...wie ein Chatfenster (Teil2)

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"Für nichts, alles gut, wirklich. War nur so in Gedanken." ich weiche einen Schritt zurück. Ich weiß was gleich passiert und ich will es vermeiden. Eine meiner schlechtesten Angewohnheiten: Wenn man mich darauf anspricht, brechen die Tränen erst richtig aus. Und die fangen schon an zu laufen.
"Tobi entschuldige die Störung, aber ich muss los....", ich will mich umdrehen und zur Ladentür gehen. Bis zum Griff der Tür sind es nur 2 Meter. Ich ziehe sie auf und stolpere die Treppe herunter in die Arme eines Mannes. Mit einer Mütze.

"Hallo Jessy... dachte ich mir doch, dass etwas im Busch ist. Willst du dich etwa....", Thomas, mein ehemaliger Lehrer steht, vor mir. Der Mann mit der Mütze. Eigentlich hätte ich nur genauer hinsehen müssen, um ihn in der Buchhandlung schon zu erkennen.
"Thomas.. nein ich äh, wollte nur jemand besuchen.. ich muss jetzt auch..", stammele ich und will seinem Blick entfliehen. "Ich glaube du musst ganz dringend reden, meinst du nicht?", Thomas greift nach meinem Arm und hält mich fest. "Das glaube ich allerdings auch...", entgegnet Tobi, der in der Tür des Ladens steht und stellt sich als Freund von mir vor. "Wir können hier ins Hinterzimmer gehen und mal in Ruhe über das reden, was hier vor sich geht."

Thomas drückt mich in Tobis Richtung und ich lasse mich in den Laden und hindurch Richtung Hinterzimmer schieben. Im vorbeigehen zupft Tobi noch eine der schwarzen Rosen aus dem Gedeck, welches mich so in seinen Bann gezogen hatte. 
Dort angekommen lasse ich mich in den Stuhl fallen, der am nächsten an der Tür steht. Tobi und Thomas sprechen miteinander, wahrscheinlich erzählt Thomas, was gerade bei mir alles los ist... während ich einfach nur da sitze und versuche, meine Tränen zu stoppen. Nach einer Weile setzen sie sich zu mir.
"Also, nachdem ich jetzt ungefähr weiß, in welcher Situation du steckst möchte ich dir erst einmal sagen, dass ich jederzeit für dich da bin, okay?", beginnt Tobi. Ich nicke nur. Thomas ergreift das Wort.

"Ich habe mir nach unserem Gespräch schon gedacht, dass es dir heute besonders schlecht geht. Und bin dir daher gefolgt. Eigentlich wollte ich im Laufe des Nachmittages bei dir klingeln um nach dem Rechten zu sehen, aber dann hast du das Haus verlassen. Aber ich hätte nicht gedacht, dich hier anzutreffen.", er schaut mich fragend an. Meine Tränen laufen immer noch und ich bleibe stumm. Ich will nicht darüber reden und hülle mich in schweigen.
Thomas redet weiter: "Jessy, ich habe gesehen, dass du dich verletzt hast. Dein Ärmel ist heute morgen hochgerutscht." Na toll, das auch noch. Ja, es stimmt, ich habe geschnitten. Und heute war es nicht das erste Mal, auch nicht das zweite oder dritte... Als ich wieder nicht antworte nimmt Thomas meinen Arm und bevor ich wegziehen kann schiebt er meinen Ärmel bis zur Ellbeuge rauf. 
Tobi atmet tief ein und ich spüre förmlich, wie sein Blick auf meinem Arm ruht. Ich weiß, dass das scheiße aussieht und ich weiß auch, dass es noch blutet. Thomas kramt ein Taschentuch aus seiner Jacke und drückt es auf die blutenden Stellen, während Tobi einen Verbandkasten aus dem Schrank im Büro holt. 

Mein Arm ist verbunden, so gut es geht. Und ich sage immer noch nichts... Ich möchte einfach nicht noch tiefere Abgründe offenbaren, als die beiden eh schon wissen. Ich weiß ja nicht einmal selbst was ich eigentlich noch will und was nicht. Eigentlich nur, dass es aufhört, egal wie. 
Nach einiger Zeit der Stille, in der ich meine Tränen etwas stoppen konnte, legt Tobi die schwarze Rose auf den Tisch. "Jessy, du magst schwarze Rosen gern, richtig??" Ich nicke.
"Magst du sie wegen der Farbe oder wegen der Bedeutung?", fragt er weiter. Halb offene Fragen sind doof, wenn man nichts sagen will, darum antworte ich: "Bedeutung."
Thomas schaut fragend. Tobi klärt auf: "Die schwarze Rose steht für Trauer und Tod, schreckliche Erfahrungen oder große Opfer, die man gemacht oder erbracht hat." er wendet sich an mich: "Du hast schreckliche Erfahrungen gemacht. Aber sei jetzt bitte ganz ganz ehrlich zu uns: Du magst sie wegen der Bedeutung des Todes, oder?"


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