Wir waren geboren um zu Leben,
mit den Wundern jeder Zeit,
sich niemals zu vergessen,
bis in alle Ewigkeit.
Wir waren geboren um zu leben,
für dein einen Augenblick,
bei dem jeder von uns spürte,
wie wertvoll Leben ist.
- Unheilig-
Was bedeutet Leben? Was bedeutet Glück? Was bedeutet Freiheit?
Welcher Moment hat dir am meisten gezeigt, wie schön es ist zu Leben? Was hat dich in deinem Leben so glücklich gemacht, dass du heute daran zurück denkst? Wann warst du zum letzten Mal innerlich richtig lebendig?
Vor einigen Monaten habe ich mir einen Traum erfüllt. Bin einen Weg gegangen, habe einen Ort besucht, an dem ich einen unvergesslichen Moment erlebt habe. Ein Moment, der mir damals wie heute die Tränen der Freude in die Augen treibt. Ein Moment, der mir gezeigt hat, wie schön es ist, zu leben. Ein Moment, in dem ich auch innerlich zu einhundert Prozent gelebt habe. Wo Naturgewalten aufeinandertreffen, wo das Tor zur Welt jedem offen steht.
Es war nicht das erste Mal. Als kleines Mädchen hatte ich diesen Ort schon einmal besucht. Aber erst an diesem Tag im Juni hatte ich seine Magie zu schätzen gelernt.
Eine Insel in der Nordsee. Wie lange war ich nicht dort gewesen, wie sehr hatte ich mir gewünscht, dort noch einmal hin zu kommen. Es musste bestimmt achtzehn oder neunzehn Jahre her sein. Damals war ich diesen Weg mit meiner Familie gelaufen. War mit meinem Bruder über die roten Pflastersteine durch die grün bewachsenen Dünen um die Wette gelaufen.
An diesem Tag ging ich den gleichen Weg wie damals allein. Meine Begleitung wollte später nachkommen. Es war dieser eine erste Tag unseres Urlaubs. Mich zog es die altbekannten Wege in Richtung des Rauschen. Bis hierher war das Jahr anstrengend gewesen, ich hatte mich körperlich verändert und war mitten drin, mit meinem Körper eins zu werden. Als die roten Pflastersteine begannen, zog ich meine Schuhe aus. Spürte bereits kleine Sandkörner an den Füßen und den frischen Wind um meine nackten Unterschenkel. Schritt für Schritt genoss ich das Gefühl dieser Vertrautheit. Die grün bewachsenen Hügel der Dünen, die vertrauten Pflastersteine, der Wasserturm, die kühle Brise um die Nase.
Vorbei an Bänken mit Menschen, vorbei an kleinen Pfaden, die in die Dünen führten folgte ich den Steinen unter meinen Füßen. Magisch angezogen vom Rauschen der Nordsee steuerte ich auf den Strandaufgang zu. Mehr und mehr Sand hatte sich bereits angesammelt und die Pflastersteine waren Holzbohlen gewichen, die den Weg durch die letzte hohe Düne wiesen. Das Holz von der Sonne angewärmt, der warme Sand unter den Füßen. Nur noch wenige Meter zum höchsten Punkt der Düne. Noch einmal sah ich mich um, wendete meinen Blick zurück auf die Wege in den Dünen. Sah Kinder rennen und erinnerte mich an mein kleines Ich zurück.
Ein Lächeln huschte über mein Gesicht und mein inneres Kind rief mir zu: "Lass uns endlich weitergehen."
Verstohlen nickte ich mir selbst zu, drehte mich um und nur wenige Schritte trennten mich von einem Moment, den ich so sehr vermisst hatte.
Mit jedem Schritt sah ich einen Ort, der für mich zu einer Art Ruhepol geworden ist. Das Wasser tauchte vor meinen Augen auf. Am Horizont große Wellen, die zum Strand hin ausrollten. Das Rauschen, wenn sie sich brachen, wurde vom Wind Richtung Insel getragen. Der helle, reine Strand lag dort, wie er damals schon dort gelegen hatte. Kurz blieb ich stehen und schloss die Augen. Zog die Luft tief in meine Lungen ein und lies das Rauschen des Meeres direkt in mein Herz. Der erste Anblick dieses Ortes brachte mir Gänsehaut über den Körper.
Über die warmen Holzbohlen war der Weg frei, hinunter zu gehen. Bald schon endete der hölzerne Weg und entließ mich auf die Weite des Strandes. Durch den trockenen, pulvrigen Sand ging ich langsam zum Wasser. Hier und da waren Muscheln im Sand, je näher das Wasser kam, desto mehr.
Was in unserem Leben ist beständig? Alles wird sich irgendwann verändern, sich weiter entwickeln oder verschwinden. Aber dieser Ort hatte es nicht getan. Dieser Ort war noch genauso magisch wie damals.
Nach dem ersten Schritt, bei dem das Wasser meine Füße umspülte, blieb ich stehen. Mein Blick ging geradeaus, erhoben streiften die Augen den Horizont. Blauer Himmel, vereinzelte Wolken zogen gemütlich ihren Weg. Innerlich schrie mein inneres Kind seine Freude heraus. In meinem Herzen kam ich nicht umhin Gott zu danken. Danke, dass ich diesen Moment erleben kann. Es ist kein Ort, den man nicht jederzeit wieder besuchen kann. Aber es ist ein Moment, der nur ganz selten entsteht. Ein Moment in dem ich mich vollkommen fühlen konnte.
Eine Weile stand ich einfach nur dort und sah aufs Meer hinaus. Ab und an unterbrach das Geschrei von Möwen die Stille um mich herum. Damals als Kind hatte ich meine Freude durch springen und Lachen zum Ausdruck gebracht. Das kleine Mädchen, was es kaum erwarten konnte, endlich ins Wasser zu laufen. Nun wuchs mein Lächeln zu einem breiten Lachen. Tränen sammelten sich in meinen Augen und wieder ging ein Wort des Dankes durch meinen Kopf.
Bald drehte ich mich weg und lief eine ganze Weile parallel zum Wasser am Strand entlang. Mit jedem Schritt spürte ich, dass ich frei bin, glücklich bin, lebendig bin.
Was bedeutet Leben?
Ein schlagendes Herz und zirkulierendes Blut? Vielleicht. Heute kann ich sagen was Leben für mich bedeutet:
Eins mit seinem Körper zu sein, einen Moment wie diesen zu einhundert Prozent zu erleben und sich selbst und den Moment mit dem ganzen Körper zu spüren. Zu frösteln, zu lächeln, zu weinen, mir selbst zu danken, dass ich bis hierher mein Leben gelebt habe. Nicht aufgegeben zu haben um etwas zu erleben, was mir auf lange lange Zeit Tränen der Freude bereiten kann.
Was bedeutet Glück?
Dass die Planung, diese Reise zu machen geklappt hat? Vielleicht. Glück ist ein Moment der absoluten Harmonie. Wo alles schlechte und alles negative egal ist. Wo die Gedanken fliegen lernen und der Körper entspannen kann. Einen Moment wie diesen aufzusaugen, ihn festzuhalten und tief in sein Herz herein zu lassen. Ihn dort zu wahren und zu achten. Ihn mit Erinnerungen zu schmücken, die mir innerlich ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Erinnerungen, die Herz und Seele heilen lassen.
Was bedeutet Freiheit?
Mich frei hier bewegen zu könne? Bestimmt. In diesem Moment fühlte ich mich frei. Frei von all den Gedanken, die mich so lange bedrückt hatten. Frei von Erinnerungen, die mir so oft weh getan hatten. Frei von dem Gedanken, was andere gerade über mich denken. Einfach da zu sein. Ohne eine Aufgabe, ohne eine Verpflichtung, ohne einen Grund haben zu müssen. Einfach im Hier und Jetzt zu sein und diesen Moment mit allen Sinnen uneingeschränkt genießen zu können.
Das bedeutet für mich zu leben. Für diesen und andere Momente bin ich dankbar zu leben. Froh, es nicht leichtfertig aufgegeben zu haben. Dankbar, dass meine Eltern mir dieses Leben geschenkt haben. Wir sind geboren um zu leben.
Ich habe verstanden, dass es dieses Leben nur ein einziges Mal gibt. Und dass es von dem lebt, was wir daraus machen.
Jeder Moment, den wir in unser Herz lassen, lässt die Seele ein bisschen heller erstrahlen. Und in einem Moment der Dunkelheit leuchtet er uns den Weg.
Wir haben nur dieses eine Leben. Warum also sollten wir nicht öfter solche Momente einfangen und sie zusammen mit unseren Erinnerungen in unserem Herzen weiterleben lassen?
Was bedeutet dir dein Leben?
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Storytelling
قصة قصيرةKleinere und größere Stories rund um sensible Themen 😊 Manche sind wahr, andere vielleicht nur ein Traum. Nach meinem Buch "Dienstangelegenheiten" schreibe ich hier alles, was mir so durch den Kopf kommt. Have Fun 😊
