Chapter 38~ Blake

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"Muss das wirklich sein?", frage ich die zwei bulligen Polizisten welche das Auto Richtung Revier fahren.

"Wir haben sie aus einem Haus gerettet, welches wenige Sekunden später in die Luft gesprengt wurde. Also ja, dass muss sein.", sagt er und schaut mitleidig nach hinten zu Toni.

Diese lehnt völlig erschöpft mit ihrem Kopf gegen die Fensterscheibe. Was hatte sie überhaupt dort zu suchen? Die anderen sind alle rausgesprintet warum sollte sie dann ausgerechnet dort bleiben?

Vorsichtig und ohne hastige Bewegung lehne ich mich zu ihr hinüber. "Kein Wort zu niemandem."

"Denkst du ich bin bescheuert?", fragt sie verblüfft.

"Nicht tuscheln dahinten!"

Da die beiden Polizisten denken das wir die Opfer hier sind lassen sie die Handschellen weg und bringen uns Richtung Revier. Mindestens ein Uhr morgens ist es jetzt. Kurz tasten sie uns ab, fragen nach Namen und bringen uns dann in getrennte Verhörräume.

Jede Frage tue ich einfach mit einem Kopfschütteln ab. Jede einzelne.

Der Kommissar ist kurz vor dem verzweifeln, da stolziert plötzlich mein Vater durch die Tür.

"Los Junge wir gehen.", meint er und klopft mir auf die Schulter. Grinsend folge ich meinen Vater.

"Ich weiß warum du da drin warst.", sagt er plötzlich.

Meine komplette Haltung spannt sich an. "Achja?", frage ich neugierig.

"Du willst Aufmerksamkeit von mir. Du bist sauer weil ich nie Zuhause bin.", fährt er fort. "Sag mir was du willst, ich gebe dir alles aber bitte hör damit auf!"

Entgeistert starre ich meinen durchgeknallten Dad an.

"Wirklich alles! Sag es mir nur.", fast schon bittend blickt er mich an.

Mit großen Augen betrachte ich ihn und suche nach Anzeichen einer Kopfverletzung.

"Das Mädchen hat keine Angehörigen, sie ist aus einem Heim entflohen.", dumpfe Stimmen hallen durch den Raum. "Wenn sich niemand mehr meldet müssen wir Toni wohl oder übel dort wieder abliefern."

Aus irgendeinem Grund empfinde ich gerade Mitleid für dieses Mädchen. Wir haben zwar nicht sonderlich viel Zeit miteinander verbracht dennoch kam sie mir äußerst nett vor. In der Halle hätte sie mich eiskalt von hinten erschießen können, doch sie tat es nicht.

Soll ich, soll ich nicht? Soll ich einmal in meinem Leben das richtige tun und einem armen Mädchen helfen?

Ja oder Nein?

Okay ich will mal nicht so sein.

.

.

.

Obwohl...

.

.

.

Nein das wäre falsch. Hasst mich aber helfen werde ich ihr nicht.

Ich kenne Mädchen wie sie. Sie wollen sich aus der Masse herausheben, Männern beweisen das Mädchen keine reinen Klischees sind. Sie will es alleine schaffen. Hoffe ich.

"Darf ich noch eine Notiz für sie hinterlassen. Als Dankeschön.", höflich blicke ich den groß gewachsenen Mann an.

"Ich weiß das du es auch alleine schaffen würdest. Doch du hast nichts mehr, du hast deine Freunde verraten indem du mir geholfen hast. Deine Eltern interessieren sich nicht für dich. 'Ich habe niemanden', doch du hast mich."

Auf die Rückseite kritzele ich noch unsere Adresse und Telefonnummer.

~

Durch ein lautes Geräusch schrecke ich aus meinen Traum. Sofort lege ich meinen Kopf wieder stöhnend auf das Kissen zurück. In meinem inneren versuche ich zu erraten was Gestern Nacht -oder heute morgen, noch alles passiert ist. Mein Kopf ist wie leer gefegt.

Erst jetzt spüre ich das sich neben mir etwas bewegt. Langsam drehe ich mich meinen Kopf nach rechts und betrachte das schlafende Mädchen neben mir. Ihr Gesicht ist zur Wand gedreht, ihre hellbraunen Haare sind das einzige was ich sehen kann.

Mit einer Hand hebe ich die Bettdecke leicht an lasse sie aber direkt wieder fallen als die Tür aufgeht.

"Deine Mutter hat mich reingelassen, reizende Frau.", meint sie.

"Platzt du immer einfach so rein?", frage ich Toni genervt. "Wenn du schon da bist, dann hilf mir lieber die hier weg zu schaffen.", mit dem Finger zeige ich auf das Mädchen hinter mir und setze mich auf.

"Das bekomme ich hin."

Etwas freundlich bitte ich Toni sich kurz umzudrehen damit ich in mein Badezimmer gehen kann.

Kurz darauf kam ich frisch geduscht und angezogen wieder in mein Zimmer. Mit leicht tropfenden Haaren setze ich mich neben sie auf mein Bett und blicke zum Fernseher.

"Wie hast du es gemacht?", frage ich neugierig.

"Ich habe sie ins Ohr gezwickt und mich dann in deiner Decke eingerollt hinter sie gelegt. Du glaubst gar nicht wie die hier raus gerannt ist als sie gemerkt hat das ich 'ne Frau bin.", lachend ahmt sie das Mädchen nach und imitiert ihre Stimme.

"Blahake du musst zur Schule!", ruft meine Mutter von der Treppe hoch.

Mit Toni im Schlepptau hole ich mir aus der Küche meinen täglichen Kaffee, begrüße meine Geschwister und eile dann hinaus zu meinem Auto.

Etwas verwirrt blicke ich Toni an, da sie sich ebenfalls in mein Auto gesetzt hat. "Ehm, ich muss zur Schule."

"Ich bin in deinem Jahrgang!", antwortet sie lächelnd.

"Achso, ja klar. Jetzt weiß ich es wieder.", lüge ich und versuche mich daran zu erinnern sie jemals gesehen zu haben.

"Wir haben Französisch zusammen.", versucht sie es weiter.

Um nicht weiter darüber reden zu müssen drehe ich das Radio an und summe leise vor mich hin.

Wenigstens ist hier alles wie immer, denke ich während wir den Schulhof betrete und die jüngeren mir direkt aus dem Weg gehen.

Meine Jungs begrüße ich uns stelle ihnen Toni vor. Direkt erzähle ich ihnen was gestern alles Geschehen ist als sie weg gefahren sind, die abschätzenden Blicke die sie ihr zuwerfen ignoriere ich gekonnt.

Mein Blick schweift über den Schulhof um ihn nach Jamie abzusuchen. Doch ich kann nur Ava sehen welche bei irgendeinem Nerd steht.

"Wer ist die kleine denn?", fragt einer.

Am liebsten hätte ich ihm jetzt eine runtergehauen weil er manchmal so dumm sein kann, doch die Tatsache Jamie so zu sehen wirft mich komplett aus der Bahn.

"Welche ist es?"

"Hmm?", frage ich.

Seufzend zeigt sie auf eine Stelle auf dem Schulhof. "Welche hast du gerade so angestarrt?"

"Ich habe niemanden angestarrt.", verteidige ich mich und hebe unschuldig die Hände.

Noch einmal blicke ich zu der von Cheerleadern umkreisten Jamie.

Ein komisches Gefühl macht sich in mir breit.

Das Gefühl sie beschützen zu müssen.

Und das ist der Augenblick in dem es mir klar wurde.

Ich liebe sie,

wie eine Schwester.





Devil is a Bad BoyWo Geschichten leben. Entdecke jetzt