Kapitel 3

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Bevor sie anfangen konnte zu lesen, was sie dachte was es war, setzte sie sich auf den Boden und lehnte sich gegen das Bett.

Liebe Beatrice,
wenn du den Brief liest, waren Michael und ich hoffentlich erfolgreich und haben Adriel besiegt. Das bedeutet auch, dass ich nicht da sein kann und unseren Sieg mit euch feiern kann. Es tut mir leid Bea. Niemals hätte ich zulassen können, auch nur eine weitere Schwester in diesem Kampf zu verlieren. Erst recht nicht dich. Es ist nicht fair und das weiß ich. Bitte denke daran, dass es mir nicht einfach fallen wird dich und die anderen zu verraten, um meinen Plan zu folgen. Ich hoffe ich werde trotz allem, die Chance haben dir noch etwas wichtiges zu sagen. Riskieren kann ich es trotzdem nicht. Beatrice, die Zeit mit dir war die Beste in meinem Leben. In dir habe ich nicht nur eine Freundin gefunden, sondern auch meine Familie gefunden. Die anderen gehören sicher auch dazu, aber du bist diejenige die ich liebe. Ich liebe dich Bea. Darum tut es mir unendlich leid dich alleine lassen zu müssen, aber nur so kann ich dich in Sicherheit wissen. Bitte lebe dein Leben und habe keine Angst du selbst zu sein. Die Menschen die dich lieben, tun das immer, ganz egal was und wen du liebst. Ich werde es immer, egal wo ich bin.
Ava

Als sie Avas Abschiedsbrief fertig gelesen hatte, fiel Beatrices Hand mit dem Papier in der Hand schlaf auf den Boden. Nicht fähig klar zu denken fing sie an zu weinen. Nicht nur, dass Ava sie verlassen hatte, machte Bea traurig. Die Tatsache, dass sie von Anfang an in diese Mission gegangen ist, sich selbst zu opfern. Hätte Beatrice es früher gewusst, oder diesen Brief früher gelesen, hätte sie es vielleicht verhindern können. Das schwierigste wird aber nicht die Herausforderung sein, ihr Leben wie Ava es wollte zu leben, sondern offen zu sich selbst zu stehen. Ava hatte die Chance ihr zu zeigen, dass sie Beatrice liebte, sie hatte es verpasst. Natürlich wollte Bea mehr als alles andere auf der Welt, dass Ava wusste wie sehr sie sie liebte. Hätte Beatrice es ihr rechtzeitig gesagt, wäre Ava womöglich nie durch das Portal gegangen und mit Sicherheit gestorben. Daher entschied sie sich gegen diese selbstsüchtige Alternative. Niemals hätte Bea es sich verzeihen können, wenn sich Ava ihretwegegen wegen ein paar mehr Minuten zusammen für den Tod entscheiden hätte. Realistisch betrachtet war es auch fast so. Ava hat sich selbst geopfert um Beatrice und die anderen zu schützen. Eine Ehrenwerte Handlung fürs die Beatrice Ava trotzdem hätte Ohrfeigen können.
Als alles anfieng weh zu tun stand sie auf und legte sich in Avas verlassenes Bett. Beatrice Tränen wurden von dem nach Ava duftenden Kissen unter ihrem Kopf aufgesogen. So gerne hätte würde sie neben ihr liegen und einfach alles vergessen.

Es war bereits hell als Beatrice die Augen öffnete. Offenbar war sie eingeschlafen. Bevor sie ging zupfte sie Avas Bett wieder zurecht und verstaut den Brief in einer Tasche ihrer Habit. Ein knurren in ihrem Magen ließ sie sich selbst fragen, wann sie das letzte Mal etwas gegessen oder getrunken hatte. Die Antwort war zu lange schon nichts mehr. Leise und mit gesenktem Kopf schlich sich Beatrice in die Küche. Zu ihrer Überraschung saßen Mutter Oberin, Yasmine und Dora schon am Tisch.

"Guten Morgen Beatrice. Wie geht es dir?" Mit einem sanften Lächeln sah Mutter Oberin sie an.

Mit aller Mühe versuchte Beatrice ihre Emotionen zurückzuhalten. "Guten Morgen. Ich denke den Umständen ganz gut."

"Das freut mich."

"Mich auch." Meldete sich Yasmine zu Wort.

"Wir haben gerade besprochen wie wir die nächsten Tage verfahren sollen. So tief die Trauer um den Verlust von Ava auch ist, müssen wir weiter machen. Wir könnten Jillian nicht für immer zur Last fallen und müssen uns um den Wiederaufbau des OCS konzentrieren." Mutter Oberin hatte recht. Selbst nach Shannon war der Fokus schnell wieder auf den aktuellen Geschehnissen. "Ich werde später nocheinmal mit Jillian sprechen, aber bevor wir abreisen und in das Kloster zurückkehren, werden wir einen kleinen Gottesdienst abhalten. Zu Ehren Ava und Michael. Wir haben eine Schwester verloren und sie ihren Sohn."

Es war eine nette Idee. Was Beatrice nicht gefiel, dass sie mit einer solchen Sicherheit sagte, dass Ava nie wieder zurückkehren würde. Natürlich konnte niemand von ihnen wissen ob es tatsächlich so war, oder Ava wie Michael irgendwann einfach wieder auftauchen würde.

"Das ist eine nette Idee. Wenn ihr mich entschuldigt, ich nehme mir nur kurz eine Kleinigkeit zu essen mit und widme mich meinem Training." Beatrice nahm ein Brötchen und einige Scheiben Wurst mit.

"Das ist eine gute Idee. Wir haben den Kampf gewonnen, aber eine Schlacht steht uns bevor. Dora, ich möchte, dass du dich um das Training für Camila und die anderen Schwestern kümmerst." Mutter Oberin leerte ihre Tasse Tee mit einem Schluck und verließ mit Beatrice den Raum.

Warrior Nun: Das NachspielWo Geschichten leben. Entdecke jetzt