kreditkarte über die Bar. Es besteht kein Zweifel, dass der Mann dahinter gehört hat, dass die nächste Runde auf mich geht."Du siehst ziemlich mitgenommen aus. Nicht gut geschlafen?"
James wirft mir einen kurzen Blick zu und zieht ein Augenlid herunter, um mir zu demonstrieren, dass ich in seinen Augen wie ein Zombie aussehe.
"Ich habe dir doch extra Pillen zum Schlafen dagelassen, hast du die etwa schon wieder aufgebraucht?"Er klingt beinahe enttäuscht, darüber, dass ich seinen guten Stoff so in mich hinein schlinge, ohne ihn zu genießen.
"Nein. Nein, habe ich nicht", presse ich mit einem Schwall angehaltener Luft heraus und falte die Hände auf dem roten Holz vor mir.
Ich presse sie so stark zusammen, dass meine Finger weiß werden und mein rechtes Handgelenk zu stechen beginnt."Hey, wenn du dich lieber zu den coolen Kids setzen möchtest, bitte. Ich halte dich nicht auf", lacht er, als er auf meine verkrampfte Haltung aufmerksam wird, und deutet in die Richtung der über Vierzigjährigen Stammgäste, die die Flanke der Bar schon bezogen haben, als wir in die Vorschule gekommen sind.
"Hör zu, James. Ich bin hier hergekommen, um ein bisschen Dampf abzulassen und runterzukommen, okay? Nicht um mir Moralpredigten anzuhören", knurre ich und beuge mich in seine Richtung, in der Hoffnung, dass er an meinem Gesicht ablesen kann, dass ich nur noch Sekunden davon entfernt bin, ihn zu schlagen.
"Okay, verstanden. Dann komm auch runter."
Er hört sich an wie ein Vater, der mit seinem bockenden Kind in höchster Autorität spricht oder wie eine Coach, der seinem versoffenen Quarterback die Leviten vor einem wichtigen Spiel liest.
"Dann halt deinen Hund an der Leine."
Mit diesen Worten nicke ich zu Carlos, der gerade anscheinend einen unglaublich witzigen Witz gemacht hat.James nickt und legt den Kopf erneut in den Nacken. Nach seinem letzten Schluck schiebt er mir eine kleine Tablette über den Tresen.
Es kümmert mich nicht, was es ist, ich schlucke sie einfach mit einem großen Schluck Bier herunter und bemerke mit Erleichterung, wie meine Umgebung leiser wird, bis ich irgendwann nur noch meinen Herzschlag in unnatürlicher Lautstärke in meine Ohren höre.__________________________________
Leute, Wochenende ist work-time für Lisa, also halte ich mich kurz.
Ich hoffe, ihr habt einen schönen Sonntag, könnt es euch gemütlich machen oder etwas Schönes machen - whatever that may be.Ben ist leider wirklich ein kleiner Schwächling, er kann sich nicht für sich selbst einsetzen und eben auch nicht Nein sagen, schon gar nicht zu James.
(Und die von euch, die James schon kennen, wissen, dass James das schamlos ausnutzt...)Alright, sending u good vibes for monday.
All my Love,
Lisa xoxo
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almost Love [boyxboy]✔
RomansaBen und Eric sind zusammen aufgewachsen. Ben kann sich nicht genau erinnern, wann mehr aus ihrer Freundschaft geworden ist. Aber er erinnert sich, wann er endgültig zusammengebrochen ist: Als Eric gegangen ist. Er war die Stütze, ohne die Ben nicht...