In tiefer Dankbarkeit

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**Achtung Triggergefahr
Manche Briefe kann man leider nicht mehr selbst abgeben, aber Menschen, die noch im Herzen wohnen, können die Gedanken hören.**

Wenn der Zug des Lebens hält, steigen Menschen aus unserem Zug aus und neue steigen ein. Es ist ihre freie Wahl behütet und sicher zu kommen oder zu gehen. Jede Veränderung des Lebens bezeichnet einen neuen Bahnhof. Die Endstation des Zuges ist gleichsam das Ende unseres Lebens. Wir können jederzeit aussteigen, den Zug eines Lebens ohne uns weiterfahren lassen, statt bis zur Endstation zu bleiben.
Doch manchmal kommt der Moment, wo wir keine Zeit haben, auf den nächsten Bahnhof zu warten. In dem uns nur wenig Zeit bleibt, uns auf einen Abschied vorzubereiten. Ein Moment, wo wir zwei Schritte zurück gehen und instinktiv Anlauf nehmen. Die dunkle Wand kaum bemerken, auf die der Zug unaufhaltsam zusteuert, an der er mit einem lauten Knall zerschellen wird.
Irgendwann kommt der Moment, wo wir abspringen müssen um dem Untergang zu entrinnen.

Mit mehr oder weniger großen Blessuren stehen wir plötzlich mitten im Nichts und jeder für sich kämpft sich allein zurück zu einem Bahnhof, an dem wir uns zur Ruhe setzen können. Wir nutzen, was wir gelernt haben, kramen unser Wissen hervor und suchen nach neuen Wegen. Um irgendwann wieder aufzustehen, den Staub abzuschütteln und vielleicht unseren eigenen Zug wieder in Gang zu setzen. Es wird nie alles gut werden, es wird nur anders.
Aber wir haben die Gewissheit, sollte das neue Gleis uns doch auf eine schiefe Bahn führen, werden wir dieses Mal bereit sein... zu springen.
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"Dear K,
Mein Brief wird dich auf Erden nicht erreichen. Aber ich weiß es ganz genau, dass meine Gedanken dich finden werden, ich muss sie nur fliegen lassen... Und ich möchte dir etwas sagen:

In deinem Zug saß ich immer weit vorne. Erst spät bin ich bei dir eingestiegen, dennoch hast du mich direkt in dein Herz genommen. In dir habe ich einen Fixpunkt gesehen. Eine beständige Möglichkeit, mich festzuhalten, wenn alle anderen Haltepunkte zu weit entfernt sind. Du standest am Gipfel des Berges, den ich mit Müh und Not versuchte hinauf zu laufen. 'Wenn du es geschafft hast, werde ich dich in Empfang nehmen und wir fahren zusammen durch die Nacht', riefst du mir zu. Rollende Steine aus dem Weg räumend hab ich zu dir aufgeschaut und mir gewünscht so zu sein wie du. Lebensfroh, ein bisschen verrückt und das Leben nicht so ernst nehmend.
Ich war für dich nur ein weiterer Mensch in deinem Zug. Und doch, hast du mich nie übersehen.

Bedenke, dass wenn du jemanden durchs Fenster anschaust, er dich genauso sehen kann.
Das hast du mir beigebracht. Ich kann niemanden anschauen, ohne, dass er mich auch sehen kann. Kann mich nirgends vorbei schleichen, ohne irgendwann aufzufallen.
Genauso wie ich immer sehen konnte, wenn du meine Nachrichten gelesen hattest...
Oftmals habe ich versucht, Kontakte zu finden und erst einmal wie durch ein Fenster beobachtet, was das für Menschen sind. Ich hatte Angst, mich wieder auf jemanden einzulassen. Mich wieder emotional an jemanden zu binden, der dann wieder geht und mich in meinem Scherbenmeer zurücklässt. Der mir weh tut, so wie jemand es damals getan hat.
Du hast mir beigebracht, nicht mehr nur hinter dem Fenster zu schauen. Mich raus zu trauen und zu zeigen, wer ich bin.

Ein Mensch misst sich nicht an seinen Worten, sondern an seinen Taten.
Trotz der Tatsache, dass ich nur eine sehr gute Freundin war, hast du mich nie vergessen. Und immer, wenn ich über neue Steine gehen musste, hast du mir die Hand gereicht. Warst immer für andere da, ohne an dich selbst zu denken. Hast deine Passion dem Menschen gewidmet und hättest jederzeit freiwillig dein Leben gegeben, um ein anderes zu retten. Zu dir habe ich aufgeschaut. Du hast mir ein Stück meines Weges geebnet...
Wenn du sagtest, dass du mich besuchst, hast du es auch getan. Du sagtest, wir gehen zusammen in die Stadt und so war es. Du sagtest, dass du mir beim lernen helfen möchtest. Und das hast du getan. Nie hast du mich liegen lassen.
Du hast mir versprochen, dass wir zusammen mit Blaulicht durch die Nacht fahren.... und auch das hättest du mit mir getan...

Im Schutze eines Anderen gewachsen sind wir die ersten, die drauf gehen... weil wir nicht gelernt haben uns selbst zu schützen.
Dennoch denke ich mit einem weinenden Auge daran zurück. Nicht, weil du mir weh getan hättest... sondern weil ich nicht gemerkt habe, wie sehr mein stolperndes Ich sich an dir festgehalten hat. Je mehr ich an dir gewachsen bin, desto abhängiger wurde ich. Konnte immer darauf vertrauen, dass du da warst. Denn das hast du mir versprochen. Dass du immer in meinem Herzen bleibst und ich in deinem. Auch wenn unsere Wege sich immer wieder trennten und wieder zusammenfanden warst du ein Schutzschild, hinter dem ich Deckung fand. Leider habe ich dadurch eines verlernt...
Die rollenden Steine allein zu überspringen. Verluste alleine zu bewältigen und damit zurecht zu kommen, wenn jemand sich abwendet.

Niemand kann ahnen, wo sein Zug zum letzten Mal hält. Eine letzte Möglichkeit auszusteigen gab es nicht mehr. Erst als es Zeit war zu springen, haben wir aufgeschaut. Es erst als wir draußen am Boden lagen gemerkt dass wir gesprungen sind. Und erst, als wir die Trümmer sahen haben wir verstanden. Dein Zug ist zerschellt und wir konnten nichts dagegen tun. Ratlos standen wir zusammen und wussten nicht weiter. Außer das zu tun, was du uns beigebracht hast:
Für andere einzustehen. Uns von unserem Herzen leiten zu lassen und immer daran zu denken, dass wir uns selbst nicht die nächsten sind. Menschen in unser Herz aufzunehmen.
Und geliebte Menschen mit guten Erinnerungen gehen zu lassen. Denn manchmal ist es an der Zeit, Menschen für die gute Zeit mit ihnen zu danken und sich zu verabschieden.

Ich stehe jetzt auch oben auf dem Berg, wo du gestanden hast, bevor der Zug zerschellte. Und schaue in die Täler hinunter, durch die ich gegangen bin. Als du weg warst, habe ich mich zurückgezogen. In einer Kapsel versteckt und nur das Nötigste getan, um nicht rückwärts den Berg wieder hinunter zu fallen. Aber irgendwann habe ich doch gelernt alleine zu laufen. Ich habe es geschafft, bis dahin, wo ich nun stehe. Kann jetzt das gleiche tun wie du.
Und immer wusste ich, du bist da. Manchmal glaube ich, kann ich deine Hand auf meiner Schulter spüren. Dein Lächeln im Gesicht sehen und das Wort hören, was du mir so oft als Frage gestellt hast: "Penny?" Ein Penny für meine Gedanken....
Immer wolltest du wissen, was und wie ich denke. Ich vermisse deine Umarmungen, die Zeit wo wir zusammen gelacht haben. Ich vermisse dich als meinen besten Freund.
Aber ich möchte dir sagen, es geht mir gut. Ich bin in einen neuen Zug eingestiegen. Jemand der dir sehr sehr ähnlich ist. Ich wünsche mir nur, nicht noch einmal springen zu müssen.

Für so vieles möchte ich hier und jetzt Danke sagen. Für die Zeit mit dir, die Gespräche, die Spaziergänge am Wasser, all das, was ich von dir gelernt habe. Besonders für die schönen Erinnerungen, wenn die Melodie unseres Liedes erklingt. Die eine die immer lacht....
Ich danke dir aus tiefstem Herzen."

Es tut weh, sagt das Herz. Es wird vergehen, sagt die Zeit. Aber ich komme immer wieder, sagt die Erinnerung.
1982-2016 K

StorytellingGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt