"Was wollte der denn?" fragt Charles säuerlich.
Verwirrt zucke ich mit den Schultern. "Ich habe keine Ahnung.", antworte ich wahrheitsgemäß.
"Ich geh dann Mal zur Schule." mit einem Entschuldigenden Blick zieht er mich von der Tür weg, an welcher ich bis vor kurzem gelehnt habe.
"Bis dann.", grummle ich als Antwort.
Völlig durcheinander setze ich mich an den Küchentisch und rühre einmal meinen Kaffee um. Wieso kann nicht wenigstens alles einmal so laufen wie es sollte? Einmal in meinem Leben habe ich doch etwas Glück verdient. ich bin doch auch nur ein Mensch.
"Hey Mom, kann ich vielleicht-", quassele ich direkt los als sie den Hörer abnimmt.
"Nein.", unterbricht sie mich. "Aber-" versuche ich es noch einmal.
"Du gehst heute zur Schule! Der Schulleiter hat uns extra versprochen eine kurze Ansage über Olivia zu machen! Du weißt das es Kritsch um sie steht."
"Dein Kind stirbt vielleicht und du kümmerst dich lieber um eine Scheiß Lautsprecherdurchsage.", sage ich entsetzt und lasse vor Wut meine Tasse auf den Boden fallen.
Genervt stöhnt sie auf. "Du gehst gefälligst zur Schule! Du kannst auch gerne in ein Heim gehen wenn es dir nicht passt! Tschüss."
Das Piepen welches aus dem Telefonhörer dringt macht mich schier wahnsinnig. Einfach aufgelegt! Als ob sie es überhaupt nicht interessiert wie es mir geht! Meine Schwester stirbt vielleicht und ich soll schön zur Schule gehen und eins auf mitleidiges Mädchen machen! Die hat sie ja wohl nicht mehr alle!
Fehlt nur noch das sie einen 'Babysitter' auf Olivia im Krankenhaus ansetzt der sie immer anruft wenn es etwas neues gibt, so dass sie ihre Freizeit genießen können. Ach was, stimmt Olivia würde sie so etwas nicht antuen sie ist ja ihr Lieblingskind. Wenn ich dort läge würde sie das Knallhart durchziehen.
Man kann sich nie ganz an die Sache gewöhnen das die eigene Mutter sich nicht wirklich für einen interessiert, aber so ist das Leben! Nichts mit Friede, Freude, Eierkuchen! Das ist die Realität, das echte Leben!
Ich werde niemals eine von denen die sich alles so zurecht drehen und wenden wie es ihnen gerade passt, denn diese Menschen haben keine Ahnung! Sie sind zum kotzen, man soll gerade stehen für das was man getan hat. Stolz darauf sein was man erreicht hat.
Sei so wie du willst, du musst dich vor niemandem verstellen. Und wie nennt man dann das was du jeden Tag machst? Na super, jetzt hast du meine kreative Phase gestört. Das ist außerdem etwas ganz anderes! Sei stolz auf das was du bist, nicht auf das was du sein willst. Schon gut, hab ja verstanden
DU kannst dich vor niemanden verstellen, der dir ernsthaft etwas bedeutet. Okay ich mache es, solange du dann endlich die Klappe hälst! Jetzt lass mich weiter Psychologieren . Philosophieren...Ist doch egal! Sei jetzt still!
Vielleicht habe ich es ja verdient so ein Leben zu leben. Wer weiß?
Mit einer Kehrschaufel versuche ich so gut wie möglich alle Stücke der zerbrochenen Tasse einzusammeln, wenigstens konnte ich den Kaffee austrinken bevor sie komplett zerstört wurde.
Noch fünfzig Minuten bis die Schule beginnt, heute scheint es als würde ich es doch Mal rechtzeitig schaffen.
Frisch geduscht stehe ich vor meinem Kleiderschrank und suche die üblichen Sachen heraus. Ein Freund ist kein wahrer Freund, wenn er dich nicht so akzeptiert wie du bist...
Und ich bin...
eine Cheerleaderin!
Ava wird es schon verkraften das ich im Team bin und sie nicht, immerhin bin ich ja auch nicht sauer wenn sie Sachen mit anderen Freunden von sich unternimmt.
Mein Gehirn hat recht, sie muss mich so akzeptieren wie ich bin und was ich mache, Cheerleaderin. So habe ich das aber nicht gemeint... Mir ist bewusst wie du das gemeint hast.
Dann eben das kurze blau-weiße 'Kleidchen', die typische Cheerleader Uniform unserer Schule.
Warum auch nicht, ich meine ich kann ja Mal was neues ausprobieren. Verrückt sein.
Schritt für Schritt komme ich der Bushaltestelle näher, hoffentlich fährt Ava nicht mit. Meine Haare habe ich heute Mal ein wenig gelockt und statt meinem Ranzen eine Handtasche mitgenommen. Es ist nicht so Tussenhaft wie ihr denkt, glaube ich zumindest. Ich kenne mich nicht so aus wenn es um die Unterschiede von Tussen und Mädchen die hübsch Aussehen wollen geht.
"Stopp!" will ich gerade noch rufen, da braust der Bus schon an mir vorbei. Der war definitiv zu früh dran!
Mit leicht vermiester Laune drehe ich mich auf der Stelle um und Laufe in die entgegengesetzte Richtung zur Schule.
Seltsam! Obwohl ich hier her gelaufen bin hat es nicht so lange gedauert wie wenn ich Bus gefahren wäre. Irgendwie seltsam und zugleich ziemlich dämlich.
Wenigstens haben wir die Letzten beiden Stunden Sport, Geräteturnen. Wenigstens ein Lichtblick an diesem sonnigen Dienstag. Das klang jetzt irgendwie falsch...
Meine Stimmung ist jedenfalls im Keller, es scheint als hätte ich niemanden mehr.
Blake ist aus unerklärbaren Gründen total sauer auf mich, Charles glaube auch, Olivia hat mir mein Leben gerettet und Ava steckt wer weiß wo.
Hoffentlich kann ich mich wenigstens mit den Cheerleadern abgeben. Außer natürlich sie haben es vergessen und denken ich hätte mir ihre Uniform auf irgend eine weise illegal zugelegt. Wie auch immer das möglich wäre.
Damit liege ich aber wohl glücklicherweise falsch.
Zu aller erst fällt mein Blick natürlich auf Blake welcher mit seinen Freunden an einer Mauer lehnt und den kleineren Kinder Angst einjagt. Mit einem Joint im Mund blickt er zu mir.
Einige Meter weiter stürmen eine Horde aufgeregter Mädchen auf mich zu. Komplett eingekreist versuche ich die wild durcheinander geworfenen Fragen zu beantworten. Werde dann jedoch einfach Richtung Hauseingang geschleift.
In der höhe wo gerade noch Blake stand blicke ich hinüber an die Mauer. Mein Blick fällt direkt auf das Mädchen neben ihm, Pinke lange Haare, groß, hübsch.
Bevor ich alles weitere realisieren kann befinde ich mich auch schon auf einem Stuhl in der Cafeteria.
"Es ist so cool das du doch mitmachst."
"Danke."
"Wie bekommst du deine Haare so hin?"
"Übung."
"Wie heißt du nochmal?"
"Jamie."
"Gott Leute, lasst sie doch Mal zur Ruhe kommen." unterbricht die eine dann plötzlich die nervige Fragenstellerei. "Wir müssen jetzt eh zum Unterricht." Mit diesen Worten waren auch schon alle aufgesprungen und gingen gemeinsam oder alleine ihre Wege, so dass nur noch ich und das unbekannte Mädchen zurückblieben.
"Ich bin Tamara, nenn mich aber Teddy." freundlich Lächeln streckt mir die Kapitänin der Mannschaft die Hand aus.
Etwas verwirrt blicke ich in ihre braunen Augen. "Wie der Teddy, Teddy?"
"Ja genau.", antwortet sie strahlend.
Dieses Mädchen scheint ganz anders als die die ich übliche auf dem Footballfeld Trainieren sehe.
"Ich weiß was du denkst.", redet sie sanft weiter. "Cheerleader haben ein bestimmtes Image. Entweder du bist so wie die anderen oder du hast keine Chance. Es kommt nur niemand auf die Idee das alles nur Show ist."
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Devil is a Bad Boy
Teen Fiction„Was ist nur aus dem wunderschönen Mädchen geworden das ich einmal kannte?" „Sie ist erwachsen geworden." „Wo ist die Person hin, für die ich getötet hätte?" „Sie existiert nicht mehr." „Was ist aus der geworden, die bis zum letzten Atemzug gekämpft...
