I chose the water that i'm in (2)

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"Wir sehen uns wieder! Verlass dich drauf!", hatte er mir noch zu gezischt, bevor er sich zurückgezogen hat. Dass er Recht behalten hat, steht außer Frage, steht unser nächstes Zusammentreffen doch schon bevor. Draußen hatte er mich angetrieben, bald schon wird er mich lähmen. Mir den Weg versperren und Muskeln und Atem lähmen. Mir Schatten vor die Augen werfen und selbst die leisesten Geräusche in meinen Ohren hallen lassen. Wenn es dunkel wird und die Augen kaum mehr sehen können, hat er in meinem Kopf freie Bahn.

Diese Situationen suche ich mir zwar nicht immer aus, dennoch sind sie ein Teil meines Alltags. Warum also der Titel? Weil ich es selbst zulasse. Weil ich für mich zwar eine Strategie gefunden habe, dennoch lasse ich es bewusst zu, mich mit ihm auseinander zu setzen. Es gibt genug Möglichkeiten, dem aus dem Weg zu gehen. Zur Lösung beitragen tut keine davon. 
Mein Dämon wird wach und ich lasse ihn groß werden. Ich bin mir seiner bewusst.
Die Abendstunden mögen für manch einen romantisch sein. Zeit für sich, Feierabend, Zeit für seinen Partner. 
Wenn die Sonne untergeht und ich Zeit für mich hätte, ohne meinen Partner oder Freunde in meiner Nähe, kriecht mein Dämon aus seinem Versteck. Die Umgebung in der ich mich befinde bekommt ein neues Gesicht. Die sichere Wohnung, mein Lebensmittelpunkt, mein Zuhause.... Sie wirkt wie ein Käfig ohne Ausgang. Ein Gerätehaus mit Fahrzeugen, die Schutz und Hilfe zur Aufgabe haben, wird zum Labyrinth aus Irrwegen und Tretminen. Türen und Fenster werden zu Sicherheitslücken, Fahrzeuge zu perfekten Versteckmöglichkeiten. Kleidungsstücke und Möbelstücke nehmen Gestalten an und ein leises Knacken von Holz klingt wie eine Explosion in meinem Kopf. 

"Hast du mich vermisst? Was schaust du mich so an? Sieh dich doch um. Es ist dein Zuhause. Hast du schon alles verschlossen? Bist du dir sicher, dass du hier allein bist?", ich habe ihn nicht vermisst, wusste ich doch, dass er wiederkommt. Zum ersten Mal drehe ich eine Runde durch die Wohnung. Haustür? Zu. Abgeschlossen. Bad? Niemand dort. Jalousie herunter, Fenster zu, noch ein letzter Blick rein, Licht aus, Tür zu.
Vorratsraum? Lieber reinschauen. Niemand drin, Licht aus, Tür zu. Die ganze Wohnung nach diesem Schema kontrolliert. Es wird nicht das letzte Mal sein heute Abend. Ganz zu schweigen von jedem Gang ins Bad. Umdrehen, in die Ecken schauen, Licht an, Licht aus, Tür zu. Umschauen, weitergehen, Tür zu. Mein Dämon sitzt in meinem Nacken. 
"Was soll denn passieren?", hatte mich mal ein Freund gefragt. Ich habe darauf keine Antwort. Ich will es mir auch nicht vorstellen.

Der Gang ins Bett ist schwerste Gang des Abends. Nach einer Runde durch die Wohnung, Lichter aus, Tür hinter mir zu. Kleines Licht im Schlafzimmer an. 
"Alles kontrolliert? Das Bett ist schön warm nicht wahr? Am liebsten würdest du nun das Licht ausschalten und dich auf deine rechte Seite drehen. So schläfst du doch am besten.....", mein Dämon grinst in mich hinein. "Wenn du dich jetzt zur Seite drehst, könnte etwas an deinem Bett stehen. Es könnte einfach hinter dir stehen, und du hättest ihm schutzlos den Rücken zu gedreht. Oh und du möchtest das Licht ausmachen? Strom sparen? Tja, schade nur, dass du dann nichts mehr siehst.... Wenn es nun im Schlafzimmer wäre..."
Okay, versuchen wir es. Licht aus, Decke hochziehen, Augen zu. Es ist alles gut. Den Rücken an die Wand gedrückt, auf der linken Seite schlafen geht wohl auch. 
Die Augen wollen noch nicht zu und blinzeln in die Dunkelheit. Kein Muskel bewegt sich, mein Atem geht nur flach. Spärliches Licht dringt vom Radiowecker in den Raum. Die Ohren lauschen in die Stille. Wenn etwas in der Wohnung ist, wird es mich nicht hören.
War da nicht ein Geräusch? Und was steht dort in der Ecke? Bewegt es sich? Neben dem Bett steht etwas, es wird größer... 

Die Hand schnellt zum Lichtschalter, die Augen blinzeln bis sie sich an das Licht gewöhnt haben. Das Geräusch war ein Knacken des Holzes im Türrahmen. In der Ecke steht ein Stuhl mit Kleidung und neben dem Bett parkt der Wäscheständer. Mein Dämon lacht mich hämisch aus.
"Na los doch, versuch es doch. Du bist doch kein kleines Mädchen mehr. Merkst du, wie du nochmal ins Bad musst? Schade, dass du so viel getrunken hast. Vielleicht wartet es ja im Flur auf dich. Wenn du die Tür aufmachst wird es dich anspringen, noch ehe du den Lichtschalter um die Ecke erreicht hast."  
Ja, ich muss nochmal zur Toilette. Die Gedanken kreisen herum. Halte ich bis morgen durch? Nein. Will ich aufstehen? Ja. Wirst du dann erneut die Tür nur einen Spalt aufmachen, so schnell es geht den Lichtschalter suchen, dich mit klopfendem Herzen umschauen und dann zum Bad gehen? Danach wieder im vorbeigehen die Haustür kontrollieren, dich wieder umsehen und dann so schnell du kannst unter die Bettdecke springen? Dann durchatmen und versuchen, dich selbst wieder unter Kontrolle zu bekommen? Ja. 

Er hat mich wieder hereingelegt. Heute hat mein Dämon mich besiegt.
Also bleibt das kleine Licht heute Nacht wohl doch wieder an.

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