1. Tintenschwarz - Pechschwarz

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1. Tintenschwarz – Pechschwarz

Er ist hier.

Sie haben den Mistkerl tatsächlich hierher gebracht und Harry hat es nicht einmal für nötig gehalten, mich zu konsultieren, bevor er die entsprechende Anweisung erteilt hat.

Stattdessen war es Blaise' Patronus, der mich aus dem Schlaf gerissen hat. Die lautstarke Verkündung seines Vornamens hat mich geweckt. Von einer aufgeregten, für diese Art von Nachricht viel zu euphorischen Stimme.

Draco hat sich ausgeliefert, Hermine.

Ich saß senkrecht im Bett, verdammt nochmal.

Blaise' Entzücken kann ich nicht teilen. Für mich steht fest, dass es kein Zufall sein kann, dass Malfoy sich ausgerechnet jetzt dazu herablässt, zum Widerstand überzulaufen. Nach mehr als sieben Jahren. Es wird vermutlich eine List sein. Ein Hinterhalt. Oder vielleicht ist er bei Tom wegen irgendetwas in Ungnade gefallen und hatte schlichtweg keine andere Wahl, als Hals über Kopf abzuhauen. Das würde zu ihm passen.

Doch was auch immer in Wahrheit dahinterstecken mag - ihn hierher zu bringen, war in jedem Fall fahrlässig. Was hat Harry sich nur dabei gedacht?

Selbst, wenn Malfoy tatsächlich auf der Flucht sein und somit keinerlei Ambitionen haben sollte, Tom mithilfe seines Dunklen Mals zu rufen, so kann dieser ihn immer noch darüber aufspüren. Wir können wohl von Glück sprechen, dass er nicht längst hier ist.

Es ist genau diese Panik, die mich keine zwei Minuten nach dem Erhalt von Blaise' Nachricht in meinem gottverdammten Pyjama in den Speisesaal rauschen lässt. Um diesem äußerst unprofessionellen Auftritt den Großteil seiner Lächerlichkeit zu nehmen, setze ich meinen finstersten Gesichtsausdruck auf und stoße die Tür doppelt so heftig auf wie sonst.

„Was zum Teufel ist hier los?", rufe ich, während ich in den Raum marschiere und bereits vorsorglich die Hände in die Hüften stemme.

Harry besitzt zumindest den Anstand, ertappt dreinzuschauen.

„Es ist alles okay, Hermine", behauptet er und hebt beschwichtigend die Hände. „Wir haben die Situation unter Kontrolle."

„Unter Kontrolle?", belle ich. Ich muss mich davon abhalten, mir die Haare zu raufen. „Wir müssen das Hauptquartier sofort evakuieren, Harry! Wie konntest du ihn nur hierher bringen? Ohne vorherige Befragung? Das ist vermutlich genau das, worauf Tom gehofft hat! Wo muss ich mich melden, um ein einziges Mal mit Profis zusammenzuarbeiten?"

„Draco hat sich ergeben", merkt Blaise vorsichtig an.

Der Klang seiner Stimme bringt mich dazu, meinen Blick flüchtig über die übrigen Anwesenden gleiten zu lassen.

Neben Blaise sitzen Oliver, Dean, Anthony, Katie und George an einem der langen Esstische. Somit also fast die gesamte Mannschaft, die heute Nacht gemeinsam mit Harry auf dem Wachposten war, den Malfoy sich für sein kleines Theater ausgesucht hat.

Bei Merlin, ich hoffe für sie, dass sie die Siedlung nicht gänzlich unbewacht zurückgelassen haben. Ich verspüre den heftigen Drang, Backpfeifen zu verteilen. Ernsthaft.

„Malfoy ist ein hervorragender Schauspieler, Blaise", gebe ich aufgebracht zurück. „Das war er schon immer. Wie kannst du dir sicher sein, dass er nicht just in diesem Moment seinen Finger auf sein Dunkles Mal presst? Und selbst, falls er tatsächlich die Seiten wechseln will, was ich ehrlich gesagt stark bezweifele, dann kann Tom ihn über sein hübsches, kleines Tattoo immer noch lokalisieren. Das wisst ihr doch, verdammt!"

„Oh fuck", murmelt Oliver.

„Aber sowas von oh fuck", wiederhole ich schneidend.

Harry rückt seine Brille zurecht und räuspert sich, doch noch bevor er den Mund öffnen kann, meldet sich Blaise abermals zu Wort.

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