Chapter 40~ Jamie

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Chapter 40~ Jamie

Das knacken des Lautsprechers über der Klassenzimmertür kündigt eine Durchsage unseres Direktors an. Ihm gebührt sofort die komplette Aufmerksamkeit der Schülerschaft.

Ich hingegen sitze nur da und kaue verängstigt an meinem Bleistift, meine Eltern haben mir gestern schon erzählt, dass es so etwas in der Art geben wird.

Gestern

Ein räuspern lässt mich mein ‚Gespräch' mit Olivia beenden. Es hat mir sowieso nicht wirklich etwas gebracht, kein gut gemeinter Rat von ihr, Nichts. (Obwohl, wenn sie wach wäre hätte ich ihr höchst wahrscheinlich überhaupt nichts erzählt)

„Jamie, was machst du denn hier?"

„Ich- Ehm...Ich bringe ihr nur die Hausaufgaben?", es sollte eine Aussage sein, klang aber eher nach einer seltsam ausgedrückten Frage.

„Es ist doch nicht so schlimm, das Kind wollte ihre große Schwester sehen." Danke Dad. Ich wollte schon immer ‚das Kind' sein.

„Ich kann euch hören.", funke ich deshalb dazwischen.

„Man unterbricht das Gespräch eines Erwachsenen nicht."

„Ich bin keine zwölf mehr, Mum!"

„Dann verhalte dich auch so! Nicht einmal einfachen Befehlen kannst du folgen!", sauer zieht sie mich von dem Stuhl neben Olivias Bett hoch und setzt sich selber hin.

„Sag du doch auch was dazu! Ich dachte du stehst auf meiner Seite?", traurig blicke ich meinem Vater direkt in die Augen, dieser schaut weg.

„Wach auf Olivia, niemand ist sauer auf dich. Du bist doch unser kleiner Engel."

Fassungslos und mit geweiteten Augen stehe ich da weiß mir nicht zu helfen.

„Ach übrigens, wir haben mit dem Direktor geredet, er wird für morgen eine kleine Ansage für deine Schwester halten."

Ich tue das, was jeder in meiner Situation getan hätte. Ich laufe weg.

Schwungvoll reiße ich die Tür von Olivias Zimmer auf und stürme auf den Flur. Die zwei Beamten und ein Mann in Anzug blicken mich mit großen Augen an. Fast schon als fühlten sie sich ertappt.

„Ist das Verhältnis zu ihren Eltern immer schon in einem solch schlechten Zustand gewesen?"

„Läuft bei ihnen irgendwas nicht mehr richtig? Meine Schwester liegt im Koma und sie haben nichts Besseres zu tun als Familiengeschichten auszugraben?"

„Wir versuchen nur die Puzzleteile zusammen zufügen und dafür brauchen wir ihre Hilfe."

Denn letzten Satz bereue ich bis zu dieser Minute so sehr, dass ich ihn nicht einmal euch sagen kann. Ich traue mich nicht vielleicht hasst ihr mich, ja Hassen werdet ihr mich.

Ich weiß auch nicht, ich war in diesem Moment so sauer auf alles das ich nicht mehr klar denken konnte.

„Wir müssen ihnen heute leider mitteilen das, das Leben einer unserer geschätzten Schülerinnen am Seidenen Faden hängt. Sie alle haben bestimmt schon gehört, dass Olivia Anne Jones nach einer Schussverletzung jetzt im Koma liegt und es nicht gut um sie steht. Wir wünschen der Familie Jones, insbesondere ihrer Schwester Jamie nur das Beste."

Die Blicke meiner Klassenkameraden heften an mir wie lästiger Klebstoff.

Es ist jedoch Blakes Blick, welcher mich fast aus der Bahn wirft. Seine Augen sind voll von Traurigkeit und Wut, am liebsten würde ich zu ihm gehen und ihn einfach fest in meine Arme schließen. Ich würde ihn nie wieder los lassen.

Innerlich schüttele ich die seltsamen Gedanken ab und versuche mich wieder auf das Geschehen an der Tafel zu konzentrieren. Was nicht so leicht ist, da unser Lehrer mir ebenfalls immer wieder betroffene Blicke zuwirft.

Nach der Stunde packe ich so langsam zusammen, dass sogar unser Lehrer sich aus dem Staub gemacht hat.

Mit Büchern auf dem Arm, welche ich noch in meinen Spind tun will, schlendere ich mit dem Bick auf dem Boden gehaftet Richtung Tür und versuche Blake zu ignorieren der sich ebenfalls noch im Raum befindet.

Kurz bevor ich bei ihm bin schließt er die Tür und stellt sich mit verschränkten Armen davor.

„Wieso hast du es mir nicht erzählt?", in seiner Stimme schwingt ein seltsamer Tonfall mit, welchen ich nicht so recht deuten kann.

„Du würdest es nicht verstehen.", antworte ich mit ruhiger Stimme. Nach einer kurzen Pause fahre ich fort. „Es ist meine Schuld!"

„Hey.", vorsichtig nimmt er mir die Bücher aus dem Arm und legt sie auf einen wahllosen Tisch. „Es ist bestimmt nicht deine Schuld."

„Die Kugel war für mich bestimmt! Alex wollte mich erschießen, nicht sie.", wieder eine Pause. Dann begann ich damit ihm alles zu erzählen, alles was an diesem Tag passiert war als sie sich vor mich geschmissen hat. Ich erzählte ihm sogar die Lügengeschichte die ich allen aufgetischt habe, davon das ich das Gefühl habe von den Polizisten beschattet zu werden.

Er sagte nichts und hörte mir einfach nur schweigend zu, nur bei dem Namen Alex lief ihm ein Schauder über den Rücken.

Ich sah ihn an, wusste nicht wie er reagieren würde. Wieder einmal überraschte er mich, indem er einfach seine Arme um mich schlang und ich meinen Kopf an seine Brust legte.

Ich löste mich von ihm und sah direkt in seine Augen. „Ich kann nicht mit dir befreundet sein, Blake."

Stirnrunzelnd blickt er auf mich hinab. „Wieso? Ich dachte wir haben alles geklärt."

„Es gibt so viele Sachen die du nicht von mir weißt."

„Nenn mir eine!", erwidert er daraufhin stur. „Was ist das Problem jetzt?"

Innerlich versuche ich mich zusammen zu reißen, ich denke daran was ich den Polizisten gesagt habe, daran das wahrscheinlich eh alles vorbei ist. Ich habe sie bedroht, ich habe die Beamten bedroht.

„Sie suchen in der falschen Richtung. Wer weiß ob ich die Wahrheit gesagt habe, es könnte ja sein das es eine Verbindung zwischen allem gibt, dass ich die Verbindung bin. Finden sie lieber raus was wirklich passiert ist, denn ich weiß es. Und sie wollen nicht wissen was passiert wenn sie sich meiner Schwester auch nur auf zehn Metern nähern!"

Jetzt oder nie.

„Das Problem ist, dass ich in dich verliebt bin und du es nicht erwidern kannst.", ich schaue ihn nicht an. Ich nehme einfach nur meine Bücher wieder auf meinen Arm und öffne mit einer Hand die Tür.

Wie in Zeitlupe drehe ich mich noch einmal zu ihm.

„Ich liebe dich Blake."

Devil is a Bad BoyWo Geschichten leben. Entdecke jetzt